Karijini-Nationalpark – ein Juwel inmitten des australischen Buschs

Endlos lange Strassen, Buschlandschaft so weit das Auge reicht. Auch nach einer Woche im australischen Busch können wir uns nach wie vor nicht sattsehen. Wir lieben unser neues Zuhause und fühlen uns als fahrende Nomaden mehr als wohl. Nach tagelangen Fahrten ist es nun aber langsam an der Zeit unsere Unternehmenslust zu stillen. Schwierig sollte dieses Unterfangen in Australien wohl kaum sein. Und so steuern wir nach Broome die riesige Pilbara an, eine Region unterhalb der Kimberleys gelegen, denn diese hat wahrlich so einiges zu bieten.

Mit vollem Wassertank, gefülltem Kühlschrank und frisch geduscht machen wir uns mit neuer Energie auf in Richtung Süden. Die ersten Kilometer führen uns der Küste entlang. Kaum haben wir die Stadt Broome hinter uns gelassen, sind wir wieder alleine auf der Strasse. Schnurgerade führt uns der Weg an unser erstes Ziel. Zeit für einen Spass bleibt dabei allemal. Die Strasse gehört uns, wir sind alleine auf weiter Flur und so nutzen wir die Gunst der Stunde um unserer Freude ein wenig Ausdruck zu verleihen..;-)

Nach langen Kilometern auf aspahltierter Strasse biegen wir mitten im nirgendwo schliesslich rechts ab. 10 Km Sandpiste liegen vor uns. Dass wir dies gemäss Mietfirma nicht dürfen ignorieren wir gekonnt, daher pssst! Mit gefühlten 10 Km/h schleichen wir gemächlich über die Piste. Der feine rote Sandstaub wirbelt unaufhörlich auf, so dass wir am Ende des Tages tatsächlich von oben bis unten rot sind. Spass macht es aber trotzdem und so erreichen wir, zugegebenerweise auch etwas erleichtert, unser Ziel, der endlos wirkende Eighty Mile Beach.

Ja wir können auch offroad! 😉

Der Eihgty Mile Beach ein Strandabschnitt, welcher sich über rund 220 Kilometer zieht, ist ein Fischermekka schlechthin. Wir, die wenig Fan von überfüllten Mittelmeerstränden sind, viel eher die rauhen, unberührten Küstenabschnitte lieben, finden hinter den verwehten Dünen einen wahren Traumstrand. Einzig ein paar Angler tummeln sich am Strand, sitzen auf ihren Campingstühlen und hoffen auf den grossen Fang des Tages. „G’day, how are you going?“, begrüssen sie uns alle freundlich. Wir schlendern dem Strand entlang, beobachten die Möwen, welche stets in Nähe der Angler wartend auf einen kleinen Abstauber hoffen, und geniessen die Sonne, die so unaufhörlich vom Himmel brennt.

Die Küste lassen wir schliesslich kurz nach Port Hedland bereits wieder hinter uns. Nach Südosten führt uns unser Weg mitten in die Pilbara, denn unser Ziel heute ist der Karijini Nationalpark. Da Australien zu den teureren Ländern unserer Reise gehört, sind Abstriche angesagt. Wir schlafen daher fast gänzlich auf kostenlosen Plätzen, meist an Raststätten, Picknickplätzen oder LKW-Parkbays. Die Umschreibung „schön“ verdienen wohl nur die wenigsten dieser Plätze, für eine Nacht tuns diese aber allemal. Und doch gibt es diese kleinen Juwele, nur einige Kilometer neben der Strasse gelegen. Versteckt auf einer Anhöhe, kurz vor dem Karijini-Nationalpark nämlich finden wir unseren kleinen Lieblingsort. Mächtige Bäume bieten haufenweise Schatten, der Blick über das Tal mit seinem roten Sand, grüngelben Busch und hängenden Bäumen an den Felsen ist einmalig. So einmalig, dass wir uns entscheiden gleich eine Nacht länger zu bleiben und den Tag in dieser grandiosen Umgebung zu verbringen.

Nach unserem Ruhetag wird es nun aber langsam Zeit für das eigentliche Highlight, der Karijini-Nationalpark! Der zweitgrösste Nationalpark Australiens mit seinen tiefen Schluchten, wunderschönen Wasserfällen und erfrischenden Wasserlöchern ist ein wahrer Abenteuerspielplatz. Unser erstes Ziel, die Dales-Gorge scheint versteckt in dieser riesigen Flachen Pilbara. Blickt man nämlich über die Weite des Nationalparks, ahnt man im ersten Moment gar nicht, welch Juwel sich etwas unterhalb, in einer grossen breiten Schlucht versteckt. Wir parken das Auto, marschieren ohne Erwartung zum Eingang der Schlucht und sind bereits da überwäligt. Inmitten der so trockenen und dürren Landschaft breitet sich unter uns ein riesiges Wasserloch aus. Der Fortescue-Fall ein ganzjährig wasserführender Wasserfall bietet den dazugehörigen Spassfaktor.

Fortescue-Fall

Unsere von Hitze geplagten Körper sehnen sich nach nichts mehr als einer Abkühlung, weshalb wir nur Minuten später genau in diesen Wasserlöchern ein paar kräftige Schwimmzüge wagen und von jedem von uns ein erleichtertes „Aaaaahh!“, von den Lippen fällt. Die Dales Gorge, insbesondere der Fern-Pool noch etwas weiter hinten, ist ein heiliger Ort der Aboriginies. Entsprechend leise und respektvoll soll man sich hier bewegen. Ein magischer Ort, wunderschön!

Fern Pool

Über einige Kilometer zieht sich die Schlucht bis weit nach hinten. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und marschieren los. Die steilen, senkrecht nach oben ragenden rot marmorierten Felswände bieten wunderbaren Schatten, während wir uns unseren Weg durch die Schlucht bahnen. Es ist imposant und spannend zugleich. Ganz am Ende der Schlucht erreicht man schliesslich den Circular-Pool, das Ende des Trails.

Jede, wenn auch nur kleinste, Anstrengung treibt uns den Schweiss aus den Poren. Mitten im Outback ist es heiss und so nehmen wir das Angebot einer Abkühlung des Fortescue-Falls gerne an und stürzen uns nach unserem kleinen Marsch ein weiteres Mal ins kühle Nass.

verdiente Abkühlung

War der erste Tag im Karijini-Nationalpark bereits äusserst spannend, schafft es der zweite dennoch diesen zu übertreffen. Hancock-Gorge ist unser heutiges erstes Ziel. Ob und wie weit diese relativ kurze Schlucht durchquert werden kann, hängt stark vom Wasserpegel ab. Enge Passagen mit dazwischenliegenden Pools machen diesen Walk so spannend. Sind der Abstieg sowie die ersten Meter noch easy machbar, stehen wir plötzlich vor einem langen Pool. An der Wand entlangklettern geht leider ebensowenig wie durchwaten, denn der Pool ist schlichtweg zu tief. Und so bleibt uns nichts anderes übrig als raus aus den Klamotten, rein in den Pool! Es ist früher Morgen, die Schlucht noch vom Sonnenlicht geschützt und das Wasser gefühlte 10x kälter als noch gestern. Ohjee..habe ich mich Tags zuvor noch derart nach Abkühlung gesehnt, kann ich heute zumindest in den frühren Morgenstunden definitiv darauf verzichten. Nichts da, wir wollen bis ans Ende der Schlucht und so heisst es Zähne zusammenbeissen und rein ins kühle Nass!

Gleich nach dem ersten Pool, erreichen wir das sogenannte Amphietheater, wo das eigentliche Highlight beginnt – der Spiderwalk. Während die Schlucht nämlich immer enger wird, muss man wie eine Spinne mit Hilfe von allen Vieren an der Wand entlang kraxeln. Ein riesen Spass in dieser wunderschönen Schlucht. Während wir an der Wand entlang durch die Schlucht klettern, plätschert unter uns das Wasser. Denn auch hier endet die Kletterpartie in einem Pool.

Denn ganz am Ende der Schluchtdurchquerung findet man den Kermits-Pool. Smaragdgrün leuchtet der tiefe Pool zwischen den tiefroten Gesteinsschichten. Könnte man sich hier wohl ebenfalls der Wand entlang hangeln, bleibe ich pragmatisch und stürze mich gleich wieder ins kühle Nass. Hier endet die Schluchtwanderung, Zeit daher umzudrehen und den ganzen Spass in umgekehrter Reihenfolge von vorne zu beginnen! 🙂

Schaut man von oben hinab in die Schlucht, wird man mit einem wunderschönen Blick belohnt. In diesem Teil des Karijini-Nationalparks nämlich treffen gleich vier Schluchten aufeinander, Hancock Gorge, Weano Gorge, Red Gorge und Joffre Gorge. Ein fantastsiter Anblick in diesers sonst so flachen, sandigen und trockenen Umgebung.

Bereits von oben haben wir sie gesehen, die Weano-Gorge, in welcher sich ein weiteres Highligt versteckt. Ganz am Ende der einfachen Schluchtdurchquerung findet sich der Handrail-Pool. Seinen Namen erhielt dieser Pool wohl aufgrund der Art des Abstiegs. Dort wo das Wasser sich den Weg durch den Felsen geformt hat, kommt man nur mit Hilfe eines Handlaufes durch. Wir hangeln uns entlang des Handlaufes, steigen drei, vier steile Stufen hinunter und stehen plötzlich da, vor dem von allen Seiten mit hohen, steilen Felswänden umgebenen Pool. Die Sonnenstrahlen erreichen nur einen kleinen Teil des Pools, während der rest komplett im Schatten liegt. Ich bin begeistert, kann mich kaum sattsehen an diesem so wunderschön von der Natur geformten Juwel. Das reflektierende Wasser spiegelt sich an der roten Felswand, über uns liegt der tiefblaue Himmel, wir plantschen in diesem riesigen Naturpool und geniessen jede einzlene Minute.

„You’ll love it!“, hat uns die nette Dame beim Visitor-Center des Karijini-Nationalparks zu beginn prophezeit, ja und sie sollte damit sowas von recht behalten! 🙂

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