Tulum – Im Tiefenrausch durch die Cenoten

 

Eine Woche Lotterleben ist dann auch für uns genug. Wir ziehen weiter. Auf der Yucatan-Halbinsel allerdings hält uns nicht sonderlich viel, ausser unser schon lange geplantes Vorhaben in der Nähe von Tulum. Zügig, nur mit einmal Umsteigen durchfahren wir daher die Touristenhochburg Playa del Carmen und sind uns nur schon beim Anblick durchs Busfenster bereits mehr als sicher, die Entscheidung war sowas von richtig. Denn während wir durch die Strassen Playa del Carmens fahren, einen Mc Donalds nach dem anderen zählen, mehr Touristen als Einheimische sehen, sind wir froh, müssen wir keine halbe Stunde im Busbahnhof verbringen um an unser nächstes Ziel zu gelangen – Tulum im Süden der Halbinsel.

Nur weshalb um alles in der Welt wollen wir ausgerechnet in Tulum einen Stopp einlegen. Für einmal ist es nicht die Stadt selbst, ein schöner Strand, die spezielle Architektur, die aussergewöhnliche Kultur oder die Ruinenstätte der Maya, die uns hierher bringt. Nein, denn hier erwartet uns etwas ganz spezielles, etwas das wir so schnell nicht wieder vergessen werden. Hier nämlich tauchen wir ab in die Unterwasserwelt. Nur für einmal nicht im Meer, sondern in zwei der unzähligen Cenoten (Grotten) rund um Tulum.


Nur was genau ist eine Cenote überhaupt? Um dies zu erklären holen wir etwas weiter aus: Vor mehr als 66 Millionen Jahren nämlich soll ein Meteorit das Aussterben der Dinosaurier verursacht haben, so zumindest die Theorie. Fakt allerdings ist, dass ein Himmelskörper unmittelbar nördlich der Küste von Yucatan eingeschlagen ist. In einem Radius von rund 80 Kilometern hat dieser gewaltige Aufprall schliesslich etliche Höhlen zum Einsturz gebracht und Grundwasser freigelegt. Diese neu entstandenen, meist unterirdischen Seen umfassen ein riesiges Höhlensystem, mit atemberaubenden Badestellen, Schnorchelspots und Tauchplätzen. Auch die Maya benutzten sie einst als Opferstätten, und noch heute werden sie als heilige Stätte angesehen, bedeuten die Cenoten schliesslich der Eingang zur „Xibalba“– die göttliche Unterwelt, das Reich der Götter und Ursprung des Lebens. Für uns bedeuten die Cenoten in erster Linie allerdings kristallklares Süsswasser, wunderschöne Stalaktiten und ein Farbenspiel des Lichts, das seinesgleichen sucht. Schon vor der Reise war uns daher klar, dort fahren wir hin, komme was wolle!

Ich gebs ja zu, ein klein wenig nervös war ich ja schon, als wir mit Alex unserem Divemaster im Pickup zu unserer ersten Cenote „El Pit“ fahren. Alex allerdings scheint seinen Job bestens zu verstehen, denn bereits während der Anfahrt nimmt er mir jegliche Nervosität und erzählt unglaublich spannende Dinge über eines der grössten Höhlensysteme der Welt. Wer jetzt denkt, „Moment, Höhlentauchen ist doch nur was für Profis!“, hat absolut recht, nur handelt es sich bei unserem Tauchgang eben nicht um Höhlentauchen, sondern vielmehr um Grottentauchen. Und Grotten dürfen innerhalb eines Radius von bis zu 60 Meter vom Einstiegspunkt entfernt ertaucht werden. Nach einem ausführlichen Briefing, legen wir unsere Tauchausrüstung an und begeben uns zu dem verhältnismässig kleinen Loch im Grund. Eine steile Treppe führt hinunter zum Wasser – mit der gesamten Tauchausrüstung gar nicht so einfach..

El Pit – Quelle: deppdivemexico.com

Irgendwie passt alles noch nicht wirklich zusammen: Wir befinden uns mitten im Dschungel, fahren mit einem Pickup zur Tauchstelle und steigen eine Treppe hinunter in ein winzig scheinendes Wasserloch. Doch bereits als ich aus reiner Neugier mit der Taucherbrille ins tiefe Blau blicke bin ich platt. Kristallklares Wasser soweit das Auge reicht. Ja, von mir aus kanns losgehen! Sind wir uns bisher ausschliesslich das Tauchen im Meer gewöhnt, fühlt sich das Tauchen im Süsswasser tatsächlich etwas anders an. Die Tarierung geht etwas leichter von der Hand und Strömung gibt es keine. Meter für Meter tauchen wir tiefer hinunter, die Szenerie ist schlicht unglaublich. Gibt es hier weder Fische (oder zumindest nur ganz wenige), noch Korallen, ist es das Licht, das den Hauptdarsteller spielt. Die Sonnenstrahlen schiessen wie Pfeile ins Wasser und scheinen bis hinunter an den Grund zu reichen.

El Pit

Eine weitere Spezialität von Cenoten ist, dass diese meist an der Oberfläche von Süsswasser umgeben sind und dann in der Tiefe in Salzwasser übergehen. Und genau dieser Übergang erwartet uns in ca. 14 Metern Tiefe. Die sogenannte Halokline ist die Übergangszone zwischen Wasserschichten unterschiedlichen Salzgehalts. Süss- und Salzwasserschichten mischen sich dort nicht, so dass die weniger salzhaltigen Schichten auf den salzhaltigeren „aufschwimmen“. Dadurch entsteht die Halokline, eine Zone von ca. 1-2 Metern in der man tatsächlich wie durch ein verschwommenes Glas schaut. Das Wasser scheint zu flimmern, ein atemberaubender, verschwommener visualer Effekt, ein eigenartiges Gefühl.

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Aber damit nicht genug, denn nur wenige Meter tiefer, auf ca. 25 Metern treffen wir auf die Schwefelwasserstoffwolke, die allerdings nicht in jeder Cenote zu finden ist. Gespenstisch ragen Äste und Gesteinsbrocken aus dieser empor. Was aussieht wie der Höhlenboden, ist nur die Spitze eines gigantischen Pinnacles. Die Cenote El Pit nämlich führt unter der Wolke noch viel tiefer in die Dunkelheit. Ein kurzes „Ok“ an Alex genügt und schon stechen wir pfeilgerade in die Wolke. Ich kann kaum mehr meine eigene Hand vor Augen sehen, nur noch verschwommen die rot leuchtenden Flossen von Alex wahrnehmen. Es ist tatsächlich ein unglaubliches, wenn auch ein wenig beängstigendes Gefühl durch diese Wolke zu tauchen.

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Nach rund zwei, drei Metern ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei, das Wasser wieder klar, nur das Sonnenlicht, welches die Wolkenschicht nicht durchbrechen mag, fehlt. In totaler Dunkelheit, nur mit Taschenlampe bewaffnet tauchen wir durch einen Canyon und erreichen tatsächlich fast die Maximaltiefe von 40 Metern, Wahnsinn!

Version 2

Von hier aus geht es wieder gemächlich an den Höhlenwänden entlang nach oben. Vorbei an Stalagmiten und Stalagtiten bewundern wir die Schönheit dieser einzigartigen Kulisse.

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Nach rund 40 Minuten Tauchgang in einer bisher noch nicht gesehenen Welt tauchen wir wieder auf. Wow, was für ein Gefühl! Ausser mind. 20 Mal einem lauten “ Wow!“ und einem Strahlen im Gesicht, können wir das Gesehene erst gar nicht wirklich in Worte fassen. Ja, wir sind platt!

Der zweite Tauchgang schliesslich führt uns zu der Cenote „Dos Ojos“. Versteckt inmitten des Dschungels befindet sich die grösste und aussergwöhnlichste Cenote in der Umgebung. Zwei Cenoten, die miteinander verbunden sind verpassen dieser Cenote den Namen, bedeutet Dos Ojos” doch soviel wie “zwei Augen”. Eine Art Circuit führt durch das Grottensystem in einer maximalen Tiefe von acht Metern. Der Lichteinfall ist deutlich grösser, wobei wir tatsächlich durch mehrere Passagen tauchen in welchen es zappenduster ist. Das Panorama allerdings umgibt auch hier tausende Stalaktiten und Stalagmiten, ein nochmal ganz anderes Taucherlebnis als bei der tieferen Cenote „El Pit“.

Dos Ojos

Auch der Eingang in die Cenote ist um einiges einfacher, wird diese Cenote doch auch von etlichen Schnorchlern besucht. Uns stört der Besucherandrang allerdings herzlich wenig, dürfen wir schliesslich einen etwas versteckten Teil dieser Unterwasserwelt entdecken. Erneut tauchen wir mit Taschenlampe bewaffnet unter und kaum im Wasser, finden wir uns in dieser Traumwelt wieder.

Das Tauchen in der Cenote „Dos Ojos“ ähnelt tatsächlich schon eher einem Höhlentauchgang, tauchen wir doch durch verhältnismässig enge Stellen ohne direkten Zugang zur Oberfläche.

Zwar haben wir mithilfe unserer Taschenlampe viel Licht, als uns Alex allerdings bittet uns auf den Boden zu knien und die Taschenlampe auszuschalten, wird uns plötzlich klar, was es heisst in einer Höhle oder Grotte ohne Licht zu tauchen. Stockzappenduster. Nicht der kleinste Lichteinfall ist zu sehen. Entsprechend froh bin ich, als wir unsere Taschenlampen wieder in Betrieb nehmen und die Schönheit dieser Grotte bewundern können. Nicht nur deshalb ist fürs Höhlentauchen eine ganz spezielle Ausbildung vonnöten. Alex, der ausgebildeter und schon fast fanatischer Höhlentaucher ist, erzählt uns schliesslich die eine oder andere Story, die es mir leicht macht Höhlentauchen zweifellos andern zu überlassen (nicht das dies jemals nötig gewesen wäre). Ist man allerdings entsprechend ausgerüstet darf man sich auch weiter in die Tiefen sowie die Dunkelheit des Höhlensystems begeben. Mir allerdings reicht bereits der Anblick der Tafel, die uns verbietet weiter ins Höhlensystem vorzudringen.

Unserer Circuit-Line am Boden folgend, tauchen wir weiter in Richtung Cenote. Tatsächlich kann ich den Anblick kaum beschreiben. Ein einzigartiges Grottensystem raubt uns den Atem.

Sprachlos, erschöpft aber überwältigt von der Erfahrung steigen wir aus dem Wasser. Was für ein unglaubliches Erlebnis!

Da Fotos meist nicht im geringsten ausdrücken können, was wir zusehen bekamen, versuchen wir es mit einem kleinen Filmchen. Entschuldigt aber bitte die Qualität (auch die der Fotos), wir haben nun mal lieber genossen als uns um ein tadelloses Filmmaterial zu kümmern! 😉

Diving Cenoten, Tulum, Mexico from Two on a journey on Vimeo.

Obwohl wir das Highlight bereits erleben durften, bleibt uns noch ein bisschen Zeit in Tulum, die wir schliesslich dafür nutzen der Maya-Ruinenstätte ganz in der Nähe von Tulum einen Besuch abzustatten. Mit Fahrrad machen wir uns frühmorgens auf den Weg. Doch halt!! Wir staunen nicht schlecht, als wir an folgendem Verkehrsschild vorbeisausen. Noch heute wissen wir nicht, was dieses zu bedeuten hat. Achtung barttragende Männer unterwegs? Nun ja, ganz so falsch liegen sie damit jedenfalls nicht..;-)

Dass wir uns in Tulum unglaublich nah an den beliebten Touristenzentren der Halbinsel Yucatan befinden, merken wir bereits bei der Ankunft. Bei der vorbeifahrenden Bimmelbahn, welche ganze Reisegruppen vom Busparkplatz zum Eingang der Ruinenstätte bringt, läuft es mir bereits kalt den Rücken runter. Meist handelt es sich um Tagesausflügler aus den Bettenhochburgen der Riviera Maya, die dem Reiseführer oder Privatguide folgend, mindestens fünf verschiedene Orte besuchen und das notabene an einem Tag. Wie Billiardkugeln blitzen die Touristengruppen zwischen den altehrwürdigen Steinen der Ruinen hervor.

Neben der unglaublich spannenden Geschichte und Kultur dieser Stätten, besteht der eigentliche Reiz in Tulum wohl darin, dass es sich hierbei um die einzige Maya-Stätte handelt, die direkt am Meer liegt. Verkörpert diese doch die Kombination aus Kultur und Karibiktraum.

Auf einer Klippe hoch über der Karibikküste erhebt sich spektakulär die Anlage von Tulum. Die Maya hätten sich tatsächlich keinen schöneren Platz für ihre Stadt aussuchen können, und dennoch vermag uns diese Stätte irgendwie nicht so wirklich umzuhauen. Auch der so angepriesene Strand enttäuscht, wofür allerdings niemand was kann, gibt es hier nämlich immer wieder Phasen in welcher eine Art Braunalgenplage herrscht.

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Obwohl sie uns nicht umhaut, lassen wir uns die Freude doch nicht nehmen und schlendern gemächlich durch die Stätte und begutachten die verschiedenen Bauwerke, während uns die Sonne unaufhörlich ins Gesicht brennt.

Unsere wahren Helden des Tages allerdings sind die unzähligen Iguanas, die sich inmitten der Stätte, auf den Ruinen, oder mitten im Gras sonnen.

Version 2

Tulum bedeutet für uns gleichzeitig die letzte Station in Mexiko. Auch wenn uns die Halbinsel Yucatan im allgemeinen keine Freudenschreie entlocken konnte, hat sich der Besuch allein des Cenoten-Tauchens schon tausendmal gelohnt. Unsere Reise geht weiter, und so ziehen wir weiter ins nächste kleine Abenteuer. Vorher aber gönnen wir uns noch die tatsächlich erste (unglaublich aber wahr) und letzte Margarita in Mexiko.

Mexico – has estado fantastico!!

Viva Mexico! 🙂

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