Monteverde – Verschnaufpause in den Nebelwäldern Costa Ricas

Frühmorgens in San Juan del Sur. Noch etwas übermüdet von einer weiteren heissen Nacht kaum ohne Schlaf, trotten zwei motivierte Backpacker schwer beladen durch das kleine Städtchen. Lächelnd grüssen wir die Menschen an diesem frühen Morgen, denn irgendwie scheinen wir zufrieden. Mag sein, dass wir uns auf ein Land freuen, dass wir eigentlich gar nie wirklich auf unserem Radar hatten, mag aber auch sein, dass wir schlichtweg etwas erleichtert sind, unter das Kapitel Nicaragua, so traurig das ganze auch ist, einen Schlussstrich ziehen zu können. Wir sehen es tatsächlich ein bisschen als Neuanfang unserer Reise an, denn endlich strotzen wir wieder vor Energie, freuen uns auf die nächsten Tage und haben einen Rucksack voller Pläne und Ideen im Gepäck. Die Reise an die Grenze zu Costa Rica ist für uns somit für einmal nicht einfach nur ein normaler Grenzübertritt – ein kleiner Schritt für manch ein anderer Reisender, ein grosser Schritt für uns.

Es ist Punkt acht Uhr morgens, als der voll beladene Bus San Juan del Sur verlässt, laut heulend und knatternd die einzige grössere Landstrasse ins Landesinnere fährt, um uns nur eine halbe Stunde später mitten auf einer Kreuzung wieder auszusetzen. Alles gewollt selbstverständlich, denn von der Kreuzung La Virgen aus geht es mit einem letzten Bus weiter an die Grenze. Zusammengepfercht sitzen wir im hinteren Teil des Busses. Hinter uns zwei ältere Männer sich gegenseitig neckend auf ihren Glacewagen sitzend, das eindringliche Gebimmel der Glocke ihres Verkaufswagens immer in den Ohren. Nur die wie immer sorgfältig ausgesuchte Playlist des Fahrers vermag das Gebimmel ein wenig einzudämmen. Vor uns wild gestikulierende Nicaraguaner, wie so oft ein wildes, lebendiges Treiben im Bus. Und tatsächlich kommt bei diesem Anblick letztendlich doch noch ein wenig Wehmut auf, wissen wir doch, dass abenteuerliche Busfahrten in Kürze zumindest vorläufig ein Ende haben werden. Denn kaum haben wir die Grenze passiert, weht ein anderer Wind. Nicht nur strahlt das Grenzhäuschen in einem ungewohnt modernen Gewand, auch reisen wir ab sofort wieder in normalen Bussen, wo jeder seinen Sitzplatz hat. Luxus, den wir uns längst nicht mehr gewohnt sind.

Pura Vida Costa Rica!

Costa Rica ist aber nicht nur äusserlich eine andere Liga, auch finanziell eine andere Nummer als das restliche Zentralamerika. Nicht umsonst, war Costa Rica auf dieser Reise gar nicht wirklich angedacht intensiv zu bereisen. Aufgrund der Lage in Nicaragua allerdings haben wir unsere Pläne geändert und so verbringen wir letztendlich doch noch ganze zwei Wochen in diesem Land. Man könnte wahrlich Monate hier verbringen, ist man interessiert an Natur, der Tierwelt, einzigartigen saftgrüner Ecken und vielem mehr. Unsere Zeit allerdings ist leider etwas limitiert, weshalb wir nur zwei Ziele auserkoren haben, wie so oft allerdings die am weitesten voneinander entfernten. Und so lassen wir den ganzen Norden des Landes in wenigen Stunden bereits hinter uns, wechseln in Liberia den Bus, der uns ein weiteres Mal an einer Strassenkreuzung rauswirft um dort den letzten Bus des Tages (es gibt nur zwei pro Tag) an unser heutiges Ziel zu erreichen.

Langsam aber stetig bahnt sich der Bus seinen Weg hoch in die Berge. Auf teilweise engen Schotterstrassen steigen wir Meter um Meter höher. Wo einst noch die Sonne uns schwitzen liess, wirds plötzlich angenehm kühl. Eine frische Bise weht durch die offenen Fenster des Busses, lässt mich gar für Sekunden daran denken die Jacke auszupacken. Aber nichts da, das bisschen Gänsehaut muss genossen werden und zwar in vollen Zügen. Angekommen in Monteverde schliesslich nieselt es angenehm, die Nebeldecke hängt tief. Was die Stimmung anderer eher trübt, bereitet uns Freude! Wir atmen tief ein und spüren wie die frische Bergluft die Lungen füllt.

Nach einer angenehm, fast schon kalten Nacht, eingemummelt in einer dicken Wolldecke, besteigen wir frühmorgens den Bus, der uns ins Monteverde Cloud Forest Reserve bringt, das bekannteste aller Reservate in dieser Region. Ein Netz von Wanderwegen durchzieht das Reservat, über welche man der Pflanzen- und Tierwelt näher kommen kann. Auf einer Gesamtlänge von 13 Km sind auch wir zuversichtlich zumindest ein paar Tiere zu Gesicht zu bekommen. Optimistisch wie immer betreten wir den Park, marschieren über die gut ausgebauten Wege, den Kopf stets weit in die Höhe gestreckt auf der Suche nach der hiesigen Tierwelt.

Monteverde Cloud Forest Reserve

Sind Nebelwälder, wie der Name schon sagt, meist von Nebel durchzogen, macht uns die aktuell vorherrschende Regenzeit einen kleinen Strich durch die Rechnung. Von einer Sekunde auf die andere schüttet es wie aus Kübeln. Obwohl innert Sekunden triefend nass, können wir uns glücklich schätzen mitten im Regenwald zu stehen (ja welch Ironie). Denn während der Himmel seine Pforten öffnet, bietet der Wald genügend Unterschlupf um zumindest anfangs noch halbwegs trocken zu bleiben.

Natürlicher Regenschirm

Den Spass am ganzen lassen wir uns allerdings keineswegs verderben, ist es doch seit langer Zeit der erste Regen. Neben der hiesigen Tierwelt, von welcher wir nicht viel zu sehen bekommen, ist ein Aussichtspunkt an einem Ende des Weges, von wo aus man bei gutem Wetter den Pazifischen als auch den Atlantischen Ozean sehen kann, ein kleines Highlight. Bei schönem Wetter notabene, denn wie bereits erwähnt, macht der Wald seinem Namen alle Ehre, denn Aussicht ist..naja, ums gelinde auszudrücken, keine vorhanden.

Sicht auf den Atlantik…

Sicht auf den Pazifik….

Immer tiefer scheint der Nebel in den Wald zu ziehen, während der Regen nur sehr langsam nachlässt. Obwohl tatsächlich bereits bis auf die Unterhosen nass, ja wir erinnern uns währenddessen äusserst gerne an unsere Zeit in Vietnam, wandern wir weiter. Der Weg führt schliesslich über eine Hängebrücke tiefer in den Wald.

Leider lässt auch hier die Aussicht etwas zu wünschen übrig

Ich behaupte ja, dass die Tiere obwohl im Nebelwald heimisch, Regen auch nicht wirklich mögen. Denn gesehen haben wir ausser diesem kleinen Freund nichts und niemanden. Aber immerhin..geben wir uns doch mit wenig zufrieden.. 😉

Unser einziger Fund, der Polydesmidae oder auch flach-backed Tausendfüssler genannt

Während der Monteverde Cloud Forest mit extrem gut ausgebauten Wegen auftrumpft, suchen wir noch etwas abgelegeneres, wenig frequentierteres wo die Chance auf wilde Tiere zu treffen hoffentlich etwas grösser ist. Das Santa Elena Reservat bietet uns hierfür die perfekte Alternative, weshalb wir uns nur tags darauf auf den Weg in den nächsten Nebelwald machen.

Führen die ersten paar hundert Meter ebenfalls auf gut ausgebauten Wegen durch den Wald, sind die restlichen Kilometer einfach und rustikal gehalten, genau nach unserem Gusto.

Glücklicherweise hängt der Nebel an diesem Tag nicht derart tief, sodass unser Blickfeld etwas tiefer in den Wald reicht. Wild verwuchert mit dicht nebenaneinder wachsenden Pflanzen bietet der Nebelwald hier eine einmalige Naturkulisse.

Und tatsächlich können wir den ein oder anderen Farbtupfer im wilden Grün ausmachen.

Nur Tiere bleiben uns weiterhin verwehrt. Diesen kleinen Freund haben wir wohl nur knapp verpasst…

DSCF5663

Überall hören wir die Geräusche des Waldes. Versuchen diese zu orten, meist erfolglos. Mein Wunsch einen Tukan oder Quetzal, einer dieser farbenfrohen Vögel zu Gesicht zu bekommen ist schwieriger als erwartet. Plötzlich allerdings hören wir es unmittelbar vor uns rascheln. Angestrengt blicken wir ins grüne Dickicht, wo direkt vor uns auf einem Ast ein Mohrenguan eine Pause einlegt. Auch wenn dieser Vogel keine Seltenheit ist und bis auf seinen bläulich scheinenden Schnabel wenig farbenfroh ist, freuen wir uns ausserordentlich über diese spontane Begegnung im Wald.

Mohrenguan

Zufrieden, neben den unzähligen Tausendfüsslern zumindest einen weiteren Bewohner des Nebelwaldes gefunden zu haben, geniessen wir die letzten Kilometer im dichten Wald.

Nach der eher kargen, (noch) trockenen Landschaft in Nicaragua sind wir überwältigt von den unzähligen verschiedenen Grüntönen mit welchen Costa Rica auftrumpft. Ein gelungener Einstieg in den Bergen und eine verdiente Verschnaufpause in den Nebelwäldern Costa Ricas.

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