Von Ninh Binh zum Phong Na Nationalpark – eine Pannenserie in drei Akten

 

Etappe 2 – Ninh Binh nach Tân Ky (254 km):

Unsere Reise führt uns weiter ins Landesinnere. Rund 254 Km liegen heute vor uns. Nachdem wir die Etappe nach Ninh Binh doch ein wenig unterschätzt haben, machen wir uns diesmal deutlich früher auf den Weg. Der Wecker klingelt bereits um 6:30 Uhr. Da uns die Hotelbesitzerin jedoch nicht ohne Kaffee gehen lässt, verzögert sich unsere Abfahrt allerdings doch noch um ein paar Minuten. „Pünktlich“ um 8:00 Uhr fahren wir los..;-)

Ninh Binh liegt am berühmt berüchtigten Highway Nr. 1. Hierbei handelt es sich um die nord-südvietnamesische Fernverkehrsstrasse. Aufgrund der zahlreichen Busse und LKW’s, welche auf dieser verkehren, versuchen wir wann immer möglich diese Strasse zu meiden. Wir sind daher froh nach einigen Kilometern den Highway 1 verlassen zu können und tuckern gemächlich auf den Nebenstrassen durch die Dörfer.

Nach ungefähr 62 Km kommen wir an einer Zitadelle vorbei, welche anfang des 15. Jahrhunderts als Herrschersitz des viatnamesischen Kaisers (Hồ-Dynastie) erstellt wurde. Heute noch zu bewundern sind vorallem die mächtigen Aussenmauern und die wuchtigen Tore.

Mit gemütlichen 40 bis 50 Km/h fahren wir über die Landstrassen Vietnams. Zwar wären ausserorts max. 80 km/h (für Motorräder eigentlich nur 60 Km/h) erlaubt, wir aber sind gar nicht in der Lage so schnell zu fahren. So dauert alles ein wenig länger und die vorgenommenen 254 Km ziehen sich ziemlich in die Länge. Unser Hintern braucht ab und an eine Pause und so genehmigen wir uns das ein oder andere Getränk in einem der vielen kleinen Cafés entlang der Strasse.

Bereits nach den ersten Tagen sind wir erstaunt wie wenig Benzin unser Motorrad verbraucht. Auf 100 Km kommen wir im Schnitt auf rund drei Liter…ziemlich sparsam dieser Blechesel. 😉 Dennoch müssen natürlich auch wir hin und wieder den Tank auffüllen. Doch auch dies ist hier überhaupt kein Problem, gibt es doch in fast jedem Ort topmoderne Tankstellen. Der Preis für einen Liter Benzin bewegt sich um die 80 Rappen.

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Es ist wie verhext! Wir könnens kaum glauben als unser Hinterreifen ein weiteres Mal Luft verliert. Glücklicherweise befinden wir uns gerade in einem Dorf wo sich schnell ein Mechaniker finden lässt. Der Reifen wird gewechselt und wir führen unsere Reise fort. Lamgsam aber sicher machen wir uns unsere Gedanken…sind wir nicht doch zu schwer? Was wenn wir jeden Tag zum Mechaniker müssen?

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Aufgrund des Reifenzwischenfalls haben wir an Zeit verloren. Wir haben noch rund 80 Km vor uns und die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont. Wir fahren der untergehenden Sonne entgegen, vorbei an Reisfeldern wo die Einheimischen ihre Kühe und Wasserbüffel einholen. Kurz nach dem Eindunkeln erreichen wir das Städtchen Tan Ky wo wir die Nacht verbringen. Wir sind geschafft, unsere Hintern und Rücken schmerzen. Ein weiterer sehr anstrengender aber dennoch erlebnisreicher Tag geht zu Ende. Total erschöpft fragen wir uns das erste Mal ob es wirklich richtig ist, was wir hier tun.

Etappe 3 – Tan Ky nach Huong Khe (138 Km)

Für den nächsten Tag haben wir uns für eine kürzere Etappe entschieden. Es wäre wohl machbar die ganze Strecke bis nach Phong Na an einem Tag zu bewältigen. Wir möchten jedoch nicht mehr derartige Strapazen wie die der letzten Tage auf uns nehmen, sodass wir uns für einen Zwischenstopp in dem Städtchen Huong Khe entscheiden. Wir sind etwas nervös aufgrund der Pannenserie. Kommen wir das erste Mal ohne Panne durch? Die Strassen werden einsamer und die Landschaft hügeliger. Unser Motorrad kämpft sich die Strassen hoch und so gönnen wir uns und dem Motorrad einige Pausen mehr.

Irgendwie steht das Glück momentan nicht wirklich auf unserer Seite. Kaum losgefahren öffnet der Himmel seine Pforten – es beginnt zu Regnen. Schnell kaufen wir in einem kleinen Laden Regenmäntel und Fischsäcke für unsere Backpacks. Top ausgerüstet fahren wir durch den Regen – es gibt wahrlich schöneres…

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Der Regen lässt nach, wir können weitere Kilometer gut machen bis plötzlich…ja ratet mal! Genau, platter Reifen Nr. 3! Die Stimmung ist am Boden, wir haben irgendwie so gar keine Lust mehr. Regen, platter Reifen und das einmal mehr Irgendwo im Nirgendwo. Völlig entnervt greift Dominique einmal mehr das Motorrad. Wir werfen eine Münze in welcher Richtung sich wohl das nächstgelegene Dorf befindet und machen uns auf den Weg zurück. Es vergehen keine fünf Minuten als wir an einem kleinen Haus vorbeigehen. Die Hausbewohner winken uns zu und und bieten uns sofort ihre Hilfe an..WOW! Während der eine schnell zum Handy greift um einen Mechaniker zu rufen winkt uns der Hausherr zu uns und ladet uns zum Lunch ein. Wir können nicht nein sagen, denn das Essen steht schon bereit. Einmal mehr sind wir von dieser wunderbaren Gastfreundschaft beeindruckt und freuen uns über unsere unglaublich netten Gastgeber. Schnell sind die Strapazen wieder vergessen. Ohne diesen 3. platten Reifen hätten wir diese Familie wohl nie getroffen – ein wahrer Glücksfall und eine ganz besondere Erfahrung!

Mit neuem Reifen resp. Schlauch und gut gefüllten Bäuchen bringen wir die letzten Kilometer hinter uns. Gut gelaunt erreichen wir das kleine Städtchen Huong Khe.

Etappe 4 – Huong Khe nach Phong Na (136 Km)

Ausgeschlafen starten wir guten Mutes unsere nächste Etappe. Gleichzeitig entscheiden wir uns aber das Motorradabenteuer nochmals deutlich zu überdenken, sollten wir heute erneut eine Panne haben. Das erste Mal geht es für uns in die Berge. Das Wetter hält, die Stimmung ist gut und unser Motorrad tuckert gemächlich die Strassen hoch.

Aber es kommt wie es kommen muss..(nein für einmal keine Reifenpanne!). Petrus meint es diesmal nicht gut mit uns, denn das Wetter wechselt erneut und wir kämpfen uns durch Nebel und Regen.

Völlig erschöpft kommen wir in Phong Na an…und das OHNE Reifenpanne! Unsere Drohung das Motorradabenteuer zu beeenden wurde wohl erhöhrt! 🙂 In Phong Na bleiben wir zwei Nächte um uns ein wenig zu erholen und die Landschaft rund um den Phong-Nha-Ke-Bang Nationalpark zu erkunden.

Leider macht uns das Wetter weiterhin einen Strich durch die Rechnung. Wir verzichten daher aufs Trekken und entscheiden uns „nur“ die naheliegende Paradise Cave zu besuchen. Die Höhle ist erst seit 2011 zugänglich und erstreckt sich auf einer Länge von 31 Km. Ohne Guide können jedoch nur die ersten Kilometer besichtigt werden. Angeblich ist sie die längste Trockenhöhle Asiens. Kaum hat man die Höhle betreten offenbart sich ein kathedralähnlicher Raum mit Stalaktiten aus weissem Kristall.

Wir sind froh für einmal ohne Panne durchgekommen zu sein. Es macht uns etwas zuversichtlicher, denn während der nächsten Etappe (unserer persönlichen Königsetappe) können wir uns keine Panne erlauben..dazu aber später mehr! 🙂

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