Osaka – von Gaumenfreuden und Glücksspielen

Laute Musik dröhnt aus grossen Musikboxen. Der Fluss vor uns spiegelt die blinkenden, grell leuchtenden Werbetafeln. Auf der anderen Seite des Ufers hat sich eine lange Menschenschlange gebildet. Alle warten darauf eine Schifffahrt auf dem Fluss Yodo zu unternehmen. Wir sitzen auf einer Bank, lassen den riesen Trubel auf uns wirken, beobachten, schmunzeln und halten kurz inne während das Leben um uns herum unaufhörlich weitergeht. Osaka, als Vergnügungsstadt Japans bekannt, macht ihrem Namen alle Ehre.

Schon bei der Ankunft merken wir, hier tickt die Uhr definitiv wieder ein wenig anders. Konnten wir uns in den Bergen doch ein wenig vom Trubel erholen, ist hier in dieser riesigen Stadt, denn immerhin ist Osaka die drittgrösste Stadt Japans, wieder jede Menge los. Unser Standort, ein Hostel inmitten des Essens-, Ausgeh-, unf Spielhallenviertel trägt zu allem Weiteren bei.

Gleich am ersten frühen Abend wagen wir uns ins Zentrum des Geschehens. Rund um den Fluss Yodo nämlich liegt Shoppingmeile an Fressmeile. Eine Masse an Menschen zwängt sich mit uns durch die Strassen. Ohne zu wollen wird geschubst und gedrückt. Die schwülheissen Temperaturen machen das ganze relativ mühselig. Dass gerade Wochenende ist und die Stadt daher aus allen Nähten zu platzen scheint, ist uns im ersten Moment nicht so ganz klar. Jegliches Zeitgefühl nämlich verschwindet, je länger die Reise dauert.

Shoppingmeile in Osaka

Wir kämpfen uns weiter. In der Ferne hören wir laute japanische Popmusik. Kurz darauf erreichen wir den Fluss, das Wahrzeichen Osakas. Hier spielt sich das Leben ab. Das Flussufer gesäumt mit seinen vielen Laternen scheint Zentrum des Geschehens im Touristenviertel Osakas zu sein.

Flussufer

Flussufer

Während wir gemütlich dem Ufer entlang schlendern steigt der Lärmpegel. Eine Menschentraube am Ufer amüsiert sich immer mit den Blicken auf die andere Seite gerichtet. Wir schauen hinüber, wo wir schliesslich den Ursprung der Musik finden. Teeniepop à la Asien! Fünf junge in Animekostümen gekleidete Sängerinnen hüpfen und tanzen zu knalliger japanischer Popmusik. Die Zuschauer scheinen jeden einzelnen der Tänze in und auswendig zu kennen. Während wir dem Konzert ebenfalls kurz beiwohnen fragen wir uns, welch nationale Popgrösse dort wohl soeben eine Darbietung zum Besten gibt.

Japanischer Teeniepop

Was in Vietnam die Pho ist, ist in Japan die Ramen. Und wie so oft auf Reisen gehört auch hier in Japan die Nudelsuppe zu einer von uns meist gegessenen Speisen. Unser Lieblingsrestaurant diesbezüglich haben wir in Japan relativ schnell gefunden. Uns verwunderts daher auch nicht, dass auch hier in Osaka langes Anstehen angesagt ist. Überhaupt ist es hier relativ normal, einfach mal eine Stunde für einen Platz in einem Restaurant anzustehen – für uns kaum vorstellbar. Die Ramen ist vorzüglich, auch wenn die Sitzanordnung etwas gewöhnungsbedürftig ist. Bestellt wird am Automaten, bedient wird durch eine Luke vor einem und essen kann jeder in seinem eigenen Kabäuschen. „Fastfood“ à la Japan halt.

Da Osaka allgemein sehr für seine kulinarische Vielfältigkeit bekannt ist, probieren auch wir uns etwas durch die japanische Küche. Okonomiyaki heisst eine in diesem Teil Japans bekannte Speise, welche wir heute gerne probieren möchten. In einer kleinen Nebenstrasse, etwas abseits vom ganzen Trubel finden wir schliesslich ein kleines Izakaya, welches angeblich mitunter die besten Okonomiyaki anbietet. Auch hier warten bereits andere Hungrige vor dem Restaurant, ausschliesslich Locals, was uns mehr als freut und stets ein gutes Zeichen ist. Wie gewünscht tragen wir uns in die Liste ein. Kurz darauf wird uns eine Speisekarte in die Hand gedrückt um nur Minuten später die Bestellung aufzunehmen. Wir sind gespannt, denn nur schon die wenigen kurzen Blicke, welche wir in das Restaurant werfen können, lassen Gutes erahnen. „Dom-san?“, fragt der nette Koch, welcher gleichzeitig für die Gästebedienung zuständig ist in die Runde. Wir treten hervor, nicken und folgen in das kleine urchige Restaurant. Gesessen wird hier nicht an Tischen, vielmehr setzt man sich wie an eine Art Theke, welche von einem riesigen Herd, auch Teppan genannt, umgeben ist. Hier werden gleich neben uns die berühmten Okonumyaki hergestellt. Die einen nennen sie Pancakes, die anderen handeln sie als japanische Pizza. Für mich ist es weder das eine noch das andere. Anfänglich wird zwar eine Art Crêpe hergestellt. Dieser wird dann aber mit beliebigen Zutaten gefüllt, wie Kohl, Lauch, Fleisch, Nudeln und vielem mehr. Sehr fein, nur etwas schwierig zu essen! 😉

Obwohl sich in Osaka vieles ums Essen dreht, gönnen wir uns doch ab und an noch eine kurze Abwechslung. Während eines Spazierganges durch die Stadt kommen wir am berühmten Osaka Castle vorbei. Wir spazieren ums Castle herum, verzichten allerdings auf einen Blick ins Innere des Schlosses, zu lang ist die Schlange vor dem Eingang. Viel spannender finde ich aber sowieso die in Ritterrüstung gekleideten Müllmänner, welche für Sauberkeit und Ordnung auf dem Platz sorgen und noch viel mehr als Fotosujet dienen resp. als Fotomodel fungieren.

„Komm, lass uns das doch mal genauer anschauen“, meint Dominique am letzten Abend, als wir auf dem Nachhauseweg an einer der vielen Spielhallen, resp. Pachinkohallen vorbeilaufen. Gesagt getan, und so betreten wir eine dieser riesigen Hallen. Ein ohrenbetäubender Lärm umgibt uns. Instinktiv halten wir die Ohren zu. Pachinko ein Glücksspiel das in Japan äusserst populär ist, allerdings unverständlicher nicht sein kann. Und wohl genau deshalb setzt sich Dominique wie soviele andere an einen dieser vielen Spielautomaten. Getreu dem Motto „no risk, no fun“, setzen wir ein „kleines Vermögen“ von rund CHF 8.- ein ;-), mit der Annahme dieses genauso schnell wieder zu verlieren wie wir das Nötchen in den Automaten gesteckt haben. Eine Mitarbeitern der Spielhalle kommt auf uns zu, hilft uns bei der Bedienung des Automaten und unternimmt einen weiteren Versuch uns das Spiel verständlich zu machen. Vergeblich! „Drück diesen Hebel einfach nach rechts!“, ist das einzige was wir wirklich verstehen. Weshalb? Keine Ahnung.

Pachinko

Die kleinen Metallkügelchen fallen wie bei einem Flipperkasten durch diverse „Bahnen“. Angestrengt verfolgen wir das Spiel. „PUSH BUTTON“!! steht auf einmal in blinkenden Grossbuchstaben vor uns auf dem Bildschirm. Dominique drückt und im selben Moment beginnt der Automat zu blinken was das Zeug hält. Schrille laute Musik ertönt. Wir schauen uns an, verstehen die Welt nicht mehr und lächeln einfach mit all den anderen die uns lachend zuwinken und ihre Daumen nach oben strecken. „You win, very good!“, meint plötzlich die Dame neben uns. Ok, cool! Also weiter gehts. Um uns herum bildet sich plötzlich eine Menschentraube. Vorbeilaufende Gäste bleiben stehen, schauen erst verdutzt den Spielstand an (welchen wir im Übrigen genauso wenig verstehen wie das Spiel selbst) um gleich danach noch verdutzter Dominique anzustarren. Das Glück scheint heute auf unserer Seite zu sein, denn wir gewinnen und gewinnen. Und da man bekanntlich aufhören sollte wenn es am schönsten ist, entscheiden wir das Spiel zu beenden, unseren Gewinn von vielleicht CHF 20.-  (wir wissens ja nicht so genau) einzusacken und nach Hause zu gehen. „Ihr könnt jetzt nicht aufhören“, meint allerdings die Dame neben Dominique. Ja wie jetzt? Stunden vergehen. Ausser den Hebel immer schön nach rechts gedrückt zu halten und alle fünf Minuten einmal den Button in der Mitte zu drücken, sitzen wir nur da und starren in den Automaten. Weshalb dieses Spiel derart populär ist, können wir in keinster Weise nachvollziehen. Wir bleiben trotzdem dran, denn schliesslich motivieren uns immer mehr Menschen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, nach x-Versuchen das Spiel zu beenden, erscheint auf einmal die Mitarbeiterin wieder. „Wollt ihr noch weiter spielen?“. „Ääähm, nein, eigentlich schon lange nicht mehr!“. Sie nickt: „Ein anderer Gast möchte gerne euren Platz einnehmen. Ist das für euch in Ordnung?“ Ok, es hat sich wohl in der Spielhalle rumgesprochen, dass dieser Automat Glück bringt. Natürlich sind wir einverstanden. Die Dame händigt uns einen Zettel aus, begleitet uns nach unten, wo wir unseren Gewinn abholen können. Glücksspiele mit Geldgewinn sind in Japan grundsätzlich verboten. In Pachinkohallen wird daher kein Geld ausbezahlt, sondern der Gewinn gegen Dinge eingetauscht. So spaziert die Dame vor uns mit zwei Instant-Nudelsuppen aus der Halle. Ja, wieso auch nicht! Wir schauen uns fragend an in der Hoffnung keine weiteren Dinge mitschleppen zu müssen. Als uns jedoch irgendwelche Süssigkeiten eingepackt werden und zusätzlich ein paar Barren überreicht werden, werden wir stutzig. Und was bitte sollen wir nun mit diesen Barren? Noch bevor wir uns dieses Frage stellen, führt uns die nette Mitarbeiterin aus der Halle zu einem nebenanliegenden Häuschen. „Hier könnt ihr die Barren gegen Geld tauschen!“ meint sie kurz. Wir händigen die Barren aus. Die Zahl auf dem Bildschirm vor uns lässt uns erschaudern. Wir schauen uns verdutzt an, trauen unseren Augen im ersten Moment nicht. Wie bitte?? Ja, bei einem Gewinn von umgerechnet CHF 350.- bei einem Einsatz von CHF 8.- verstehen nun auch wir den Hype um unsere Personen in dieser Halle. Wir bedanken uns bei der netten Dame und ziehen zufrieden von dannen. Ein weiterer skuriller Abend in Japan geht zu Ende. Manchmal ist es halt doch besser nicht alles zu hinterfragen und verstehen zu wollen! Danke Osaka, danke Pachinko, vielleicht werden  wir dich ja doch irgendwann verstehen…. 🙂

Erfolgreicher Pachinko-Spieler! 🙂

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