Cuenca – ein Besuch der buchstäblich ins Wasser fällt!

Langsam kämpfen wir uns gen Süden. Vorbei am Fusse des mächtigen, in Wolken gehüllten Chimborazo, dem höchsten Berg Ecuadors, durch tiefe Schluchten reisen wir in die Südanden. Hinter jedem Bergrücken verändert sich die Landschaft. Eine Fahrt die einem spannenden Blockbuster in nichts nachsteht. Während sich der Bus über die engen, scharfen Kurven durch die Täler schlängelt, vertraue ich auf die Fahrkünste unseres Fahrers und hoffe gleichzeitig auf eine gut funktionierende Mechanik des Busses, denn Pannen gehören in Ecuador schon fast zur Tagesordnung. Die atemberaubende vorbeiziehende Landschaft allerdings lässt die Sorgen schnell vergessen und auch die lange achtstündige Fahrt wirkt erstaunlich kurzweilig. Obschon der Spruch: „Der Weg ist das Ziel“, durch atemberaubende Reisetage wie dieser einer ist, an Bedeutung gewinnt, erreichen wir spätabends doch noch unser Zwischenziel.

Cuenca, die drittgrösste Stadt Ecuadors lädt insbesondere ihres angenehmen Klimas, der charmanten Altstadt, den guten Restaurants sowie des entspannten Lebensstils wegen ein. Nicht nur bei ausländischen Touristen ist die als schönste Kolonialstadt Südamerikas gehandelte Stadt beliebt, auch Einheimische Reisende zieht die Stadt in Scharen an. Zugegeben, für uns ist‘s letztendlich ein Besuch in einer weiteren Kolonialstadt. Hier fehlt das wuselige Treiben Quitos, der indigene Touch der Dörfer in der Region Cotopaxi und das kulturell interessante Leben. Vielmehr ist Cuenca eine aufgeräumte, schöne Stadt, die genauso in einigen Ländern in Europa stehen könnte. Nicht nur deshalb hat Cuenca viele Expats angezogen, die nun hierleben. Wir geniessen indessen die Annehmlichkeiten der  „westlich“ wirkenden Grossstadt und widmen uns nur geringfügig den kulturellen Stätten der Stadt.

Denn nicht nur als Zwischenstopp einer langen Reise dient Cuenca, auch dem naheliegenden Cajas Nationalpark wollen wir einen Besuch abstatten. Zusammen mit Frank, den wir per Zufall in der Kathedrale von Cuenca sitzend wieder treffen, fahren wir ins ca. eine Stunde entfernte Naturschutzgebiet Cajas. Auf einer Höhe zwischen 3100 bis 4450 Meter über Meer gelegen, umgeben von fast 300 Seen und Lagunen, macht vor allem die Tierwelt mit ihren Kondoren, Brillenbären, Tapire, Pumas, Ozeloten diesen Park so einzigartig. Viele vergleichen den Nationalpark gar mit den schottischen Highlands, gestalten doch die sanften baumlosen Hügel die Landschaft rund um den Nationalpark. Nun gut, vollumfänglich können wir diese Meinung nicht teilen, was das Wetter allerdings anbelangt, trifft die Beschreibung vollends ins Schwarze. Dunkle Wolken hängen tief in den Hügeln, eine kalte Bise bläst uns um die Nase und die damit einhergehende feuchte Kälte dringt bis in die Knochen. Einmal mehr dick eingepackt wandern wir über die Hügel, verlieren uns in den Weiten des Nationalparks und halten Ausschau nach den hiesigen tierischen Bewohnern. Es scheint als sei der Tag verflucht, denn nicht nur versteckt sich die Sonne hinter der dicken undurchdringbar scheinenden Wolkenwand, auch macht uns der einsetzende Regen das Leben schwer. Durch Matsch und Schlamm waten wir, den richtigen Pfad suchend, erfolglos was Tiersichtungen anbelangt, durch den Park.

Ein Tag der im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt. Denn Kälte und Nässe halten die Begeisterung, trotz wunderschöner Landschaft, in Grenzen. Müde und geschafft kehren wir in das tiefer liegende und damit klimatisch weitaus angenehmere Cuenca zurück und suchen uns ein gemütliches Restaurant um den Tag doch noch gemütlich ausklingen zu lassen. Beide stoppen wir fast zeitgleich vor einem Schild, während wir hungrig und neugierig durch die Gassen ziehen. „Fondue de Queso“ steht vor uns gross geschrieben. Tatsächlich fragen wir uns, wie verzweifelt man sein muss, um in Ecuador ein typisches Käsefondue geniessen zu wollen. Ziemlich verzweifelt wie es scheint, denn wir beide sind uns sofort einig und so finden wir uns nur kurze Zeit später vor einem Caquelon wieder, tauchen frisches Weissbrot in die sämig-würzige Käsemasse ein und durchleben Gaumenfreuden gepaart mit Heimatgefühlen. Nach über zwei Jahren ohne Fondue, ein wahrer Gaumenschmaus und für uns perfekter Abschluss ruhiger wenn auch nasser Tage in Cuenca.

FIGUGEGL!!

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