Guanajuato – das kleine Juwel inmitten des mexikanischen Hochlands

Guadalajara hat uns den Einstieg in Mexiko extrem leicht gemacht und die Lust und Neugier auf noch mehr mexikanisches Flair ist bereits jetzt vollends entfacht. Glücklicherweise enttäuscht auch unser zweiter Stopp in Mexiko in keinster Weise. Im Gegenteil, haben wir doch ein wahres Schmuckstück unter den mexikanischen Städten gefunden. Obwohl wir uns bereits auf 1500 Meter über Meer bewegen und die Temperaturen vor allem nachts empfindlich kühl werden, steigen wir noch etwas höher hinauf. Inmitten der Berge der Sierra Guanajuato nämlich ist sie gelegen, die gleichnamige Stadt mit ihrem so farbenfrohen Gewand.


Man könnte es tatsächlich als Liebe auf den ersten Blick bezeichnen, denn kaum haben wir den klapprigen Bus im Zentrum Guanajuatos verlassen, kommen wir kaum mehr aus dem Staunen heraus. Rund um uns erhebt sich die Stadt den Berghängen entlang in die Höhe. Rot, blau, orange, lila, grün, die Fassaden strahlen in den schönsten Farben. Vom ersten Moment an sind wir ergriffen vom lebhaften, ganz speziellen Charme dieser Stadt.

Aber nicht nur das durchaus fotogene Stadtbild ist Aushängeschild dieses Ortes, vielmehr sind es die vielen Studenten, die die Stadt bevölkern. Rund ein Viertel der knapp 75’000 Einwohner nämlich sind Studenten, entsprechend lebendig, jung und dynamisch gestaltet sich das Leben hier. Obwohl UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Stadt in ihrem Kern dennoch, vielleicht gerade der Studenten wegen, immer noch eine Stadt der Mexikaner geblieben.

Guanajuato selber mag im ersten Moment vielleicht klein und kompakt wirken, und tatsächlich lässt sich alles auch zu Fuss erkunden, nur geht es hier ausnahmslos hoch oder runter. Auch unser Hostel ist wunderschön am Hang gelegen und bietet einen atemberaubenden Blick über die Stadt, nur muss dafür eben auch die eine oder andere Stufe erklommen werden. Kostenloses Sportprogramm ist hier inklusive!

Die einzigartige Aussicht von der Dachterrasse des Hostels entschädigt schliesslich aber für jegliche Mühen.

Blick von der Dachterrasse unseres Hostels

Überhaupt fühlen wir uns in unserer Unterkunft äusserst willkommen. Dante, seine Mutter und der nette Koch, dessen Name ich leider vergessen habe, machen einen aussergewöhnlichen Job. So werden wir jeden Morgen mit einer anderen frisch zubereiteten typisch mexikanischen Köstlichkeit verwöhnt. Am Tag vor unserer Abreise überraschen uns unsere Gastgeber gar mit einer tollen kleinen Geste, denn die Früchte werden uns extra in Form unserer Landesflagge serviert!

Die Tage in der hübschen kleinen Stadt gestalten sich alle in etwa gleich. Kurz nach dem Frühstück gönnen wir uns einen Kaffee in einem der unzähligen kleinen süssen Cafes, beobachten das Treiben auf den Strassen, bevor wir selbst losziehen um die kleinen versteckten Gassen dieser farbenfrohen Stadt zu entdecken. Über die Plaza Allende, vorbei am Teatro Cervantes über die so pittoresken Plazuelas San Fernando und San Roque bis hin zum Mercado Hildago, das und noch vielmehr lässt sich in Guanajuato ganz einfach zu Fuss erkunden.

Was wir bereits jetzt, nach nur einer Woche in Mexiko für uns entdeckt haben, sind die kleinen lokalen Märkte. Im Mercado Hidalgo, dem inmitten Guanajuatos zentral gelegenen Markt, findet man so ziemlich alles was man fürs tägliche Leben braucht. Ein wuseliges Treiben herrscht während des ganzen Tages. Selbst die Einheimischen kehren hier ein um sich einen kleinen Snack, einen frisch gepressten Saft oder das frisch zubereitete Tagesmenue, auch „Comida corrida“ genannt, zu gönnen.

Auch wir lieben es, uns an den kleinen Ständen zu verköstigen. Tortas, die mit Fleisch und Käse, manchmal auch mit Avocados, Tomaten und Zwiebeln und allerlei sonstigem Gemüse gefüllten Brötchen bieten einen perfekten Snack für Zwischendurch.

Wir sind gestärkt entsprechend weiter geht die Erkundungstour durch die Stadt. Das ständige Auf und Ab ist in dieser Stadt die Regel, wofür man aber regelmässig mit einem wunderschönen Panorama belohnt wird. Einer der bekanntesten Aussichtspunkte Guanajuatos befindet sich beim Monument El Pipla. Obwohl auch eine Art Seilbahn den Berg hochführt, entscheiden wir uns für die fast 400 Treppenstufen durch die verwinkelten kleinen Gassen der Stadt.

Oben angekommen bläst uns eine kühle Bise entgegen. Auch in Mexiko herrscht zurzeit Winter, entsprechend kühl sind die Temperaturen auf über 2000 Meter über Meer. Wir lassen uns davon aber wenig irritieren, vielmehr geniessen wir den unglaublichen Ausblick über die Stadt. Inmitten der Täler und Berge der Sierra Guanajuato strahlt die Stadt einen so zauberhaften Charme aus.

Wunderschönes Guanajuato

Das verwinkelte Stadtbild mit seinen kleinen engen Gassen, versteckten kleinen Plätzen ist eine einzige Entdeckungsreise. An jeder Ecke finden wir etwas neues, entdecken wunderschöne kleine Cafes, Läden, Tortillerias, kleine Handwerksgeschäfte und vieles mehr, versteckt hinter kleinen Fenstern in den bunt bemalten Häusern. Ohne zu wissen stehen wir schliesslich plötzlich in der berühmten „Callejon del Beso“. Ein nur ca. 70 cm breiter Korridor, mit gegenüberstehenden Fassaden und sehr nah beieinander liegenden Balkonen bildet die sogenannte Kussgasse.

Die Geschichte dieser kleinen Gasse berichtet, dass die spezielle Architektur einst einem jungen Paar bei seinen heimlichen Treffen behilflich war. Der Reiz bestand darin, miteinander sprechen, liebkosen und sogar küssen zu können, ohne das elterliche Haus  verlassen zu müssen. Eines Nachmittags allerdings überraschte der Vater des Mädchens die beiden just in dem Moment, als sich die beiden küssten und die schöne Geschichte fand ein tragisches Ende. Eine volkstümliche Legende besagt, dass die Seelen der Liebenden noch immer an diesem Ort verweilen, um die Eheleute und Liebespaare, die sich an demselben Ort küssen zu segnen und ihnen sieben Jahre Glück zu bescheren. Wir lassen uns dies natürlich nicht zweimal sagen und freuen uns über mindestens sieben weitere glückliche Jahre! 🙂

Auf mindestens weitere sieben Jahre! 🙂

Obwohl wir es in Guanajuato äusserst gemütlich und langsam angehen, brauchen auch wir ab und an eine Pause. An fast jeder Ecke findet man die sogenannten Cantinas, Bars, welche meist nur nachmittags bis spätestens zum frühen Abend geöffnet sind. Durch eine Schwenktür, wie in den besten Westernsaloons betritt man die meist kleinen urigen Kneipen. Frauen werden hier nur selten gesehen, weshalb mich hier auch alle ziemlich perplex anschauen, als wir das kleine Gasthaus betreten. Drei kleine Tische, eine kurze Bar resp. Theke und das Pissoir offen im Eck, in etwas so muss man sich eine richtige kleine mexikanische Cantina vorstellen. Beim Anblick des offen stehenden Pissoirs inmitten der Bar, ist auch uns klar, weshalb es sich hier wohl um ein eher männliches Revier handelt. Den ersten Schrecken überwunden, sind die meist älteren Besucher aber äusserst nett und durchaus auch für den ein oder anderen Schwatz zu haben.

Guanajuato hat uns mehr als verzaubert. Der Charme der Stadt, die Farben, die Menschen, alles passt hier so perfekt zusammen. Spätestens hier sind wir definitiv in Mexiko angekommen, ein mexikanisches Highlight, das wohl schwer zu toppen ist, aber auch enorme Lust auf mehr macht. Viva Mexico! 🙂

Beautiful Guanajuato

 

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