Quito – in der Mitte der Welt

Noch ein letztes Mal blicke ich aus dem kleinen Fenster. Wie kleine Spielzeugautos tuckern die Fahrzeuge über die einzige Strasse der Insel. Die schaumigen Wellenkämme können kaum noch wahrgenommen werden, während es scheint, als würden die Inseln von der Strömung des Meeres immer weiter weggetrieben. Noch ein letztes Mal klebt meine Nase an der Scheibe, ein letzter Blick, bevor unter mir nur noch schier endlos wirkendes dunkles Blau zu sehen ist. Obwohl ein Flug meist auch immer ein spannender Anfang von etwas neuem bedeutet, fällt uns der Abschied von den Galapagos-Inseln nicht ganz so leicht. Trotz allem sind wir aber bereit für neue Abenteuer. Für Abenteuer in luftiger Höhe, denn fortan liegen unsere Ziele mehrheitlich über 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Zeit also sich entsprechend an die Höhe zu gewöhnen. Akklimatisation ist angesagt. Und genau aus diesem Grund schlagen wir unser Basislager für die kommende Woche in Ecuadors Hauptstadt, inmitten der Millionenstadt Quito auf. Hier haben wir nicht nur Zeit uns an die Höhe zu gewöhnen, auch zu bieten hat die Stadt so einiges..

Bereits der Landeanflug auf die Hauptstadt Ecuadors ist atemberaubend. Atemberaubend nicht nur der grandiosen Aussicht auf die Anden wegen, wo mittendrin der Cotopaxi, der zweithöchste Berg Ecuadors stolz aus den Wolken ragt, nein atemberaubend auch dank des ziemlich turbulenten Landeanflugs. Tatsächlich hat man in früheren Jahren einst eingesehen, dass der alte inmitten der Stadt liegende Flughafen sicherheitstechnisch eher ungeschickt ist, weshalb im Jahre 2013 ein nagelneuer Flughafen ausserhalb der Stadt errichtet wurde. Nur scheint dieser ebenso eine Fehlkonstruktion zu sein, denn der verhältnismässig kurze Anflug zwischen den Andengipfeln mit seinen unberechenbaren Scherwinden aufgrund der Ausrichtung resp. Lage des Flughafens gepaart mit der Höhe und der damit einhergehenden dünnen Luft macht jede Landung zu einer kleinen Odyssee. Gelandet sind wir schliesslich aber dennoch einwandfrei, weshalb dem Abenteuer Quito glücklicherweise nichts mehr im Wege steht.

Nach diesem etwas turbulenten Start lassen wir die kommenden Tage etwas langsam angehen. Nicht nur müssen wir uns nach den wunderschönen ruhigen Tagen in der Natur wieder in den Stadtmodus bringen, auch gilt es die Höhe der Stadt nicht zu unterschätzen. Höhentraining allerdings bekommt man hier fast geschenkt, gibt es doch etliche Treppen, steile Gassen und Kirchtürme, die geradezu darum flehen bestiegen zu werden. Wir kämpfen uns durch das wilde Gewusel der Stadt, spazieren durch Parks, vorbei an imposanten Bauten, besteigen die Türme der Basilica del Voto Nacional, betrachten den Palacio Hidalgo auf der Plaza de Independecia, beobachten das Geschehen auf dem Markt und lassen uns einfach Treiben von der Geschäftigkeit der Stadt.

Aber nicht nur die Stadt selbst hat so einiges zu bieten, auch deren Umgebung umfasst einige spannende Ecken. Von Quito aus nämlich lassen sich diverse unterschiedliche Tagestrips unternehmen. Eines der ersten Ziele, welches wir von der Stadt ausgehend ansteuern ist der Hausberg von Quito, der Rucu Pichincha. Ganze 4690 Meter über Meer ragt der heute noch aktive Vulkan in die Höhe. Bestiegen werden kann dieser relativ leicht in einer Tagestour, dank einer Seilbahn, welche die Touristen an der Flanke Curzloma entlang bis auf 4100 Meter über Meer befördert.

Von der Bergstation schliesslich hat man den Gipfel des Rucu Pichincha stets im Blick.

Rucu Pichincha

Doch auch wenn der Gipfel zum Greifen nah scheint, hat es der kurze, aber knackige Aufstieg auf den Gipfel in sich. Nicht die Distanz oder die Steigung sind das Problem, vielmehr macht einem hier oben tatsächlich die Höhe zu schaffen. Langsam steigen wir hoch, merken wie schwer es ist die Lungen ausreichend mit Sauerstoff zu füllen, fühlen uns derweil träge und schlapp.

Es dauert letztendlich doch weniger als drei Stunden bis wir den Gipfel schliesslich erreichen. Noch nie haben wir eine Höhe von knapp 4’700 Meter erklommen, ein eindrückliches Erlebnis, mit einer noch eindrücklicheren Aussicht.

Was wir bereits auf hoher See während unserer Tour rund um die Galapagos-Inseln erleben durften, wiederholen wir nun auf dem Festland. Rund 23 Kilometer nördlich von Quito nämlich verläuft der Äquator. Eigentlich nichts spezielles, wäre Ecuador nicht das einzige Gebiet in Südamerika, in dem der Äquator an festen, natürlichen Orientierungspunkten verläuft, nämlich an den Gipfeln der Anden. Der restliche Teil verläuft durch sich ständig verändernde Regenwaldgebiete. Um die Bahnen der Himmelskörper allerdings zu beobachten, sind fest Punkte unabdingbar. Das Gebiet des heutigen Ecuadors ist somit der einzige Ort, an dem früher eine genaue Positionsbestimmung des Äquators möglich war. Mitad del Mundo heisst der Ort an dem Charles Marie de la Condamine mit einer französischen Expedition 1736 als erster Europäer die genaue Position des Äquators bestimmte. Heute steht an diesem Ort ein 30 Meter hohes Monument inmitten eines grossen Parks.

La Mitad del Mundo

In Zeiten von GPS allerdings hat sich herausgestellt, dass sich der wahre Äquator etwa 240 Meter nördlich des Monuments befindet. Alle Besucher, welche sich, wie wir, breitbeinig über die gelbe Linie beim Monument hinstellen und freudig darüber hüpfen, um auf beiden Hälften der Erde zu stehen, sind demnach 240 Meter zu weit südlich. Dennoch ohne GPS im Jahre 1736 eine reife Leistung wie wir finden!

Rund 240 Meter nördlich schliesslich findet man den wahren Äquator.

Und tatsächlich lassen sich hier ganz interessante Experimente durchführen. Der Klassiker dabei ist, das mobile Waschbecken, in dem das Wasser auf der nördlichen Halbkugel andersherum abläuft als in der südlichen Hemisphäre. Aber auch rohe Eier lassen sich mit etwas Geschick auf einem dünnen Nagel horizontal balancieren.

Fast eine Woche nehmen wir uns Zeit für die Hauptstadt Ecuadors resp. deren Umgebung. Ein nicht zu verpassendes Highlight diesbezüglich stellt der einmal wöchentlich stattfindende Markt in Otavalo dar. Die Kleinstadt Otavalo, in der nördlich von Quito gelegenen Provinz Imbabura verwandelt sich vor allem samstags in eine riesige, farbenfrohe Marktzone in der Waren aller Art angeboten werden. Obschon ein kleiner Markt täglich auf der Plaza de Ponchos stattfindet der vor allem auf Touristen ausgerichtet ist, zieht der Markt jeweils samstags vorallem auch Einheimische von nah und fern in die ca. zwei Stunden von Quito entfernte Stadt. Insbesondere das hier heimische indigene Volk der Kichwas findet man in den Strassen rund um die Marktstände. Alltägliche Gebrauchsgegenstände, Gemüse, Obst, Reis, Getreide, Kleidung aber auch allerhand Webkunst in Form von bunten Schals, Decken und Ponchos werden hier feilgeboten.

Es sind intensive Tage in der Hauptstadt Ecuadors. Tage die unsere Sinne auf eine ganz andere, wiederum neue Art beanspruchen. Eben noch sind wir mit Hunderten von Meeresbewohnern geschwommen, haben einsame, nur von heimischen Tieren bevölkerte Inseln erkundet und schon klettern wir durch die atemberaubenden Anden und Besuchen Städte mit nicht minder spannenden Bewohnern.

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