Vang Vieng – zwischen Himmel und Hölle in der Partyhochburg Laos

Vang Vieng – wollen wir wirklich einen Zwischenstopp in der Partyhochburg Laos einlegen? Die Frage geisterte schon lange in unseren Köpfen herum. Viel haben wir über diesen Ort, der in etwa mittig zwischen Vientiane und Luang Prabang liegt, gelesen. Vieles was uns eigentlich total abschreckt..aber eben auch einiges wofür es sich zu lohnen scheint diesem kleinen Ort einen Besuch abzustatten.

Vang Vieng galt lange als Ballermann Südostasiens. Fast 120’000 partyliebende Backbacker fielen jährlich über das kleine Provinzstädtchen her. Meist um einfach nur im Übermass zu feiern, Drogen zu konsumieren und sich in einem alten LKW-Reifen den Fluss hinunter treiben zu lassen, wo sich am Ufer eine Bar an die andere reihte. An jeder Bar konnten sich die Feierwütigen per Leine an Land ziehen lassen, wo es Schaukeln, Partypodeste und Ziplines gab. Aus den Lautsprechern dröhnten Partybeats, massenweise Eimer mit alkoholischen Mixgetränken sowie Marihuana, Opium und Magic Mushrooms fanden sich auf jeder Menuekarte und Kleidung war optional. Und dies in einem konservativen Land wie Laos, in dem Einheimische in voller Kleidung baden, und es als unhöflich gilt, laut zu werden oder sich in der Öffentlichkeit zu küssen. Vang Vieng war eine asiatische Version europäischer Partyhochburgen wie Lloret de Mar oder Mallorca mit seinem Ballermann – nur heftiger! Die Kombination aus billigem Alkohol, tropischer Hitze und Wassersport verwandelte sich für viele jedoch zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit. Jedes Jahr starben Menschen und Verletzungen wie Knochenbrüche und Platzwunden waren an der Tagesordnung. 2012 wurde der Dauerparty schliesslich ein Ende gesetzt. Die oberste Autorität des Landes hatte beschlossen, wieder auf Natur zu setzen. Vang Vieng sollte zu dem werden, was es einmal war – eine sichere, saubere Kleinstadt. Seither versucht man den Ort verstärkt als Destination für Eco- und Aktivtourismus zu vermarkten.

Entsprechend gespannt fahren wir in den kleinen Ort und sind anfangs doch tatsächlich etwas enttäuscht. Schön ist Vang Vieng auf den ersten Blick so ganz und gar nicht und von Party ist ebenfalls weit und breit nichts zu sehen. Einzig die umliegenden Karstberge mögen uns zu Beginn begeistern.

War Vang Vieng bis 2012 noch voll in den Händen der westlichen Partytouristen, begegnen  wir nun hauptsächlich koreanischen und chinesischen Reisegruppen. Mag zum einen vielleicht einfach daran liegen, dass halb China aufgrund des chinesischen Neujahrs wieder einmal in die Ferien fährt, zum anderen merkt man aber deutlich wie sich Vang Vieng in den gewünschten Eco- und Aktivtourismus-Hotspot verwandelt.

Jeden Morgen fahren scharenweise Buggies mit asiatischen Piloten an unserem Hotel vorbei. Den ganzen Tag über begegnen wir zudem unzähligen Bussen mit asiatischen Touristen, welche den Fluss hochfahren um mit den Kajaks hinunter zu paddeln. Vang Vieng scheint zu einem Outdoorparadies der Chinesen und Koreaner geworden zu sein.

An Vang Vieng selber finden wir irgendwie nicht so wirklich Gefallen. Ein neuer Hotelkomplex nach dem anderen wird hier hochgezogen. Der Ort wimmelt von Reisenden, Einheimische bekommt man nur Wenige zu Gesicht.

Der Mittelpunkt Vang Viengs befindet sich am Ufer des Flusses Nam Song. Hier spielt sich vorallem abends das Leben ab. Der Fluss wird nicht nur zum Kajaken, Tuben oder Baden genutzt, sondern für alles was man in oder an einem Fluss eben so machen kann. Auch wir geniessen die friedliche Abendstimmung am Ufer des Nam Song und beobachten das bunte Treiben.

Wofür Vang Vieng aber doch noch einen Platz in unseren Herzen erhält ist die wunderschöne Umgebung rund um das kleine Städtchen. Passiert man nämlich die Brücke über den Fluss und fährt mit dem Motorrad etwas hinaus oder geniesst einfach einen Spaziergang rund um die Reisfelder, bekommt man einen völlig anderen Eindruck dieser Gegend. Riesige Karstberge ragen empor, rundherum liegen kleine friedliche Dörfer in welchen sich noch das wahre laotische Leben abzuspielen scheint. Wir geniessen die Tage in Vang Vieng in vollen Zügen und finden doch je länger je mehr Gefallen an diesem Ort.

Ja, und dann ist da noch die Frage: machen wirs oder machen wirs nicht? Wir waren uns ja anfangs ziemlich einig, dass wir gut und gerne aufs Tubing (mit LKW-Reifen den Fluss hinunter treiben) verzichten können. Da die Stadt aber vielmehr Ruhe als erwartet ausstrahlt und nicht mehr derart viel Party zu herrschen scheint, lassen wir uns nach einigen Diskussionen auf das Experiment Tuben ein. Wer es nicht selber ausprobiert kann sich dazu auch keine Meining bilden, so unser Motto.

An einem sonnigen Tag mieten wir uns also einen Tube. Wir bekommen die Nr. 68 und 69 verpasst, was soviel heisst, dass sich heute (erst) 67 andere mit einem Tube auf den Weg gemacht haben. Zur Erinnerung im Jahr 2012 waren es bis zu 1000 pro Tag..!! Mit einem Tuktuk fahren wir zum Starpunkt und dann gehts los. Ja aber wie jetzt…nach weniger als 1 Minute im Wasser und nur rund 30 Meter Distanz werden wir bereits wieder aus dem Wasser gezogen. Die erste Bar wartet auf die Feierwütigen. Natürlich hätten wir diese auch einfach auslassen können, unsere Neugier siegt aber ein weiteres Mal. Wir werden sogleich von jungen westlichen Leuten mit einem Gratis-Shot empfangen. Uns schwant da bereits böses… Die westlichen Anmimateure selbst sind total verladen und können kaum noch stehen…und das um zwei Uhr nachmittags…wir sind schockiert!!!

Relativ schnell begeben wir uns daher wieder in unsere Tubes, lassen uns gemütlich treiben und geniessen das schöne Wetter auf dem Fluss. Zwar gönnen auch wir uns ein Bierchen, was andere hier jedoch veranstalten ist schlicht lebensgefährlich. Glücklicherweise sind heutzutage nur noch jeweils zwei Uferbars offen. Entlang des  Ufers sieht man allerdings noch die Überbleibsel der riesigen Partyszene…wir können nur ahnen was damals vor sich gegangen ist. Die zweite Bar ist glücklicherweis um einiges ruhiger, resp. weniger primitiv und alles läuft ein wenig gesitteter ab. Während die meisten weiter feiern, nehmen wir noch den letzten Abschnitt „unter den Tube“ und lassen uns bis nach Vang Vieng treiben. Einigen anderen ist das bunte Treiben ebenfalls zu viel, sodass wir nicht die einzigen sind, welche sich länger auf dem Fluss als in der Bar aufhalten.;-)

Ja, und wie fanden wir nun das Tubing in Vang Vieng?  Wir müssen ja ehrlich gestehen, dass wir nun total Fan vom eigentilchen Tuben selbst sind. Sich friedlich den Fluss hinunter treiben zu lassen während einem die Sonne auf den Bauch scheint, ja das hat was. Ein wenig erinnert es uns auch ans Rheinschwimmen, wo man sich mit dem Wickelfisch den Rhein hinunter treiben lässt. Eine coole, erfrischende Freizeibeschäftigung also…wäre da nur nicht das primitive Besäufnis…!

Nach ein paar ruhigen Tagen verlassen wir den ehemaligen Partyort und fahren weiter nach Luang Prabang. Luang Prabang bedeutet für uns zugleich das Ende unserer Motorradreise, denn dort wollen, resp. müssen wir unseren heissgeliebten Freund, unser Moped verkaufen. Etwas wehmütig packen wir somit zum letzten Mal unsere sieben Sachen auf den Lastesel, bevor wir uns auf die letzte wunderschöne Etappe nach Luang Prabang aufmachen.

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