Guadalajara – ¡Bienvenidos a México!

 

Die Tage auf den Cook Islands insbesondere auf der Insel Aitutaki verfliegen einmal mehr viel zu schnell. Traurig und wehmütig nehmen wir Abschied von unserer persönlichen Lieblingsinsel in der Südsee. Wir haben uns vom polynesischen Inselvibe anstecken lassen und dennoch freuen wir uns auch auf den nächsten Schritt, bedeutet für uns die nächste Reise schliesslich nicht nur zurück in die Realität, zurück in den Reisealltag, nein, vielmehr wartet ein so ganz neuer uns bislang so fremder Kontinent auf uns. Der Flug über den Pazifik steht an, gleichzeitig steht uns ein wahrer Reisemarathon bevor. Die folgenden zwei Nächte nämlich verbringen wir jeweils im Flugzeug. Ganze 36 Stunden trennen uns von unserem nächsten Ziel, vom Beginn unseres nächsten grossen Kapitels.

Es ist schon fast Mitternacht als wir das einzige Gate des kleinen internationalen Flughafens von Rarotonga betreten. Die Halle ist bereits zum Bersten voll. Suchend gleiten unsere Augen über die Menge wartender Passagiere bis wir sie schliesslich ganz weit hinten, wild winkend, entdecken – Jacqie und Osman. Da nur ein einziger Flug in der Woche die Stadt der Engel in den USA ansteuert war relativ schnell klar, dass wir nicht nur Aitutaki sondern auch das Flugzeug der Air New Zealand mit Ziel Los Angeles mit unseren lieben Nachbarn teilen. Es gibt wahrlich schöneres als Nächte im Rumpf eines Riesenvogels hoch oben in der Luft zu verbringen, entsprechend erschöpft sind wir bereits nach dem neunstündigen Flug nach LA. Dass wir nun auch noch lange elf Stunden in LA verbringen „müssen“, macht die Situation nicht schöner. Und trotzdem erleben wir auch hier in der Stadt wo Hollywood zuhause ist, eine unvergessliche Zeit, welche ebenso viel zu schnell vergeht. Immer noch sind wir überwältigt von der ausserordentliche Gastfreundschaft derer, die wir auf unseren Reisen treffen, uns nur wenige Tage, wenn nicht gar Stunden kennen und uns trotzdem soviel geben, ohne jemals zu nehmen. Denn bereits vorab haben Jacqie und Osman uns zu sich nach Hause eingeladen. „Wäsche waschen, duschen, schlafen, essen, tut was ihr wollt, sagt was ihr braucht und fühlt euch einfach wie zu Hause!“, bittet Osman uns inständig. Und so verbringen wir den Tag mit unseren Freunden inmitten von LA, gehen Essen, schlendern über den LA Boulevard, nehmen eine Dusche, waschen Wäsche und geniessen die Gesellschaft netter Menschen – vielen vielen Dank!!

Draussen herrscht bereits wieder dunkle Nacht, während wir uns abermals an den Flughafen begeben. Ein kurzer dreistündiger Flug inkl. Zeitverschiebung lässt uns frühmorgens um 5:00 Uhr das erste Mal überhaupt (wir schliessen Tijuana jetzt einfach mal aus) mexikanischen Boden betreten. Wuselig, laut und voller Leben geht es bereits am Flughafen zu und her. Ein Meer von Cowboyhüten sowie wild gestikulierende Menschen umgeben uns – ja das mexikanische Temperament ist bereits hier deutlich spürbar. Spätestens hier ist definitiv Schluss mit höflicher Zurückhaltung, herrscht hier doch wieder das reinste Chaos. Obwohl total erschöpft, freuen wir uns genau über diese Tatsache ungemein, lächeln uns an und fühlen uns von der ersten Minute an pudelwohl. ¡Bienvenidos a México! 🙂


Ungeachtet dessen, dass wir körperlich wohl wirklich langsam am Ende sind, zieht es uns raus in die Stadt. Eine kleine erste Erkundungstour führt uns durchs historische Zentrums Guadalajaras. Die Stadt, welche oft auch „Perla del Occidente“ (Perle des Westens) genannt wird, liegt auf rund 1500 Meter über Meer inmitten des mexikanischen Hochlandes. Wir spazieren über riesige Plätze mit wunderschönen Kolonialbauten, durch Pärke, vorbei an der bekannten Kathedrale und verlieren uns in den kleinen Gassen. Bereits unser Hostel inmitten der historischen Altstadt strahlt in seinem kolonialen Gewand.

Die Menschen, die Sprache, die Gerüche, das Essen, alles ist so unglaublich fremd und neu für uns. Motiviert erkunden wir die Hauptstadt des Bundestaates Jalisco und lassen das Geschehen um uns einfach nur wirken. Es fühlt sich so unglaublich spannend an, hinter jeder Ecke entdecken wir wieder etwas Neues, Unbekanntes, versuchen das Geschriebene und vielmehr das Gesprochene zu verstehen. Spätestens in diesem Moment wissen wir wieder was Reisen für uns bedeutet: Eintauchen in eine für uns so fremde Kultur, teilnehmen am Leben der Einheimischen und sich über die wunderschönen Kleinigkeiten des täglichen Lebens fernab von dem bekannten Zuhause erfreuen.

Guadalajara die zweitgrösste Stadt Mexikos ist aber nicht nur Stadt der Cowboys, vielmehr ist es der Ort der Mariachis und des Tequilas. Auf ersteres trifft man überall in der Stadt. Man braucht einzig der so eindringlichen Mariachimusik zu folgen um die in wunderschönen traditionellen Mariachigewändern gekleideten Musiker zu bewundern. Auch der Tequila ist selbstverständlich allgegenwärtig, gibt es doch fast an jeder Ecke eine Tequileria wo man das Nationalgetränk geniessen kann. Wir, insbesondere wohl ich, halten schon seit Jahren (ja, meine Jugend lässt grüssen) Abstand von diesem heimtückischen Getränk, befindet man sich aber inmitten der Geburtststätte des Tequilas, so drücke auch ich mal ein Auge zu, und möchte nichts lieber als den Ort wo der echte Tequila (ja, eben nicht der mit dem lässigen Sombrero-Hut auf der Flasche) hergestellt wird, einen Besuch abstatten. Da der Tequila in Mexiko als Kulturgut gehandelt wird, unternehmen wir diese Reise selbstverständlich einzig und allein der Kultur wegen.. 😉 Kurze 40 Kilometer trennen die Stadt Guadalajara von dem kleinen Städtchen Tequila. Das erste Mal überhaupt verlassen wir die Grossstadt, tauchen ein ins ländliche Mexiko. Die umliegenden Dörfer scheinen einfacher, ländlicher, ja auch ärmer. Pferde stehen gesattelt am Strassenrand, Cowboys ziehen ihre Runden. Das was wir sehen, trifft so ziemlich unsere Vorstellungen von Mexiko: endlose Weiten, Wüste, kleine Dörfchen, Dürre, Trockenheit, Cowboys, Sombreros, Tacos, Tequila und vieles mehr. Und trotzdem ist vieles anders. Fast endlos weite Agavenfelder umgeben uns, befindet sich hier schliesslich der wohl grösste Agavenanbau des ganzen Landes. Der Tequila übrigens wird ausschliesslich aus der blauen Agave gewonnen, welche mindestens 7 bis 8 Jahre reifen muss bevor sie geerntet wird. Das Innere der Agave, das Herz oder auch Piña genannt, wird schliesslich in Öfen zwischen 60 und 85 Grad zwischen 24 und 36 Stunden unter Dampf gegart. Nach dem Kochen kühlen die Agaven ab (traditionell zwischen 36 und 48 Stunden) und werden dann zerkleinert. Mit Wasser bestrahlt, wird der Saft und Zucker aus den Pflanzen gelöst, die schließlich ausgepresst werden. Es folgt die Destillerie. Natürlich spielt dabei noch ganz viel eine ganz wichtige Rolle, worauf ich aber nicht weiter eingehen möchte. Nur woher wissen wir das nun alles? Eine relative grosse Destillerie gleich neben dem Städtchen Tequila lädt zur Besichtigung ein. Nicht nur dürfen wir einen Blick in die verschiedenen Öfen werfen, auch ist ein Abstieg in den Tequilakeller gestattet. Ja wenn das nicht Kultur ist, weiss ich auch nicht… 😉

Naja, teilweise zumindest, denn selbstverständlich gönnen auch wir uns ein Tröpfchen des Agaven-Schnapses, auch wenn mir dieser auch nach über einem Jahrzehnt noch immer nicht mundet.

Viva!

Becher um Becher wird gefüllt, denn schliesslich gilt es jeden einzelnen Tequila zu versuchen, ob man will oder nicht. Untermalt wird diese kleine Degustation traditionell von einer Mariachiband, welche Lieder wie das bekannte „Guadalajara“ anstimmen und mit voller Hingabe eine Strophe nach der anderen spielen, fantastisch!

Mariachi

Obwohl, ich geb’s ja zu, das Getränk der Hauptgrund für unsere Reise hierhin ist, möchten wir trotzdem auch dem Städtchen selbst einen Besuch abstatten. Um einiges kleiner als Guadalajara, verblüfft dieses durch farbenfrohe Häuser, kleine Gassen und einer wie so üblich in Mexiko im Zentrum liegende Kirche. Es ist ein schöner Spaziergang durch die Stadt, wo wir weiterhin soviel Neues entdecken, denn die zentralamerikanische Kultur (auch wenn wir uns streng genommen noch gar nicht in Zentralamerika befinden) ist uns weiterhin so fremd und neu – einfach nur spannend!

Auch kulinarisch bewegen wir uns in Mexiko auf einem anderen Planeten. War die asiatische Küche fast ausschliesslich von Reis geprägt, gibt es in Mexiko Tortillas in Hülle und Fülle. Tacos, Burritos, Empanadas, Enchilladas, Tostadas, Sopes, Flautas, ja ich könnte wohl noch Stunden so weitermachen, alles sogenannte Antojitos, sprich Streetfood oder Snacks, findet man an jeder Ecke. Mit gesundem Essen hat das eher weniger zu tun, fein ist’s dafür aber umso mehr! Im Mercado Corona in Guadalajara finden wir schliesslich alles was unser Herz begehrt und so kehren wir nicht nur einmal in diesem wuseligen kleinen Markt ein, wo sich ausser uns kaum ein Tourist verirrt.

Essen auf dem Mercado Corona

Ok ich geb’s ja zu, dem Tequila, habe ich nun definitiv abgeschworen. Auch wenn der Ausflug ins gleichnamige Städtchen äusserst spannend war, hält sich meine Begeisterung dafür nach wie vor in Grenzen. Wieso also nicht einfach mal etwas anderes probieren. Mexikaner nämlich schwören auf ihre Micheladas. Völlig abenteuerlustig bestelle ich eines der von den Mexikaner so oft getrunkenen roten Mischgetränks und verziehe kaum den ersten Schluck probiert, mein ganzes Gesicht. Kein Wunder, besteht diese mexikanische Spezialität doch aus Bier, Tomatensaft, Maggi, Limettensaft und Tabasco…Ja da fahren die Geschmacksnerven tatsächlich Achterbahn..

Michelada

Ach und wo wir schon gleich beim Essen und Trinken sind…Eine Restaurantempfehlung gepaart mit einer erhaltenen Essenspende befördert uns nämlich geradewegs in eine beliebte Taqueteria inmitten der Grosstadt, wo man Tacos in den verschiedensten Variationen verspeisen kann. Heute bleibt es daher nicht nur bei normalen Tacos, nein wir bestellen Fundido mit viel Käse, Champignons und sonstigem Gemüse…Kein wirklich leichtes Essen, dafür umso besser! Was für ein Start in Mexiko!!

Vielen Dank Fabio und Vera! 🙂

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