Komodo – vier Tage auf und unter Wasser im Nationalpark

Der Motor dröhnt. Während die Sonne mir durch die halb geöffnete Tür die ersten Strahlen aufs Gesicht wirft, wache ich mit dem beruhigenden Schwanken der Wellen auf. Früher Morgen! Mein Blick schweift durch die Luke hinaus aufs Meer. Ich wälze mich aus dem Bett, denn obwohl mit einer wunderschönen Aussicht aufs Meer gesegnet, bin ich hundemüde, frage mich weshalb zum Teufel ich mir dies hier antue. Einen Kaffee später auf dem Deck unseres Schiffes jedoch weiss ich, die Entscheidung war genau die richtige.

Noch zwei Tage vorher sitzen wir in unserer Unterkunft in Labuanbajo auf der Insel Flores. Flores, so schön nur schon der Name der Insel klingt, wurde uns diese auch von allen Seiten wärmstens empfohlen. Der ursprüngliche Plan ganz in den Osten Indonesiens zu reisen, bis vielleicht ganz nach Osttimor, wird vom Spontanbesuch von Marc ein wenig durchkreuzt. Wie wir aber längst schon gelernt haben, sind Pläne dafür da geändert zu werden! Flexibilität, auch in Sachen Dauer, Destination, Transportmittel, ist angesagt, limitiert man sich sonst doch viel zu sehr. Nun, auf die Insel Flores haben wir es dennoch geschafft, nur wie weiter? Tauchen wollen wir im Komodo Nationalpark, Flores erkunden, reisen bis mindestens nach Ende! Denn Ende bedeutet in Indonesien noch längst nicht Schluss. Wir überlegen hin und her. Die Zeit bis zum Abflug von Marc liegt uns etwas im Nacken. Und genau deshalb sind Kompromisse nötig.


„Dragons, Rinca Island, Komdo Island, tomorrow?“ Rufen uns immer wieder Touranbieter entgegen als wir durch die Strassen von Labuanbajo schlendern. Hunderte von Touranbieter versuchen uns Touristen mit Sonderangeboten anzulocken. Das gebotene allerdings scheint jedesmal dasselbe. Wir sind etwas frustiert, wissen nicht so recht was tun, wie weiter planen, geschweige denn zu entscheiden. „Liveaboard, 4 Tage, 3 Nächte“ lächelt uns schliesslich ein Aushang schon fast am Ende unserer Erkundungstour an. Bereits Renate, welche wir auf Nusa Lembongang kennengelernt haben, hat uns davon erzählt. „Viel zu teuer für uns!“, war damals noch unsere Antwort. Nun hier in Labuanbajo sieht die Welt plötzlich anders aus. Wir haben Lust zu tauchen, den normalen Tourwahnsinn zu umgehen. was also könnte besser sein, als vier Tage, drei Nächte mit netten Menschen auf einem Boot mitten im Komodo Nationalpark, fernab der Tourmassen zu verbringen? Wir schauen uns an, lächeln und haben uns innerlich wohl schon längst entschieden. Komodo-Dragons und Tauchen lässt sich auf diese Weise perfekt kombinieren. Nur die Reise durch Flores gerät in den Hintergrund. Alles ist nicht möglich, müssen auch wir uns immer mal wieder sagen, und so entscheiden wir uns nach kurzer Absprache unser Budget ein weiteres Mal zu strapazieren und dem Leben auf See beizuwohnen. Dass Renate ebenfalls auf diesem Boot sein wird, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht – ein wirklich schöner Zufall wie sich später herausstellt! 🙂

Und nun sitze ich also da, mit dem Kaffeebecher in der Hand, schaue hinaus aufs Meer und geniesse die ersten Morgenstunden inmitten der See. Wow, an dieses Leben könnte ich mich definitiv gewöhnen! Ich geniesse, träume, verliere mich in den Gedanken, bis plötzlich Yunus unser Tauchguide zum Briefing ruft. Yep, Liveaboard heisst eben auch frühmorgens, und ich meine wirklich früh (06:00 Uhr) ins Meer zu springen und abzutauchen. Ist der Gedanke anfangs vielleicht noch etwas à la: „Hmm…echt jetzt? Muss das wirklich sein?“, ändert sich die Meinung schlagartig kaum ist man im Wasser!

Morgenstimmung auf dem Boot

Split-Current, der Ort wo sich die Strömungen aufgrund eines Pinnacles oder Felsen teilt, genau dort findet sich eine unglaubliche Fischvielfalt. Und genau dafür ist der Komodo-Nationalpark bekannt. Und so tauche ich ab, und finde mich in einem Aquarium voller Fische wieder. Es ist schlicht ein Traum. Wir tauchen erst gegen die Strömung um uns unmittelbar vor dem Felsen, eben genau da wo sich die Strömung teilt, festzuhalten, resp. einfach nur ruhig im Wasser zu treiben. Unzählige Arten von kleinen Fischen, Riffhaien, Moränen, Oktopusse, Schildkröten, wunderschön bunte Korallen, das alles finde ich in nur einem Blick durch meine Taucherbrille. Ich bin begeistert!

An einem anderen Tauchspot finden wir sie dann endlich – Mantarochen, und das ohne 50 andere Leute. Und es sollten nicht die letzten bleiben. Wir befinden uns bereits im „3-Minuten Safety-Stop“, kurz vor dem Auftauchen, als uns plötzlich ein wunderschön majestätischer Mantarochen ganz nah kommt, sich kurz vor uns dreht, um anschliessend wieder in den Tiefen zu verschwinden. Sogar unter Wasser können wir den Freudenschrei von Alberto hören! Was für ein Gänsehautmoment für uns alle! 🙂

Aber auch das Leben an Boot geniessen wir in vollen Zügen. In unserer kleinen Gruppe aus sieben Leuten, haben wir die perfekten Mittaucher gefunden. Das Leben auf dem Boot ist entspannt. Trotz elf Tauchgängen in vier Tagen bleibt genügend Zeit zum Relaxen, Karten spielen, für spannende Gespräche und das Geniessen der gigantischen Aussicht. So besteht der Tagesablauf tatsächlich aus dem so oft gehörten Slogan – Eat, sleep, dive repeat!

Der Komodo-Nationalpark ist insbesondere für seine starken Strömungen bekannt, weshalb dieses Gebiet auch zu einem der schwierigeren gehört und für erfahrene Taucher ist, was wir..naja nicht wirklich sind. Ich fühle mich in meinem Tauchteam mit unserem Tauchguide Yunus aber derart wohl, dass tatsächlich eine der stärksten Strömungen zu einem absoluten Highlight wird. „Cauldron“ heisst der Tauchplatz und macht seinem Namen alle Ehre. Wie eine Kanonenkugel wird man durch die Meerenge zweier Inseln geschleudert. Klingt im ersten Moment nach Spass, kann aber auch unglaublich respekteinflössend sein. Gespannt und hochkonzentriert hören wir daher den Tipps und Anweisungen unserer Tauchguides zu. Nah beieinander bleiben, im Cauldron (Kessel), etwa auf 20 Meter bleiben und dann durch die Meerenge fliegen, um gleich anschliessend nach links abzuwenden um nicht im offenen Meer zu landen. Ok, verstanden haben wirs, machen allerdings müssen wirs aber erst noch. Wir tauchen ab, beobachten einen Manta, der an der Wasseroberfläche schwimmt bevor wir unseren Weg in den Cauldron bahnen. Yunus gibt uns das Zeichen, 20 Meter, sämtliche Luft aus der Weste und los gehts! Wow, es zieht mich regelrecht mit! Entspannt fliegen wir durch den Cauldron, tauchen nah am Grund, bevor das Kanonenrohr auf uns wartet. „Da ein Manta, haltet euch irgendwo!“, gibt uns Yunus plötzlich zu verstehen. An der Stelle wo die Strömung wohl am stärksten ist, schwimmt ein Manta frisch fröhlich an selbiger Stelle, wie ein Vogel im Wind und lässt sich von der Strömung so gut wie gar nichts anmerken. Schnell suche ich einen kleinen Felsvorsprung, halte mich fest, merke im selben Moment wie Marc an mir vorbeitaucht und den Felsen nicht zu fassen bekommt. Im letzten Moment erwischt meine ausgestreckte Hand seine Weste, ich halte ihn, ziehe Marc zu mir. Die Strömung ist derart stark, dass gar meine Taucherbrille wackelt. Adrenalin pur! Wow, was für ein Gefühl. An einem Felsen haltend, beobachten wir den Manta, welcher majestätisch, grazil, tiefenentspannt im Wasser gleitet, daneben wir angestrengt, völlig unkoordiniert und gestresst! Was für ein Bild! 🙂

Von Labuanbajo aus steuern wir bis ganz in den Norden des Nationalparks. Die vielen kleinen Inseln sind meist karg, schroff und kahl, ohne viel Vegetation. Hübsche braune Farbtupfer in den Weiten des tiefblauen Ozeans. Die kleinen versteckten Buchten, bieten perfekte Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Boot. Ruhig ist das Wasser hier und der Blick schlicht fantastisch! Gleich neben Komodo, einer der grössten Insel des Nationalparks befindet sich die Insel Gili Lawadarat, auf welche wir nach rund zwei Tagen erstmals wieder einen Fuss auf Land setzen. Einen kleinen Fussmarsch hoch zu einer kleinen Ebene, bietet einen wunderschönen Blick über die Bucht und die nebenan untergehende Sonne.

Auf Komodo, Rinca, Flores, Gili Motang und Padar kann man sie finden, die furchteinflössenden, riesigen Echsen, die gefährlich sind wie Drachen..oder so! Dragons werden sie hier nämlich auch genannt. Und tatsächlich handelt es sich hierbei um die grösste lebende Echse. Bis zu drei Meter können die Warane werden und bis zu 70 Kg wiegen. Wird man von einem Tier gebissen oder attackiert, ist die Überlebenschance relativ gering. „Erst vor kurzem ist eine Touristin aus Singapur von einem Dragon attackiert worden und anschliessend gestorben!“, erzählt uns unser Guide. Auf Komodo soll es passiert sein. „Die Frau hat sich ohne Guide vom Dorf entfernt und ist auf eigene Faust auf Entdeckungstour gegangen, was sie schliesslich mit dem Leben bezahlt hat.“ Ob wahr oder nicht, mir genügt diese Geschichte um schön brav dem Guide zu folgen und stets einen gewissen Sicherheitsabstand zu wahren. Kaum nämlich haben wir die Insel Rinca betreten, finden wir sie auch. Im Schatten liegend ruhen sie sich aus- die Drachen des Komodo-Nationalparks. Die Aktivität wird in dieser Hitze aufs Minimum reduziert – verübeln kann ich es ihnen aber nun wirklich nicht, und doch sind sie ziemlich furchteinflössend.

Komodo-Dragon

Ein paar hundert Meter weiter treffen wir auf einen weiblichen Drachen. „Sie beschützt ihre Eier. Jeder der dem Nest zu nah kommt wird dafür bezahlen“, erklärt unser Guide. Und wie so oft in der Tier- und vielleicht auch Menschenwelt sind die Muttertiere die gefährlichsten! 😉 Spätestens als das Weibchen sich in Bewegung setzt und auf uns zuläuft, weiche ich zurück. Wohlfühlen tue ich mich nämlich so gar nicht, schliesslich trennen uns keine fünf Meter von diesem gefährlichen aber doch irgendwie schönen Tier. Aber hey, gottlob haben wir unseren Guide und Beschützer dabei. Der Holzstock, den er mit sich trägt, wird es im Ernstfall sicherlich richten. 😉

Komodo-Dragon (Muttertier)

Wir marschieren weiter, hoch auf einen Hügel. Die Sonne brennt und für einmal bin ich alles andere als unglücklich, handelt es sich bei unserem zweiten Landgang nur um einen kurzen Rundgang. Oben auf der Spitze des Hügels angekommen, geniessen wir nochmals den Blick über die Bucht, posieren für das obligate Gruppenfoto, bevor es zurück aufs Boot geht.

Super Tauchgruppe!

Aber nicht nur der Besuch der Komodo-Dragons wird zu einem Début, nein auch ein Nachttauchgang steht auf dem Programm. Habe ich mich bisher immer etwas davor geziert, bin ich nun heiss auf die Unterwasserwelt während der nächtlichen Dunkelheit. Mit Taschenlampe ausgerüstet tauchen wir hinab. Etwas unheimlich ist es ja schon, insbesondere da es an diesem Tauchspot von Feuerfischen wimmelt. „Sie folgen dem Schein der Taschenlampe, um dort Beute zu fangen. Passt also auf wo ihr hingreift und haltet die Arme am Körper“, ermahnt uns Yunus. Schon wieder Biester, diesmal aber unter Wasser, aber eigentlich sind sie ja ganz hübsch. Und tatsächlich folgen uns diverse sehr wohlgenährte Feuerfische, welchen wir das Abendmahl auf dem Tablett servieren, während wir nur mit dem Schein der Taschenlampe die nächtliche Unterwasserwelt erkunden.

Die Tage auf dem Boot vergehen wie im Flug. Und obwohl uns die elf Tauchgänge ganz schön schlauchen, fällt es uns schwer Abschied zu nehmen. Auf uns allerdings wartet noch ein letzter Tag auf der Insel Flores. Mit Motorrad ausgerüstet fahren wir etwas in die Berge, besuchen umliegende Dörfer, geniessen den Ausblick über die Insel und freuen uns über jedes Winken und jeden Handshake der am Strassenrand spazierenden Kinder. Bis nach Ende hat es nicht ganz gereicht, aber immerhin durften wir so doch noch einen kleinen Teil der Insel mitnehmen.

Die Bootscrew, unsere zwei Tauchguides sowie unsere Mittaucher, aber letzten Endes auch die netten Leute in Labuanbajo und auf Flores selber haben unseren Kurztrip in den Osten Indonesiens zu etwas derart einzigartigem und unvergesslichem gemacht. Müsste ich mich heute nochmals entscheiden, würde ich es genau so machen, weil Abenteuer stets dort beginnen wo Pläne enden!

Labuanbajo

 

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