Wilde Westküste – zwischen Gletschern, Regenwald und Pfannkuchen

Die letzten Wochen haben wir im Märchenwunderland Neuseelands verbracht. Viel Sonnenschein, atemberaubende Berglandschaften, wunderschöne Seen, tausende Schafe – es war schlicht wunderschön. Nur ungern verlassen wir daher die Südalpen Neuseelands. Unser Endziel allerdings liegt einige tausend Kilometer nördlich, es gilt also unserem aktuellen Status als fahrende Nomaden gerecht zu werden und weiterzuziehen. Der Kontrast könnte grösser nicht sein, vom den mit Gräsern und Wäldern bedeckten Alpen führt uns unser Weg nun weiter mitten in den Dschungel. Kaum zu glauben, aber in Neuseeland liegen diese zwei so unterschiedlichen Vegetationsarten derart nah beieinander, dass man sich in nur wenigen Kilometern in einer total anderen Umgebung befindet. Als einzige Verbindungsstrasse von Süd nach Nord an der Westküste entlang führt der State Highway 6 auf Neuseelands Südinsel an schneebedeckten Gipfeln, glitzernden Seen, Gletschern und üppigen Regenwäldern vorbei. Beginnen wir aber von vorne.


Von Wanaka aus, dem so lieb gewonnenen kleinen touristischen Örtchen führt uns unser Weg in Richtung Haast Pass, das Eingangstor zur Westküste. Einsame wunderschöne Uferstrassen führen am Lake Hawea entlang. Kein einziges Dörfchen oder Städtchen hat sich hier am Ufer des Lake Hawea angesiedelt. Entsprechend einsam und wild ist die Gegend rund um den See – perfekt!

Lake Hawea

Der Haast Pass, die südlichste und mit nur 563 Meter über dem Meer die tiefstgelegene Passstrasse führt über die Südalpen an die Westküste. Wasserfälle und Felsschluchten durchbrechen die dicht bewaldeten Gebirgsflanken. Alleine die Fahrt an und für sich ist bereits ein Highlight. Unzählige Wanderwege und kleinere Spaziergänge laden dazu ein, die Gegend in diesem dicht bewaldeten Gebiet etwas näher zu erkunden. Wir für unseren Teil beschränken uns auf kleinere Spaziergänge, die uns über schmale Wege durch den Wald an die dutzenden Wasserfälle, Gletscherflüsse und Stromschnellen bringen.

Thunder Creek Wasserfall

Leider bleibt etwas zu wenig Zeit die gesamte Gegend in Augenschein zu nehmen. Der Blue Pools Walk, einer der besten Wege, wie es heisst, lassen wir uns dann aber doch nicht entgehen. Der Weg führt durch den dichten Wald über eine Hängebrücke über den Makrora River. Die Gesangskulisse der Vögel steht in Konkurrenz mit dem atemberaubenden Blick auf die umliegenden Berge. Nach einem kurzen Spaziergang schliesslich erreichen wir die unglaublichen, kristallklaren Blue Pools, eine ganze Serie von Wasserpools, die über die Jahrhunderte hier aus den Steinen gewaschen wurden. Das klare Gletscherwasser gibt den Blick bis zum Boden frei und lädt geradezu ein durchschwommen zu werden. Zwar haben wir die Badehosen eingepackt, entscheiden uns aufgrund der Kälte des Wassers dann aber doch nur für die Aussicht von draussen. Keine zehn Sekunden halte ich es auch nur mit den Füssen im Wasser aus…

Den Haast Pass lassen wir hinter uns, von nun an wird es noch einsamer und wilder. Wir durchqueren das Haast Country bis wir schliesslich die Westküste und damit die Tasman See erreichen. An „The Coast“ – wie die Neuseeländer den schmalen Streifen zwischen der Tasman See und dem Hochgebirgsrücken der Südinsel nennen, kann es ausgesprochen nass werden. Schlimme Unwetter, gewaltige Brandung, das Wetter ist auch in dieser Gegend unberechenbar. Dies ist allerdings alles andere als negativ, gäbe es ohne den vielen Regen weder die dampfenden Regenwälder noch die saftigen Weiden, wilden Seen und eindrucksvollen Gletscher.

Kaum haben wir die Küste erreicht, machen wir Halt um unseren grossen Zeh in der Tasman See zu baden. Wilde einsame Küstenabschnitte begrüssen uns. Und während wir dem Strand entlang spazieren, tauchen doch tatsächlich ganz nah an der Küste Delphine auf, als wären sie unser Begrüssungskomitte höchstpersönlich.

Haben wir den Aoraki und das ihn umgebende Gletschergebirge vor einigen Tagen von Osten her betrachtet, stehen wir nun wieder ganz in der Nähe des höchsten Berges, nur eben auf der anderen Seite. Und genau aus diesem Bereich dringen zwei Gletscher weit ins Vorland vor: die Gletscher Franz Josef und Fox. Das besondere und faszinierende an diesen beiden Gletschern ist, dass sie vom Gebirge derart weit an die Küste reichen, dass noch hoch über ihren Zungen dichter Regenwald überleben kann. Dieses ungewöhnliche Nebeneinander von Eis und Regenwald macht diese Orte so besonders. Wer will, kann die Gletscher für viel Geld überfliegen, gar darauf wandern. Wir beschränken uns einmal mehr auf einen Spaziergang zu den Gletscherzungen, von wo aus man einen ebenso spektakulären Blick über die Gletscher werfen kann. Hierfür spaziert man erst durch dichten Regenwald…

…passiert steil emporragende Felswände mit kleinen versteckten Wasserfällen….

..um gleich danach über das schier endlos wirkende Geröllfeld zur Gletscherzunge zu gelangen.

Zurück an der Küste nimmt die Landschaft wiederum eine andere Gestalt an. Die Gebirgszüge werden flacher, die Strasse führt an Gletscherflüssen, Regenwald und schliesslich wunderschönen Weidelandschaften vorbei. War die Gegend bislang fast ausgestorben, nimmt die Besiedelung je weiter wir fahren zu. Über den State Highway 6 passieren wir das kleine Jade-Städtchen Hokitika bevor wir Greymouth die grösste Stadt an der Westküste erreichen.

„Die Küste nördlich von Greymouth ist wunderschön!“, gab uns bereits einige Tage zuvor ein Kiwi den Tipp. Mit entsprechend hohen Erwartungen also fahren wir weiter. Führt die Strasse anfangs noch flach durchs Inland, beginnt wie aus dem Nichts die Steilküste. Wir passieren steile Klippen, schroffe Felsen und dutzende kleine Inseln im Meer. Dazwischen tauchen immer mal wieder einsame Sand- und Kiesstrände auf. Links neben uns tobt die starke Brandung während auf der anderen Seite der dschungelartige Regenwald bis an die Küste reicht. Tatsächlich gehört dieser Küstenabschnitt zu einem der eindrucksvollsten bislang.

Wilde Westküste

Bei Punakaiki schliesslich erreichen wir die bekannten „Pancake Rocks“, Felsformationen, die angeblich aussehen wie aufeinander gestapelte Pancakes. Nun nach meinem Dafürhalten ist diesbezüglich doch etwas Phantasie gefragt, dennoch lasse ich mich im Nachhinein aber belehren, dass es sich wohl um amerikanische Pfannkuchen handelt, welche zu Dutzenden aufgeschichtet werden und dann erst angeschnitten werden. Denkt was ihr wollt, die Pancake Rocks waren den Kurzbesuch aber auf jeden Fall wert. Auf Holzstegen gelangt man zu den Felsen, die teilweise gar unterhöhlt sind und sogenannte Blowholes bilden.

In Westport schliesslich endet unsere dreitägige Westküstenetappe. Wahrhaftig hat „The Coast“ so einiges zu bieten und besticht vor allem durch seine unglaubliche Vielfalt. Wo sonst findet man Gletscher neben Regenwald, Gletscherflüsse die nach kurzer Zeit ins Meer fliessen, Weidelandschaften und rauhe, klippenartige Küstenabschnitte auf einmal?

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