Von Süd nach Nord – mit der Fähre fahren wir über die Cook Strait nach Wellington

 

Die letzten Tagen auf der Südinsel Neuseelands verbringen wir in den Marlborough Sounds. Eine wunderschön zerklüftete Küstenlandschaft von geschützten Buchten und Stränden. Allein in dieser schönen Gegend, die aus drei Hauptarmen besteht, welche nur über kurvenreiche enge Strassen erreicht werden können, könnte man locker Tage wenn nicht Wochen verbringen. Wandern, die umliegenden kleinen Inseln besuchen, oder aber einfach die wunderschöne Natur der Marlborough Sounds bewundern. Wir hingegen kürzen den Besuch der Marlborough Sounds ab, nicht weil es uns nicht gefällt, nein, seit langem spielt das Wetter für einmal nicht so ganz mit. Beklagen dürfen wir uns aber kaum nicht, hat uns zum einen bislang mehrheitlich die Sonne begleitet und kann man zum anderen die Marlborough Sounds auch während der Fährüberfahrt von der Südinsel zur Nordinsel bewundern.

Regenbogen inmitten der Marlborough Sounds

Picton Fährhafen, 7:00 Uhr morgens. Noch während wir uns im Fährterminal einreihen, fülle ich das Frühstücksmucheli mit Corneflakes. Frühstücken während des Wartens auf das Einschiffen, toll wenn man sein Haus stets dabei hat!  Obwohl noch frühmorgens herrscht bereits ein emsiges Treiben rund um den Hafen. Unzählige Camper, kleinere Autos, riesige Lastwagen sowie Viehtransporter wollen zusammen mit uns die Cook Strait, die Passage zwischen der Süd- und Nordinsel überqueren. Vorallem während der Hauptsaison gilt es die Tickets möglichst früh zu besorgen, da viele Fähren bereits ausgebucht sind. Und das obwohl jeder der zwei Fährgesellschaften mindestens vier Überfahrten täglich anbietet.

Fährhafen von Picton

Die Fährüberfahrt von der Südinsel zur Nordinsel gehört aber auch ohne Zweifel zu den Highlights, die Neueseeland zu bieten hat. Sofern natürlich der Seegang auf der Cook Strait nicht zu stark ist, da dies sonst ein Highlight der anderen Art werden könnte. Nach den letzten Tagen mit relativ schlechtem Wetter, bin ich zugegebenermassen dann doch etwas erleichtert, als die Sonne zum Vorschein kommt. Es scheint ein schöner, windstillter Tag zu werden, perfekt also für die Überfahrt.

auf Deck

Kaum hat die Fähre abgelegt weht uns auch schon eine kalte Bise entgegen. Anstatt uns gemütlich hinter eines der Fenster im Innern zu setzen, suchen wir uns einen Platz oben an Deck mit der besten Aussicht. Die Strecke nämlich führt durch fiordähnliche Landschaft der Marlborough Sond, die anders als die Fjorde beim Milfod Sound beispielsweise nicht von Gletschern geformt wurden, sondern aus überfluteten Flusstälner, den sogenannten Rias stammen. Das Wetter ist perfekt während wir den Queen Charlotte Sound, der östlichste der grossen Meeresarme der Marlborough Sounds passieren. Die Auslbicke sind atemberaubend. Während wir mit der grossen Fähre enge Meerengen durchfahren, sind wir teilweise keine 40 Meter vom Ufer entfernt, einfach fantastsich!

Durch die Cook Strait hoch in den Norden Neuseelands

Nach ca. einer Stunde fahren wir schliesslich hinaus aufs offene Meer. Die sogenannte Cook Strait oder auch Cookstrasse genannt ist die Meeregne zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands. An der engsten Stelle ist die Entfernung nur 22 Km breit. Wellen und Wind der Tasmansee sowie des pazifischen Ozeans treffen hier aufeinander, weshalb es hier durchaus ziemlich stürmisch werden kann. Nach rund drei Stunden einigeramassen ruhiger Fährfahrt erreichen wir schliesslich die Hauptstadt Neuseelands. Windig und doch ein wenig stürmisch begrüsst uns die Nordinsel, nicht umsonst aber trägt Wellington den Übernamen „windy city“ denn eine leichte Brise weht eigentlich immer und starke Westwinde sind keine Seltenheit..

Wellington

Das schöne an Wellington für uns allerdings ist, dass wir unseren Camper relativ zentrumsnah gratis parken können und dort gleichzeitig nächtigen können. Entsprechend mehr Zeit und Freiheit bleibt die Hauptstadt Neuseelands etwas unsicher zu machen. Wir sind von Anfang an begeistert. Anders als in anderen Grossstädten herrscht hier eine ganz spezielle Atmospähre. Eine Art Künstlermekka hat sich hier während Jahren gebildet und zu einem ganz speziellen Lebenssitl geführt. Wir fühlen uns von anfang an wohl in dieser lockeren, nicht ganz so modernen hecktischen businessmässigen Stadt, in welcher sich das Leben noch draussen abzuspielen scheint. Neben hautpsächlichem Bummeln durch die Stadt besuchen wir aber auch das wohl schönste Museum überhaupt. Schon vieles haben wir gelesen, aber das Te Papa in Wellington überzeugt. Einfach, greifend, aber vorallem spannend wird über Maorikultur und Geschichte des Landes erzählt. Überhaupt gestalten sich die Tage in Wellington äusserst kurzweilig, sodass wir die Stadt gar nicht mal so gerne wieder verlassen, trotzdem heisst es für uns nach wenigen Tagen weiter

Eigentlich führt uns unser weiterer Weg immer weiter gen Norden. Wir aber entscheiden uns kurzerhand für einen Abstecher in den Südosten in die Wairarapa Region, der uns auf die Spuren der Filmkulisse zur Trilogie „Der Herr der Ringe“ führt. Aus reiner Neugier und Interesse haben wir uns während unseres Neuseelandaufenthaltes nämlich alle drei Filme der Trilogie „Der Herr der Ringe“ erneut zu Gemüte geführt und somit zurück ins Gedächtnis gerufen. Und da einer der Szenen für den Film „ Pfad des Todes“ bei den Pitangirua Pinnacles gedreht wurde, entscheiden wir uns kurzerhand diesem Ort einen Besuch abzustatten.

Vom Parkplatz aus führt der Weg einem ausgetrockneten Flussbett entlang. Von Pinnacles ist weit und breit noch nichts zu sehen, kaum vorstellbar, denken wir an die Szenen im Film zurück. Nach rund 45 Minuten schliesslich finden wir uns aber genau da wieder wo Peter Jackson’s Darsteller durch die engen Schluchten ziehen. Hoch über uns ragen die pittoresken und zugleich harsch und bedrohlich wirkenden Felsnadeln empor. Vor rund sieben Millionen Jahren war diese Bergkette eine Insel. Im Zuge der Erosion wurden Schutt und Asche an die Küste gespült, wo sie im Laufe der Jahrtausende eine eigene Sedimentschicht bildeteten – das Resultat sind die Purangirua Pinnacles.