Einmal Hongkong und zurück

Sobald man die Grenze zu Hongkong überquert befindet man sich in einer total anderen Welt. Hongkong war einst eine britische Kolonie. Im Jahr 1984 willigte Grossbritannien ein, Hongkong im Jahre 1997 an China zurückzugeben. Seitdem ist Hongkong eine chinesische Sonderverwaltungszone unter Beibehaltung einer freien Marktwirtschaft und hoher innerer Autonomie. Immer noch sind die britischen Einflüsse deutlich erkennbar. Es wird nicht mehr gedrängelt, man unterhaltet sich in einem angemessenen Ton und das Beste an allem, es wird nicht mehr immer und überall hingespuckt… 🙂

Für Hongkong haben wir ursprünglich fünf Nächte eingeplant. Da es aber meistens anders kommt als man denkt, hat sich unser Aufenthalt hier ungewollt verlängert. Dazu aber später mehr…

Die Bevölkerung hat sich in den letzten sieben Jahrzehnten etwa vervierfacht. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Wohnraum in Hongkong sehr knapp ausfällt und die Menschen in winzig kleinen Wohnungen leben. Uns soll es auch diesbezüglich nicht anders gehen. Wie so viele Backpacker oder Reisende steigen auch wir im bekannten Chungking Mansions ab. Ein bröckelnder, alter Block in der Nathan Road im Stadtteil Kowloon in perfekter Lage bietet die wohl günstigsten Zimmer in ganz Hongkong an. Kommt man erstmals in diesem Komplex an, möchte man am liebsten sofort wieder weg. Das Gebäude besteht aus fünf Blöcken (A bis E) mit jeweils 17 Etagen. In den beiden untersten Etagen befindet sich eine Art Einkaufspassage oder vielmehr ein Bazar. Dort befinden sich kleine Läden (v.a. Mobiltelefone), indische Restaurants, Wechselstuben, afrikanische Kleiderläden und vieles mehr.. Unübersehbar ist hier die kulturelle Vielfalt an Menschen, welche sich auf engstem Raum tummelt. Geht man durch die Passage muss erstmals der richtige Aufzug gefunden werden. Zwischenzeitlich wird man ständig angequatscht und es wird einem alles Mögliche angeboten, von Rolex-Uhren, Handtaschen, Anzüge (natürlich alles Fake), über Hotelzimmer, Mobiletelefone bis hin zu Drogen. Hat man sich aber einmal an dieses Treiben gewöhnt, ist es eigentlich gar nicht mehr so schlimm..;-)

Unser Lager für die nächsten fünf Nächte besteht aus einem 7 m2 grossen Raum mit einer „WC-Dusche“ in welcher man sich kaum bewegen kann. Wer diese Geduldsspiele „Schiebepuzzle“ oder „Schieberätsel“ kennt, kann sich in etwa vorstellen wie sich zwei Personen in diesem Zimmer verhalten müssen um aneinander vorbeizukommen: der eine verschiebt sich ins Bad, sodass der andere vorbeigehen kann..war lustig, gab allerdings auch ein paar blaue Flecken. 😉

Das Schöne an unserer Unterkunft jedoch ist die Nähe zum Ferrypier. In Hongkong sollte man unbedingt die Fähre nehmen um nach Hongkong Island zu gelangen. Nicht nur ist dieses Transportmittel um ein Vielfaches günstiger als die Metro, es macht vorallem einfach auch mehr Spass und bietet eine atemberaubende Aussicht auf die wunderschöne Skyline von Hongkong.

Aus dem Hongkonger-Stadtbild ebenfalls nicht mehr wegzudenken sind die historischen doppelstöckigen Strassenbahnen, auch „Ding Ding“ genannt. Die Strassenbahn fährt ausschliesslich auf der Insel Hongkong und verbindet den Westen mit dem Osten. So tuckern wir gemächlich über die Schienen während wir das Treiben der Stadt gemütlich von oben betrachten können.

Obwohl sich Hongkong von einem einst kleinen Fischerdorf zu einer High-Tech-, Business-, und Finanzmetropole gewandelt hat, gibt es nach wie vor sehr traditionelle chinesische Ecken in dieser Stadt. Dies liegt vor allem daran, dass es von den Wirren der Kulturrevolution verschont geblieben ist und gleichzeitig als Zufluchtsort für Kulturschaffende diente, die in China bedroht wurden.

Hongkong Island ist sehr bergig und eng bebaut, weshalb einem die Steigung schon etwas ausser Puste bringen kann. Aus diesem Grund wurde vom Stadtteil Central nach Mid-Levels eine rund 800 Meter lange Rolltreppe gebaut. Wähend 25 Minuten kann man hinauffahren und die vorbeiziehenden Cafés, Restaurants und kleine Läden im Stadtteil Soho betrachten. Für uns eine wunderbare Art diesen Stadtteil in dieser fast unerträglichen Hitze zu erkunden.

Am vorletzten Abend fahren wir mit dem Peak-Tram den Hügel hoch von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Skyline Hongkongs geniessen kann. Oben angekommen erwartet uns ein riesiger Komplex mit Läden, Restaurants und vorallem einer kostenpflichtigen Plattform. Wir finden wir haben definitiv für die Tramfahrt bereits mehr als genung bezhalt weshalb wir uns nach einem kostenlosen Plätzchen umsehen. Auf dem Gebäude gleich neben dem Hauptkomplex finden wir eine Dachterasse, welche man ohne etwas zu bezahlen betreten darf. Wir packen dort unser mitgebrachtes Baquette, Salami und Käse aus und geniessen ein gemütliches Picknick mit Aussicht 😉

Die Preise in Hongkong treiben uns teilweise fast die Tränen in die Augen. Wir gönnen uns zwar hie und da ein kühles Bier oder ein Nachtessen in einem Restaurant, müssen jedoch oft auf den ultragünstigen Mc Donalds (ja wir gebens ja zu..!) sowie auf Instant-Noodles zurückgreifen. Der 7-Eleven wird während unseres Aufenthalts zu einem unserer besten Freunde. 🙂

Die fünf Tage vergehen wie im Flug und so heisst es bereits wieder Abschied nehmen…denken wir zumindest…Wir packen unsere Rucksäcke machen uns früh morgens auf den Weg zum Bahnhof und fahren mit dem Zug zwei Stunden an den Grenzbahnhof von Guangzhou, wo wir wieder nach China einreisen wollen. Wir füllen die Einreisekarte aus, stellen uns in die Schlange und warten bis wir den Zoll passieren dürfen. Eigentlich ein kurzes, unkompliziertes Unterfangen…eigentlich. Diesmal dauert das ganze Prozedere jedoch etwas länger, was uns allerdings noch nicht wirklich beunruhigt.  Erst als eine weitere Beamtin dazugerufen wird, werden auch wir stutzig. Eigentlich gibt es ja keinen Grund, schliesslich haben wir einen gültigen Pass und ein gültiges Visum…oder etwa nicht? Wir werden höflich zur Seite gebeten und uns wird erklärt, dass unser Visum abgelaufen ist (vor 2 Tagen…!!!) und wir daher zurück nach Hongkong geschickt werden müssen. Alle Bemühungen am Bahnhof von Guangzhou ein Visum zu erhalten bleiben leider erfolglos. Zu unserem Glück ist zudem Samstag was bedeutet, dass alle Botschaften geschlossen sind. Die immer noch freundliche Dame schickt uns nicht mehr so freundliche Touristen in einen separaten Raum, in welchem wir zu warten haben, bis der nächste Zug fährt. Wir kommen uns vor wie Schwerverbrecher und ärgern uns gleichzeitig über unsere eigene Dummheit. Es ist ja nicht so dass wir zu Hause noch darüber diskutiert haben, ob das Visum so korrekt ausgestellt wurde..Gutgläubig wie wir sind haben wir dies jedoch nicht weiter hinterfragt. Unser Fehler, denn ein Double-Entry-Visum, welches einen Aufenthalt von 90 Tagen gewährt weist in der Regel eine Gültigkeit von 6 Monaten und nicht wie in unserem Fall von 3 Monaten aus.

Erst als alle anderen Reisenden im Zug Platz genommen haben, dürfen die abgewiesenen Schweizer mit Begleitschutz den Zug betreten. Wir sind wieder in Hongkong, ohne Visum und ohne Unterkunft. Glücklicherweise ist dies nicht sonderlich schlimm. Schnell finden wir ein neues Zimmer (diesmal sogar 1 m2 grösser!) und versuchen auf schnellstem Wege ein neues Visum zu erhalten. Für eine schmerzlich hohe Summe Geld beauftragen wir eine Agentur, welche uns das Visum besorgt.

Die nächsten vier Tage verbringen wir eher gemütlich in Hongkong. Und etwas Gutes hat diese ganze Odyssee dann doch noch – wir legen am Shek-O-Beach unseren ersten Strandtag unserer Reise ein. 🙂

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Beachtime!

Trotz der erwähnten Schwierigkeiten, haben wir die Zeit in Hongkong sehr genossen! Hier noch einige Impressionen aus Hongkong:

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