Bogotá – Kulturell-kulinarische Tage in Kolumbiens Hauptstadt

 

Viel haben wir von ihr gehört – dabei aber nur wenig Gutes. Ein riesiges chaotisches Moloch, dreckig, arm, kalt und geplagt von eher bescheidenem Wetter sei sie, die Hauptstadt Kolumbiens. Unsere Erwartungen, insbesondere nach den Besuchen der süssen kleinen Bergdörfer, waren entsprechend klein. Eine weitere Grossstadt, die wir ein weiteres Mal mehrheitlich für Organisatorisches nutzen und dabei nur wenige Tage dort verbringen wollen, weiss uns dennoch zu überraschen. Trotz einer Einwohnerzahl von weit über acht Millionen begrüsst uns die Stadt freundlich, offen, chaotisch zwar, trotzdem aber strukturiert und durchaus interessant.


Wie so oft allerdings brauchen wir auch für diese Erkenntnis ein klein wenig länger als vielleicht manch anderer. Während unser Bus, aus Tunja kommend, die äusseren Agglomerationen durchfährt, sich durch den Grossstadtdschungel von Stadtviertel zu Stadtviertel kämpft, rümpfen wir das erste Mal die Nase. Laut, dreckig, verkehrstechnisch heillos verstopft, präsentiert sie sich uns in den ersten Minuten. Der Bus scheint sich nach jeder Strassenecke ein wenig mehr zu leeren, kein Wunder befinden sich die besseren Viertel doch allesamt im Norden der Stadt. Nur wir, die zwei Schweizer Gringos bleiben sitzen, lassen unseren Fahrer auch nach dessen dritten ungläubigen Mal Fragen wissen, dass wir wirklich bis zur Endstation wollen. „Ihr könnt auch hier bereits aussteigen, das etwas bessere Touristenviertel „Zona Rosa“ ist gleich hier um die Ecke!“, meint dieser etwas verwundert. Nein, wir bleiben stur. Erst als uns der Taxifahrer durch tatsächlich heruntergekommene Gegenden chauffiert, wo nicht nur ein lautes und emsiges Treiben herrscht, sondern auch etwas skurrile Gestalten herumschlendern, werden auch wir das erste Mal skeptisch.

„La Candelaria“ heisst das wuseligste aber gleichzeitig kleinste Viertel mitten im historischen Zentrum Bogotás. Das Stadtbild ist geprägt von den vielen im kolonialen und republikanischen Stil erbauten Häusern. Aber auch das künstlerische Flair der Gegend sticht sofort ins Auge, gehört dieses Viertel doch zum kulturellen Zentrum der Stadt. Nicht nur sind sämtliche Hauswände künstlerisch verziert, auch findet man diverse Einrichtungen von Künstlergruppen, Museen und Theater in der näheren Umgebung. Eine hübsche Gegend, die tatsächlich erst auf den zweiten Blick ihre wahre Schönheit offenbart.

Nur ein paar Strassen weiter findet man den Hauptplatz der Stadt, die bekannte Plaza de Bolivar. Ebenfalls im Herzen des Stadtteils „La Candelaria“ gelegen, umgeben von Kapitol, Justizpalast, Kathedrale und dem Rathaus von Bogota hat dieser Platz seine ganz eigene, leider wie so oft eher blutige Geschichte.

Plaza Bolivar

Sacro Santa Iglesia Catedral Primada Basílica Metropolitana de la Inmaculada Concepción de María en Bogotá…..ja wirklich…

Davon ist heute natürlich nichts mehr zu sehen, vielmehr gehört der Platz inzwischen den Touristen….und den Tauben. Wie auf vielen Plätzen der Welt, werden die Tiere, die definitiv nicht zu meinen liebsten Lebewesen gehören, mit Unmengen von Mais gefüttert, welche die vielen Strassenhändler feilbieten. Gleich nebenan werden Luftballons an Kinder verkauft, mit welchen diese noch eine Runde auf dem Lama reitend über den Platz drehen können.

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Das Wetter in Bogotá lässt einmal mehr etwas zu wünschen übrig. Dick eingepackt trotzen wir meist dem windig, rauhen Wetter in der Hauptstadt Kolumbiens, oder aber passen unser Programm dem Wetter entsprechend ein wenig an. Mitten im Stadtviertel „La Candelaria“ befinden sich diverse Museen. Unter anderem auch das des bekanntesten Künstlers Kolumbiens, Fernando Botero. Wer sich noch an unseren Besuch in Cartagena und an die dicke liegende Frau erinnern mag, weiss, was uns im Museum selbst erwartet. Die charakteristische Handschrift des Künstlers zeigt sich zu unserer Freude in jedem einzelnen Bild.

Bis auf die lange Fahrt durch die Stadt am Tag der Anreise, ist uns das riesige Ausmass der Stadt noch gar nicht so bewusst geworden. Auch halten wir uns fast ausschliesslich im historischen Zentrum auf, was schon fast einer eigenen kleinen Stadt gleicht. Höchste Zeit also uns einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Mit einer Seilbahn werden wir auf den Hausberg Monserrate im Osten der Stadt gebracht, von wo aus man fast die gesamte Metropole im Blick hat. Auf einer Höhe von über 3100 Meter dürfen wir ein einmaliges Panorama über die Stadt geniessen. Bei diesem grossartigen Ausblick beeindruckt aber vor allem die Grösse, denn die Stadt ist tatsächlich riesig. Eingebettet in grüne Hügel reichen die Häuser bis an den äussersten Rand unseres Blickfeldes.

Auch kulinarisch lässt sich in Kolumbien so einiges erkunden, wenn auch zugegebenermassen nicht alles unserem Geschmack entspricht. In den Tag gestartet wird meist mit einem traditionellen Frühstück, genannt „Chocolate completo“. Zu einer heissen Schokolade wird Käse sowie ein Butterbrötchen gereicht. Alles eigentlich ganz ok, würde man nicht den Käse ganz nach traditioneller Art und Weise in die Schokolade tunken, dort einige Minuten weich werden lassen um anschliessend die etwas eigenartige Kombination aus Schokolade und geschmolzenem Käse zu geniessen.

Chocolate completo

Eine andere, etwas spezielle Art des Frühstücks in Kolumbien bietet die hier oft gegessene „Changua“. Die Frühstückssuppe bestehend aus Milch, Brot, Ei, Zwiebeln und Koriander wird vor allem in den kalten Andenregionen morgens sehr oft gegessen. Reichhaltig und füllend dennoch äusserst speziell und ebenfalls eher weniger unser Geschmack.

Changua

Auch wenn uns die traditionellen Frühstücksvarianten noch nicht wirklich aus den Socken hauen, landen wir schliesslich trotzdem noch einen kulinarischen Volltreffer. In Südamerika sind Suppen in aller Munde, entsprechend suppenlastig fällt das Menu in den hiesigen Gefilden oftmals aus. Mit der vor allem in Bogota bekannten Ajiaco Santafereno und einer Cazuela de Frijoles treffen die Kolumbianer schliesslich doch noch unsere Geschmacksnerven. Eine herzhafte, sättigende und vor allem wärmende Mahlzeit, die wir wohl nicht das letzte Mal gegessen haben.

Suppenkasper

Auch wenn wir Städte meist eher mühsam, anstrengend und ermüdend finden, schafft es uns die eine oder andere Millionenstadt doch noch zu überraschen. Mit Bogotá haben wir eine wuselige, laute, graue, teilweise dreckige Stadt vorgefunden, die den Besuchern aber dennoch spannende Seiten, farbenfrohe Ecken und interessante Menschen bietet. Und so endet unser kurzer Abstecher letzten Endes doch mit äusserst zufriedenen Gemütern, weshalb wir den Besuch zum Absschluss schliesslich mit einem frisch gezapften Bier der hiesigen Brauerei „Bogotá Beer Company“ krönen.

Vielen lieben Dank Mama & Köbi! 🙂

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