Aso – kurzer aber nasser Zwischenstopp beim Supervulkan

 

Schwerbepackt zwängen wir uns durch die Menge. Ein Durchkommen ist fast unmöglich. „Gleis 4“, ruft Dominique mir von hinten zu. Ich renne. Zeit um den Anschlusszug zu erwischen haben wir kaum. Wir müssen uns beeilen. Ich renne, so gut es eben geht, die Treppe hoch. Gleis 4, perfekt! Einen kurzen Blick auf die Uhr, passt! Wir besteigen den Zug. Die Tatsache, dass wir die einzigen Passagiere sind, sich mit uns ausser dem Lokomotivführer niemand weiteres im Zug befindet, überrascht uns etwas, gehört die Strecke quer über Kyushu, die drittgrösste Insel Japans, doch zu einem Highlight. Wir beschweren uns aber in keinster Weise, denn schliesslich gilt es die Fahrt durch das satte Grün abermals in vollen Zügen zu geniessen. Wunderbare grüne Wälder, kleine Ortschaften und saftige Wiesen ziehen an uns vorbei. Unser kleiner, nur aus zwei Wagen bestehender Zug tuckert gemächlich durchs Land. Ich fühle mich als sässe ich im heimischen Arosabähnli der RhB. Nach rund 2.5 Stunden durch Landschaften wie aus dem Bilderbuch erreichen wir schliesslich die kleine Ortschaft Aso, unser heutiges Ziel.

Rot wie das Arosabähnli 😉

Zugwagen ganz für uns alleine

Das kleine beschauliche Städtchen Aso, mit seinen knapp 30’000 Einwohnern, liegt inmitten der riesigen Caldera. Schaut man sich um, sieht man Teile der riesigen Kraterwand. Gleich neben der kleinen Stadt erhebt sich der Mount Aso, ein Supervulkan, welcher noch letztes Jahr aufgrund eines grossen Ausbruches für Schlagzeilen sorgte. Seither ist der Vulkan nicht mehr zugänglich. Auch Zufahrtstrassen in diese Regionen wurden zerstört und die Aufräumarbeiten sind nach wie vor voll im Gange. Die Schöhnheit dieser Gegend bekommen wir aber gleich am Tag der Anreise vollumfänglich zu Gesicht. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, wir freuen uns auf schöne Tage in dieser tollen Gegend.

Blick zum Mt. Aso

Leider steht das Glück erneut nicht auf unserer Seite. Hatten wir bei Anreise noch perfektes Wetter, hängt nun, nur einen Tag später, eine dichte und dicke graue Nebelschicht über der ganzen Caldera. Wir könnens kaum glauben und sind angesichts unserer bereits geschmiedeten Pläne leider auch etwas enttäuscht. Einzig das wunderschön heimelige Hostel lässt unsere Stimmung etwas aufheitern, fühlen wir uns dort doch fast wie zu Hause.


Egal, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und so packen wir unsere Regenjacken, schnappen uns einen Schirm und machen uns trotz schlechtem Wetter auf zur Busstation. Der Vulkan, zumindest die unmittelbare Nähe dessen ist unser Ziel. Da wir den Morgen etwas vertrödelt haben, reicht es nicht mehr hinaufzuwandern, weshalb wir uns für den Hinweg für den Bus entscheiden. „Ihr habt einen Privatchauffer, ihr Glücklichen“, meint unser Chauffeur lachend, als er mit uns alleine den Berg hochfährt. „Kein Wunder“, denke ich während ich aus dem Fenster in die graue Nebelsuppe schaue. Die Fahrt hinauf ist aber dennoch atemberaubend. Von oben ist die Caldera noch weit besser zu sehen. Unglaublich wenn man bedenkt, dass hier vor tausenden von Jahren einst ein riesiger Ausbruch dieses Land so formte.

Oben angekommen peitscht uns der Wind um die Nase. Es ist deutlich kühler hier oben und die Nebelschwaden ziehen in rasantem Tempo an uns vorbei. Wir geniessen die Aussicht, die uns der vorbeiziehende Nebel kurzzeitig freilegt.

DSCF7339

graue Nebelsuppe trifft auf sattgrüne Wiesen

Den Vulkan bekommen wir jedoch fast gar nicht zu sehen. Ursprünglich wollten wir einen Trek hoch zu einem nebenanliegenden Hügel machen, von wo aus man einen einmaligen Blick auf den Krater haben soll. Aufgrund der Regenwolken entscheiden wir uns aber notgedrungen dagegen. Stattdessen marschieren wir direkt in Richtung Vulkan. Seit dem Erdebeben und Vulkanausbruch vom 8. Oktober 2016 ist der Zugang zum Krater jedoch gesperrt. Immernoch gibt es eine Sperrzone von einem Kilometer Radius rund um den Krater. Die weiterhin andauernde Aktivität des Vulkans ist unübersehbar, oder vielmehr „unüberriechbar“, denn obwohl wir uns noch relativ weit weg vom Vulkan befinden, riechen wir den Schwefelgeruch bereits sehr intensiv. Bei tiefen Atemzügen kratzt es gar unangenehm im Hals.

Wir marschieren weiter. Das Wetter, welches es bis jetzt relativ gut mit uns meinte, schlägt nun schlagartig um. Als wir uns am nächstliegendsten Punkt zum Krater befinden, peitscht uns Wind und Regen ins Gesicht. Wir packen unsere Regenutensilien aus und kämpfen mit Schirm gegen den horizontal fallenden Regen. Ja, ungemütlich ist nur der Vorname. Dennoch suchen wir uns unseren Weg durch die Nebelsuppe hinunter ins Tal.

Erst als wir die Nebeldecke hinter uns lassen und die Regenwolke an uns vorbeizieht wird es trocken, wir hingegen sind mehr als nass. Zwei Stunden sind wir schliesslich im Regen marschiert, ja unser Trek fiel wortwörtlich ins Wasser.

Wir geniessen aber dennoch die frische Luft, den schönen Ausblick und kommen spätnachmittags schliesslich trotzdem zufrieden im Hostel an, wo wir uns erstmal eine warme Dusche gönnen und die Annehmlichkeiten einer perfekt ausgestatteten Küche zu Nutze machen.

Obwohl wir uns die Tage in der Region rund um den Vulkan Aso etwas anders vorgestellt haben, waren die Tage dennoch schön. Nicht zuletzt dank unserer heimeligen Unterkunft, dem Aso Base Backpackers, welches wir wärmstens empfehlen können. Und wer weiss vielleicht kommen wir wieder, dann aber mit ganz viiiiiiel Sonnenschein im Gepäck! 🙂

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