Milford Sound – Achterbahn der Gefühle im Wunderland der Natur

Kurve um Kurve schlängelt sich die enge Strasse das immer enger werdende Tal hoch. Es ist noch früher Morgen. Der Nebel sitzt tief, während wir uns vom Lake Te Anau zum über 100 Kilometer entfernten Milford Sound aufmachen. „Passt auf, wenn ihr dort hoch fahrt. Immer wieder kommt es auf der Milford Road zu schrecklichen Unfällen!“, warnte uns bereits ein netter Neuseeländer einige Wochen zuvor. Die Strasse nach Milford gehört zu den spektakulärsten Höhenstrassen überhaupt. Und tatsächlich ist die Strasse eng, das einzig Gefährliche in unseren Augen allerdings sind die vielen Tourbusse und Fahrzeuge welche uns auf dem Weg entgegenkommen, dabei beide Fahrspuren benutzen und waghalsige Überholmanöver unternehmen. Und wahrhaftig gehört die Strasse statistisch gesehen zu den gefährlichsten in ganz Neuseeland. Extra früh machen wir uns daher genau aus diesem Grund auf den Weg zum nördlichsten der 14 Fjorde, die Gletscher einst ins Fiordland gekerbt haben.


Als einziger Fjord über eine Strasse erreichbar, zieht der Milford Sound entsprechend viele Touristen an. Früh morgens allerdings treffen wir glücklicherweise nur auf wenige andere Fahrzeuge, die Strasse gehört fast gänzlich uns allein. Und obwohl wir anfangs noch vom tiefsitzenden Nebel eingehüllt werden, von der uns umgebenden Schönheit des Te Wahipounamu – dem „Ort der Jade“, wie das Fiordland auch genannt wird, kaum etwas zu sehen bekommen, löst sich dieser kurz vor dem Homer Tunnel schliesslich langsam auf. Te Wahipounamu erstreckt sich über 10% der gesamten Landfläche Neuseelands, seine Wildnis ist in vielen Teilen schwer oder überhaupt nicht zugänglich. Der Milford Sound ist so etwas wie ein Fenster in dieses Wunderland der Natur, erreichbar nur durch einen kleinen einspurigen, mittlerweile beleuchteten Tunnel. Blauer Himmel kommt zum Vorschein, während sich vor uns eine riesige steil emporragende Felswand auftut, wo die Strasse zu enden scheint. Auf dem höchsten Punkt der Milford Road führt eben genannter Homer Tunnel mitten durch die Felsbarriere, auf einer 1.2 Kilometer langen Schotterpiste durch den Berg und verliert durch relativ steiles Gefälle 129 Meter an Höhe.

Versprach der sich verziehende Nebel kurz vor dem Tunnel noch einen schönen Tag, sieht die Wetterlage auf der anderen Seite leider ganz anders aus. Hartnäckig und tief  sitzt der Nebel und scheint sich nicht verziehen zu wollen. Verwundern tut’s uns kaum, gehört der Milford Sound mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 6813 mm und 182 Regentagen pro Jahr zu einer der regenreichsten Region Neuseelands. Schönes Wetter darf man daher kaum erwarten, entsprechend wenig enttäuscht sind wir…anfänglich zumindest.

Der Anblick des Fjordes vom Ort oder Hafen aus sei schon grossartig, aber erst eine Fahrt mit dem Schiff gibt den echten Einblick, wurde uns vorab erklärt. Und so nehmen wir auf dem ersten Schiff frühmorgens Platz und lassen uns während 2.5 Stunden durch das 16 Km lange Fjord, vorbei an imposanten steil abfallenden Berghängen schippern. Vom Deck des Schiffes lässt sich die hier zu findende Meeresumwelt am besten beobachten.

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Gleich zu Beginn unseres kleinen Ausflugs passieren wir die Bowen Falls. Mit den Stirling Falls sind sie die einzigen permanenten Wasserfälle dieses Fjords. Das Wasser stürzt hier über 160 Meter in die Tiefe.

Obwohl Wetterbericht sowie der Kapitän höchstpersönlich unsere Hoffnungen auf Wetterbesserung schüren, sitzt der Nebel hartnäckig tief im Fjord. Mit dem Schiff kommen wir dennoch unglaublich nah an die steilen Hänge, sehen die senkrechten Lawinenbahnen und Rutschungen, die ganze Vegetationsteile samt Bäumen und Sträuchern in die Tiefe gerissen haben. Von den fast senkrecht in die Höhe ragenden steilen Felswände allerdings ist nur ein kleiner Teil auszumachen, sodass wir einmal mehr auf unsere Vorstellungskraft angewiesen sind und sich nur erahnen lässt, welch wunderschönes Naturwunderland sich hinter dem Nebel versteckt.

Etwas enttäuscht sind wir dann aber schliesslich doch ein wenig. Denn auch der Mitre Peak, eines der prominentesten Wahrzeichen des Milford Sound, wird vom Nebel versteckt gehalten. Die Spitze des 1692 Meter hohen Berges hat die Form einer bischöflichen Mitra, weshalb ihm der entsprechende Name verpasst wurde. Wir hingegen sehen ausschliesslich ein steile von dichtem, tropfenden Regenwald bedeckte Felswand, welche nach wenigen Metern im Nebel verschwindet.

Mitre Peak

Mein Wunsch von grossen Tümmlern, den hier heimischen Delphinen begleitet zu werden, wird leider nicht erfüllt. Dennoch bekommen wir den ein oder anderen Fjordbewohner zu Gesicht, wie zum Beispiel Seelöwen….

Seelöwen

..oder die hier heimischen Dickschnabelpinguine.

Dickschnabelpinguine

„Noch nie habe ich die Stirling Falls mit derart wenig Wasser gesehen“, meint der Kapitän, als wir uns dem zweitgrössten Wasserfall des Fjords nähern. Handelt es sich hierbei meist um einen imposanten Wasserfall, welchem man sich mit dem Boot unglaublich nähern kann, finden wir tatsächlich nur einen wenig spektakulären Wasserfall. Wenn das Wetter es zulässt, fährt das Schiff unter die steil ins Wasser stürzenden Wassermassen und so werden auch wir trotz nicht ganz soviel Wasser ziemlich nass! 😉

Wollten wir anfangs die Gegend noch ein wenig zu Fuss erkunden, zwingt uns das schlechte Wetter zur Rückkehr. Während wir uns bereits wieder früh auf den Weg zurück machen, erreichen immer mehr Tourbusse und Besucher das kleine Örtchen Milford. Die Besucherzahlen haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, tausende Touristen strömen täglich ins abgelegene Tal. Höchste Zeit daher für uns aufzubrechen und den Fjord den Massen zu überlassen. Hadern wir anfangs noch etwas mit dem schlechten Wetter, welches doch auch ein wenig auf die Stimmung schlägt, ändert sich unsere Laune von der Sekunde an, in welcher wir durch den Homer Tunnel wieder zurückfahren und auf der anderen Seite von strahlend blauem Himmel und Sonnenschein pur begrüsst werden. Die zuvor noch in Nebel gehüllte Felswand strahlt imposant auf uns herab, hunderte kleiner Wasserfälle bahnen sich ihren Weg durch das Felsgestein.

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Auf der anderen Seite zeigt sich ein fantastisches Panorama! Wir machen Rast, saugen die einmaligen Ausblicke auf und geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen!

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einmaliges Panorama

Auf dem letzten Rest des Weges zurück nach Te Anau machen wir gefühlt alle fünf Minuten Halt. Eine Ecke scheint schöner als die andere zu sein. Nicht umsonst wird oft behauptet, dass doch bereits die spektakuläre Anfahrt einen guten Teil des „Erlebnisses Milford Sound“ ausmacht. Das Bergpanorama mit dem fantastischen Wetter ist einmalig. Vergessen ist der kurz aufkeimende Frust, denn spätestens hier sind wir endgültig angekommen an diesem so wunderschönen Ort, im Land der langen weissen Wolke!

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