Caye Caulker – You better Belize it!

„Go slow!“, ganz nach dem Motto der kleinen Karibikinsel Caye Caulker, unserem nächsten Ziel, starten wir unsere Reise von Tulum aus in Richtung südliches Nachbarland Belize. Denn obwohl wir eigentlich den direkten Bus nach Belize City nehmen, um ohne Zeitstress die kleine Fähre nach Caye Caulker zu erreichen, reisen wir langsamer als gedacht und geraten ohne zu wollen in Zeitdruck. Was wir nämlich tunlichst vermeiden möchten, ist eine Nacht in der Hauptstadt des Landes zu nächtigen, zu viele Schauermärchen sind uns schon zu Ohren gekommen. Letzten Endes erreichen wir unser Ziel dann aber doch noch, wenn auch spät abends und mit den Nerven so ziemlich am Ende. Aber alles der Reihe nach…

Besitzt eine Stadt einen schlechten Ruf, dann ist es wohl Belize City. Obwohl die Hauptstadt unseres nächsten Reiselandes, resp. Kurzabstechers nur 65’000 Einwohner zählt, sich jeder irgendwie zu kennen scheint, herrschen hier üble Bandenkriege. Von Spaziergängen in der Nacht wird klar abgeraten und auch Teile, vor allem im Süden der Stadt, sollten gemieden werden. Wir wissen, dass Medien, Informationen des auswärtigen Departements und Geschichten anderer Reisender meist etwas übertrieben, der Realität nicht wirklich entsprechend dargestellt werden, dennoch wollen wir die Hauptstadt nur zu Umsteigezwecke nutzen und möglichst wenig Zeit in dieser verbringen. Genau aus diesem Grund entscheiden wir uns gegen die zwar günstigere dafür langsamere, eher unzuverlässige, mit vielen Umsteigestopps verbundene Reise mit Lokalbussen und für die direkte, zwar etwas teurere, dafür aber auch schnellere und sicherere Variante mit der mexikanischen Buslinie ADO, die uns direkt an unser Zwischenziel nach Belize City bringen soll.

Wir wären allerdings nicht in Zentralamerika würde alles wie am Schnürchen und plangemäss ablaufen. So erreichen wir zwar die Grenze zu Belize noch pünktlich, nur beschert uns die abgekartete Abzocke der Grenzbeamten Mexikos einen längeren Aufenthalt an der Grenze als geplant. Jeder einzelne Reisende unseres Busses wir separat, resp. paarweise in ein Kabäuschen gesteckt um dort mitgeteilt zu bekommen, dass eine Ausreisegebühr von 533 Pesos pro Person (knapp CHF 30.-) zu entrichten ist. Schon öfters haben wir von diesen Spielchen gehört, gleichzeitig Tipps erhalten, das Flugticket auszudrucken, da diese Gebührt meist bereits im Flugpreis inbegriffen ist. Es scheint als diskutiere jeder einzelne mindestens 10 Minuten mit den Grenzbeamten um eine Ewigkeit später konsterniert, wütend, kopfschüttelnd und um 533 Pesos ärmer das Grenzhäuschen wieder zu verlassen. Auch wir versuchen zu diskutieren, strecken dem Herrn Grenzbeamten unser Flugticket entgegen, ernten ein uninteressiertes, genervtes Kopfschütteln und die Antwort, die wohl alle zu hören bekommen: „Nur wenn ihr auch mit dem Flugzeug wieder ausreist, ist die Gebühr nicht zu entrichten.“. Ich bin genervt. Sauer auf Mexiko, vielmehr auf korrupte mexikanische Grenzbeamte, und sauer, dass dieser letzte mexikanische Akt, meine letzte Erinnerung an ein so wunderbares Land sein wird…


Auch unser Chauffeur ist genervt. Nicht nur muss er ebenso lange auf alle Passagiere warten, vielmehr wünscht er sich pünktlich in Belize City anzukommen, bekommt doch auch er Ärger mit seinem Arbeitgeber. Gleichzeitig gibt er uns zu verstehen, dass es wohl langsam knapp werde die letzte Fähre auf die Inseln zu erreichen. Toll, meine Stimmung ist am Boden! Egal, unsere Reise in den Süden geht weiter, zieht sich aufgrund des Verkehrs aber fortan in die Länge. Fassungslos blicke ich auf die Uhr. Die letzte Fähre verlässt Belize City um 17:30 Uhr. Aktuelle Uhrzeit: 17:20 Uhr und es liegen noch mehr als 30 Kiloemter vor uns. Es ist schliesslich Dominique, welcher mich aus meiner Schockstarre befreit, mich beruhigt und erklärt, dass wir die Zeitzone gewechselt haben und somit eine Stunde mehr Zeit haben. Welch Glück! Und trotzdem wird die Zeit knapp, erreichen wir den Busbahnhof nämlich tatsächlich erst um 17:30 Uhr. Schnell schnappen wir unsere Rucksäcke, rennen entgegen aller uns zurufenden Sicherheitskräfte am Busbahnhof in die verbotene Richtung, dem schnellsten Weg aus dem Busbahnhof hinaus um mitsamt Gepäck einmal quer durch die Stadt zu rennen. „Go, go, go!“ wird uns zugerufen. „Only 300 Meter to the ferry!“, wird uns Mut gemacht. Tatsächlich nehme ich die Menschen in Belize City während meines Spurts äusserst freundlich und mitfühlend wahr. Ausser Puste, mit den Nerven am Ende, erreichen wir schliesslich das Ferryterminal. „Keine Sorge, die Fähre wartet auf euch!“, kommen uns Mitarbeiter der Fährfirma entgegen. „Kein Stress, atmet durch, erholt euch, kauft euch das Ticket am Schalter gleich da drüben und kommt wieder hierher sobald ihr bereit seid“, erklärt uns ein netter junger Mann in aller Ruhe und ohne jeglichen Stress, mein Held des Tages! Von nun an gilt somit tatsächlich: „Go slow in Caye Caulker!“

45 Minuten dauert die Fahrt an unser Ziel. Wir schippern vorbei an kleinen mit Palmen bewachsenen Inseln während die Sonne am Horizont in kräftigem Orange ein letztes Mal für heute Abschied nimmt und nur kurz darauf hinter dem Horizont verschwindet. Es ist bereits dunkel, als wir schliesslich Caye Caulker, unser Zuhause für die nächste Woche erreichen. Vollbebackt marschieren wir über die Hauptstrasse entlang zu unserer Wunschunterkunft. „Tut mir leid, wir sind ausgebucht!“, gibt uns die nette Dame an der Rezeption zur Antwort. Konsterniert machen wir uns auf die Suche nach einer Alternative. Belize gehört nicht unbedingt zu den günstigsten Destinationen und obwohl die Insel Caye Caulker noch zu einem verhältnismässig günstigen Fleck zählt, ist die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft alles andere als einfach. So nisten wir uns schliesslich in einem Dormzimmer mit 12 anderen Reisenden ein und versuchen die Nacht unter der Partymeute irgendwie zu überstehen. Der Entscheid, bereits morgen früh auf die Suche nach einer anderen Unterkunft zu gehen, ist innert Minuten gefällt. Und tatsächlich hat unsere erste Anlaufstelle, das „Vista del Mar Guesthouse“ ein Zimmer frei. Freundlich werden wir von der Familie begrüsst, beziehen unser eigenes Zimmer und freuen uns über unsere wiedergewonnene Privatsphäre. Unseren erholsamen Tagen auf der Insel steht somit nichts mehr im Wege, und Erholung kommt uns nach dieser hektischen Anreise mehr als gelegen.

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In Belize wird wieder Englisch gesprochen und die karibische Kultur bestimmt das Inselleben. Wir müssen uns erst wieder an die andere „Kultur“ gewöhnen. Dass uns ausschliesslich Männer mit Dreadlocks begegnen, ist dabei gar nicht das Problem. Dass die Joint drehenden Männer uns bereits frühmorgens von Marihuana über Speed so ziemlich die ganze Palette an Drogen anbieten, können wir gekonnt ignorieren. Nur die sexistischen Sprüche der männlichen Inselbewohner, welche vor allem alleinreisenden Frauen zugerufen werden, nerven ziemlich. Obwohl ich nicht auf den Mund gefallen bin, resp. gekonnt ignorieren kann, schnappe ich mir meist viel lieber Dominique um mit ihm zusammen, meine Zugehörigkeit demonstrierend, durch die Strassen zu spazieren. Doch trotz dieser kleineren unschönen Dinge, geniessen wir die Tage. Ähnlich wie auf der Isla Holbox, bestehen die Strassen aus plattgedrücktem Sand und Autos gibt es ebenso keine. Inselidylle pur!

Die Tage plätschern auch hier gemächlich dahin, bestehen aus Essen, in der Hängematte schlummern, Schnorcheln und ganz viel „go slow“! Denn tatsächlich tickt die Uhr hier anders. Auch zu erkunden gibt es auf der Insel gar nicht soviel, ist die Insel seit 1961 doch nur noch ca. acht Kilometer lang und zwei Kilometer breit. Steht man an einer Verbindungsstrasse, sieht man tatsächlich von beiden Seiten das Meer. Ein Hurrikan hinterliess 1961 einen Graben und hat die einst vereinte Insel enzweit. Heute ist nur der untere Teil bewohnt und im oberen befindet sich ein Schutzgebiet voller Mangroven. Der Kanal zwischen den Inseln heisst: „The Split“. Und genau dort befindet sich auch der einzige „Badestrand“ der Insel. Über den ganzen Tag treffen sich hier die Reisenden, Urlauber oder Einheimischen um sich zu sonnen, ein kühles Bad zu nehmen oder gemeinsam zur täglichen Happy Hour mit einer Rum-Cola oder einem eisgekühlten Bier der untergehenden Sonne beizuwohnen.

Da wir mittlerweile allerdings schon fast vielmehr Gefallen an Sonnenaufgängen finden, lockt es uns fast täglich frühmorgens aus den Federn, direkt hinein in die Hängematten vor dem Guesthouse um die aufgehende Sonne zu begrüssen. Eine wunderbare Art in den Tag zu starten und die Insel in aller Ruhe, noch vor dem grössten Rummel für uns zu geniessen.

Nach wenigen Tagen sind dann aber auch wir tatsächlich dem Inselvibe ein wenig verfallen. Wir geniessen die Tage mit süssem Nichtstun. Möchte man dann aber doch mal der ununterbrochen gespielten Reggaemusik entkommen, kann man sich ganz einfach mit einem kurzen Spaziergang über die Insel von der Masse entfernen um an etwas abgelegenere Orte zu gelangen.

Nur dem Motto der Insel sollte man stets treu bleiben, wie uns immer mal wieder klargemacht wird..

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Ach, und sollte wieder einmal ein Hurrikan die Insel treffen, gilt es Prioritäten zu setzen und diesem Hinweisschild zu folgen:

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Mittlerweile weiss wohl jeder, dass wir nicht nur auf der faulen Haut sitzen können. Und da unmittelbar vor Belize, nach dem Great Barrier Reef das zweitgrösste Korallenriff der Welt liegt, setzen wir auch hier erneut unsere Taucherbrillen auf. Gerne wären wir getaucht, nur sind die Preise hier, insbesondere Ausflüge in das berühmte Blue Hole derart teuer, dass wir uns entgegen unseres Wunsches für einen Schnorchelausflug entscheiden. Doch auch dieser hat es in sich. Obwohl es unzählige Anbieter auf der Insel gibt, ist es letzten Endes alles andere als einfach einen für uns passenden Touroperater zu finden. Wir nämlich wollen mit Segelschiff und nicht mit Motorboot übers Meer schippern, gleichzeitig mehr schnorcheln als feiern und wenn möglich einen umweltfreundlichen Veranstalter finden. Mit „Reef friendly Tours“ und seinem Besitzer Amado finden wir unseren Wunsch-Tourveranstalter und stechen nur zwei Tage später in See. Die Segel flattern im Wind, das Schiff nimmt langsam an Fahrt auf. Keine vier Meter tief ist das Wasser innerhalb der Lagune, entsprechend vorsichtig muss der Kapitän unser Segelboot durchs Riff manövrieren. Die Sonne glitzert auf dem Wasser, der Wind bläst angenehm, das Meer strahlt in seinem schönsten Blau, ein perfekter Tag auf See.

An unserem ersten Stopp, der sogenannten „Shark Alley“, wimmelt es bereits von kleinen und grossen Ammenhaien. Tatsächlich füttern hier die meisten Boote die Tiere um diese anzulocken und den Besuchern ein einmaliges Erlebnis zu bieten. Wer uns kennt, weiss, dass wir derartige Dinge nicht unbedingt mögen, beeinflusst dies doch viel zu stark die Natur und das natürliche Verhalten der Haie. Auch unser Kapitän demonstriert immer mal wieder seine Abneigung, obwohl dieser, ebenso wie auch wir in diesem Moment, wohl einen gewissen Nutzen aus dem Verhalten der anderen Tourveranstalter zieht. Obschon etwas unbehaglich, stürzen nämlich auch wir uns mit Taucherbrille und Schnorchel ausgerüstet ins kühle Nass. Mit nur wenig Abstand schwimmen die Haie, die eigentlich nachtaktiv sind, an uns vorbei, immer auf der Suche nach einem weiteren Happen.

Wir befinden uns inmitten eines Naturschutzgebietes, das akribisch überwacht wird. Entsprechend dürfen wir nur mit Guide ins Wasser um diesem auf Schritt und Tritt zu folgen. Obwohl anfänglich ziemlich geschockt über diese Tatsache, merken wir relativ schnell, dass wir dennoch das bessere Los gezogen haben als viele andere Boote. Während wir nämlich weiter hinaus schwimmen, bis an den Rand des Riffs, planschen die meisten ausschliesslich zwei Meter vom Boot entfernt. So bekommen wir neben den Haien auch die unglaubliche Schönheit des Riffs zu sehen, tauchen hinunter, durch kleine Höhlen und lassen die Einzigartigkeit auf uns wirken.

Unser Ausflug beinhaltet zwei weitere Schnorchelstopps, bei welchen wir tatsächlich auch für uns alleine Schnorcheln dürfen. Wir geniessen die Abkühlung im kühlen Nass. Erfreuen uns über Moränen, Schildkröten, Mantas und tausender kleiner Fische.

Nach insgesamt drei Schnorchelstopps, einem feinen Mittagessen auf dem Boot und einem Glas Rum-Punsch machen wir uns auf den Weg zurück zum Hafen. Wir lassen uns nochmals die Sonne auf den Bauch scheinen und geniessen die letzten Stunden auf dem Boot, lauschen dem Wind im Segel und freuen uns über nette Bekanntschaften und interessante Gespräche auf Deck.

Ist es für die einen vielleicht das karibische Flair, dass die Insel so einmalig erscheinen lässt, ist es für uns der spezielle Vibe. Getreu dem Motto „No Shoes, no Shirt, no Problem!“ geniessen wir die letzten Tage auf der Insel, in der Zeit nicht gemessen wird, sondern geschätzt wird. Genau wie ihre Natur. Ja, you better Belize it!

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