Queenstown – wie die Welthauptstadt des Adrenalins uns zu überzeugen weiss

Die Tage rund um Te Anau waren grandios, erlebnisreich, anstrengend aber vor allem unglaublich toll. Entsprechend ungern verlassen wir die Region rund um die Fjorde und reisen weiter zu dem wohl grössten Outdoorhotspot Neuseelands. Queenstown liegt am Ufer des kristallklaren Lake Wakatipu und ist umgeben von dramatischer Alpenszenerie. Auch als Welthauptstadt des Adrenalins bekannt, bietet das kleine ehemalige Goldgräberstädtchen den Abenteuer- und Outdoorfanatikern unzählige Möglichkeiten um auf ihre Kosten zu kommen.

Wie in Neuseeland so oft, ist es aber nicht der Ort selbst, der uns zu Beginn zum Staunen bringt. Bereits die Anfahrt ist vielversprechend, die Kulisse grandios während wir einmal mehr einen einmaligen Spot finden wo wir unser Nachtlager aufschlagen, mit der untergehenden Sonne die einmalige Bergkulisse um uns bestaunen und mit ebengleichem Ausblick den nächsten Tag beginnen dürfen.

Schlafplatz mit Blick auf den Lake Wakapitu

„Wer nach Queenstown kommt, bleibt nicht selten hier hängen“, habe ich einige Wochen zuvor während der Planung unserer Neuseelandroute gelesen. Wunderbare Natur, fantastische Bergketten, Seen, unzählige Outdooraktivitäten, nette Menschen und ein quirliges Städtchen – eigentlich gute Gründe sich mehr als wohl zu fühlen. Nur, der erste Eindruck stimmt uns irgendwie so gar nicht glücklich. Dem äusseren Bild des Ortes haben die internationale Bekanntheit und die stark steigenden Besucherzahlen so gar nicht gut getan. Rund um das Zentrum des Städtchens klettern Villen, Chalets, Hotelkomplexe und Resorts die früher bewaldeten Hänge hinauf. Es scheint als bestehe Queenstown einzig aus Hotels, Gasthäusern und Resorts. Was früher mal ein kleines schmuckes Goldgräberstädtchen war, ist heute ein Outdoormekka für Gäste mit grossem Geldbeutel. Der erste Eindruck haut uns wahrlich noch nicht aus den Socken. Als wir schliesslich unseren Camper aufgrund eines Kühlerlecks zum Mechaniker bringen müssen, dieser uns erst mitteilt, dass der Kühler wohl ausgewechselt werden muss und dies min. fünf Tage dauern kann, sinkt meine Laune auf tiefstes Niveau. Irgendwie gilt es wie so oft, das beste aus der Situation zu machen. Glücklicherweise wendet sich schlussendlich allerdings doch noch alles zum Guten, denn nur kurze Zeit später bekommen wir die Nachricht, Kühler kann bleiben, wir müssen nicht fünf Tage verweilen….tun’s aber dennoch. Denn im Nachhinein darf ich mit gutem Gewissen sagen, der erste Eindruck kann manchmal eben auch ziemlich täuschen, zum Glück!

Der grosse Geldbeutel fehlt, entsprechend eingeschränkt sind unsere Aktivitäten. In der Stadt in welcher das Bungee-Jumping erfunden wurde, man sich auf einem Floss den Fluss hinabstürzen, in einem Jetboot übers Wasser davonsausen, sich im freien Fall die Eingeweide umdrehen lassen oder beim Hubschrauberflug die Haare zu Berge stehen lassen kann, lockt uns vor allem die umliegende Bergwelt. Während tausende von Touristen den teuren Aktivitäten frönen, schnüren wir die Wanderschuhe um die grandiose Natur kostenlos zu bewundern.

Heutiges Ziel: Ben Lomond

Ben Lomond ist das heutige Ziel. Der 1748 Meter hohe Gipfel, Hausberg von Queenstown, der vom Städtchen aus jedoch gar nicht zu sehen ist, bietet einen einmaligen 360 Grad Rundblick über die umliegende Berglandschaft. Könnte man den ersten Teil der Wanderung hoch zum Bob’s Peak mit einer Gondelbahn überbrücken, starten wir von unten und nehmen den kurzen aber steilen Aufstieg unter die Füsse. Der Bob’s Peak gilt auch als Freizeitberg Queenstwon, findet sich oben neben Café und Restaurant auch eine Rodelbahn, Bungee-Jumping, Ziplining, Mountainbiking und vieles mehr. Vielmehr als all dies gefällt uns allerdings was wir von hier oben aus zu sehen bekommen: einen wunderschönen Blick über die Stadt, den Lake Wakatipu bis hin zu den gegenüberliegenden Bergketten „„The Remarkables“.

Blick über Queenstown

Relativ zügig lassen wir den Freizeitfunpark hinter uns und steigen weiter hoch. Kurz nach der Baumgrenze ein alt bekanntes Bild. Tussock-Gräser färben die gesamte Bergkulisse goldgelb. Endlich sehen wir unser heutiges Ziel auch zum ersten Mal, und von da an hat man den Gipfel zu jeder Zeit im Blick.

Ben Lomond

Eine leichte Steigung führt uns mit einem sensationellen Blick Meter um Meter höher hinauf. Dreht man sich um, blickt man auf eine fantastische Szenerie rund um den Lake Wakatipu und die gegenüberliegenden Bergketten.

Grandioser Blick auf den Lake Wakatipu und die dahinterliegenden „The Remarkables“

Ich kämpfe mich den Berg hoch. Obwohl die Steigung nur moderat ist, komme ich relativ schnell an mein persönliches Limit. Eine hartnäckige Erkältung plagt mich seit einigen Tagen, die Kräfte scheinen sich irgendwie nicht ganz regeniert zu haben, weshalb ich schliesslich oben am Ben Lomond Saddle angekommen, kapituliere. Die letzten 400 Höhenmeter, über eine steile Steigung, lasse ich Dominique alleine ziehen. Derweil mache ich es mir auf dem Saddle inmitten der Tussock-Gräser bequem, geniesse die Aussicht auf die sich im Hintergrund abzeichnenden schneebedeckten Gipfel und warte. Es könnte durchaus schlimmer sein.

Ben Lomond Saddle

„Anstrengend und kräftezehrend“, sei der letzte Anstieg gewesen, meint Dominique bei seiner Rückkehr. Ein schmaler Weg führt über steile Serpentinen nach oben, umrundet unterhalb des Gipfels fast gänzlich den Berg, bis man schliesslich oben steht mit dieser fantastischen Aussicht. Ein etwas unterschätzter Tagesausflug, der sich aber mehr als gelohnt hat.

Nur 45 Minuten von Queenstown entfernt, liegt Glenorchy am nördlichen Ufer des Lake Wakatipu. Die Strasse in das etwas abgelegene kleine Dörfchen gehört zu einem der schönsten Streckenabschnitte in ganz Neuseeland. Wir, die lieber unterwegs sind, als in Städten die Zeit totzuschlagen lassen uns dies natürlich nicht zweimal sagen. Die Aussicht ist wahrhaftig wunderschön, die Strasse fast leer, nur das Wetter spielt nicht so ganz mit.

Strasse zwischen Queenstown und Glenorchy

Glenorchy, das kleine rustikale Städtchen am Ufer des Lake Wakatipu liegt in einer spektakulären Landschaft und bot genau aus diesem Grund bereits für diverse Filme wie „Der Herr der Ringe oder „Narnia“ erstklassige Filmlocations. Vom Mount Alfred aus soll man einen besonders schönen Blick auf die umliegende Gegend haben. Das Wetter allerdings zwingt uns in die Knie, sodass wir uns kurzerhand entscheiden, statt zu wandern, den Tag am See zu geniessen, unser Nachtcamp aufzuschlagen und einfach mal nichts tun.

Perfekt, wären da nur nicht die bösen Sandfliegen….

Die Lage direkt am Wasser wäre top, das Wetter hält, die Stimmung ist gut, bis, ja bis wir erneut mit den neuseeländischen Biester in Kontakt kommen. Sind Mücken schon eine Plage für sich, überbieten dies die hier heimischen Sandfliegen diese bei weitem. Schnell und einfach ist die Entscheidung weiterzuziehen gefällt und so kehren wir zurück an unseren Lieblingsort ganz in der Nähe der Stadt Queenstown, zurück an den Lake Hayes wo sich ein wunderbarer Free-Camping-Spot befindet. Auf einer grossen grünen Wiese parken wir unseren Bus mit Blick auf den See, kochen ein feines Znacht und geniessen die letzten Stunden in dieser malerischen Gegend.

Lake Hayes

…wo man morgens von Enten geweckt wird! 🙂

Waren wir anfangs zurückhaltend, sehr voreingenommen und urteilten wohl etwas zu schnell, hat uns die Gegend rund um Queenstown letzten Endes doch unglaublich begeistert. Die fantastische Bergwelt, die Seen, das gesamte Panorama hat uns auf so einfache Weise demonstriert, weshalb Queenstown bei so vielen Menschen so unglaublich beliebt ist – von nun an auch bei uns! 🙂

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