Abstecher in den Südwesten bis nach Albany – unsere letzten Tage in Australien

 

Wer sich zu Beginn etwas zu sehr sputet, dem bleibt am Ende reichlich Zeit. Da man beim Reisen allerdings nie genug Zeit haben kann, wissen wir ohne Weiteres was mit den übrig geblieben fünf Tagen anzustellen. Nachdem wir uns von unseren temporären Reisebegleitern Kasia und Victor kurz vor Perth verabschiedet haben, fahren wir einmal quer durch die Stadt um dieser allerdings sogleich wieder den Rücken zu kehren. Wir nämlich wollen hinunter in den Süden, vorbei an Margareth River bis ganz hinunter nach Albany.

Grosse teilweise zwei-, dreispurige Autobahnen führen von der Stadt in Richtung Süden – ziemlich ungewohnt für uns. So ungewohnt das Verkehrsaufkommen, so ungewohnt ist auch das, was uns umgibt. Ackerfelder, grüne Wiesen, und hoch emporragende Bäume – keine Büsche, keine rote Erde mehr. Als Schlaraffenland wird diese Region auch oft umschrieben, denn der Südwesten Australiens gehört mit zu den artenreichsten Regionen der Welt, findet man rund die Hälfte der 8000 Pflanzenarten nirgendwo sonst auf der Welt. Mit der Landschaft um uns herum, ändert sich auch das Klima. Es wird deutlich frischer, lange Hosen und Jacken müssen aus den tiefen des Rucksacks gefischt werden. Aber wohl genau dieses Klima ist Grund für den hier so grossflächigen Weinanbau. Über grosse Flächen ziehen sich Rebberge über Rebberge. Obwohl schön anzuschauen, lassen wir diese allerdings links liegen, bevorzugen wir, oder vielmehr unser Geldbeutel, wenn überhaupt sowieso die Weine der bekannten Sorte „Dry Red“ aus dem Tetrapack! Wir merken relativ schnell, hier herrscht nicht mehr diese rauhe, und für uns so sympathische einfache Kultur. Verbeulte rostige Pickups weichen schicken, modernen Sportwagen. Buschlandschaft weicht Olivenbäumen, an jeder Ecke wartet eine weitere Gaumenfreude auf die Besucher. Der Südwesten ist nicht umsonst gern gesehenes Ausflugs- resp. Ferienziel der Perthianer.


Aber nicht nur kulinarisch kann diese Gegend überzeugen, auch landschaftlich besticht die Region durch eine krasse Vielfältigkeit. Mit dichten Wäldern, grossflächigen Rebbergen, einsamen Buchten, rauhen Küstenabschnitten hat der Südwesten durchaus viel zu bieten. Und so entschädigt unser erster Stopp, die Region rund um Busselton mit seiner sattgrünen Umgebung, dem türksifarbenen Meer und den einsamen Strandabschnitten für die zuvor so stressig durchkämpften Suburbs von Perth.

Die Kleinstadt Busselton ist neben seiner herrlichen Lage am Meer vorallem für eines bekannt, den längsten Pier der gesamten Südhalbkugel. Knappe 2 km ragt der lange aus Holz gefertigte Steg hinaus aufs Meer. Lange Fahrtage rufen geradezu nach Bewegung. Und weil sich das Wetter so perfekt unseren Plänen anpasst, nutzen wir die Gunst der Stunde unseren Beinen etwas Bewegung zu gönnen und spazieren hinaus aufs Meer. Eine kühle Brise weht uns um die Nase, die Sonne scheint, die Möwen „schreien“ laut und der tiefblaue Himmel steht im Wettbewerb mit dem türkisfarbenen Wasser, das uns umgibt.

Busselton Jetty

Ein paar Kilometer entfernt liegt das Cape Naturaliste, auf welchem sich ein kleiner, weisser Leuchtturm perfekt in die Landschaft einfügt. Wir spazieren ein wenig durch die Gegend, lassen unseren Blick schweifen, quatschen, geniessen, träumen, als plötzlich keine zwei Meter von uns entfernt etwas grosses vor unseren Füssen aus dem Busch springt. Verdutzt bleibt es unmittelbar vor uns stehen, schaut uns an, um im gleichen Moment in eine Schockstarre zu verfallen….wir tuns ihm gleich! Der Schrecken steht mir noch ins Gesicht geschrieben, als mir bewusst wird, was da gerade vor mir steht. Ein nicht allzu kleines Känguruh nämlich hat sich da wohl etwas verirrt! 🙂 Doch kaum realisiert, ist das ganze Schauspiel auch bereits wieder vorbei. Das Roo, wie die Australier ihr Nationaltier gerne nennen, fängt sich wieder und verschwindet im Busch. Ja, überrascht waren wir wohl alle in gleichem Masse!

Cape Naturaliste

Wenn gerade kein Känguruh vor einem herumspringt, geniesst man von hier aus atemberaubende Blicke auf einsame Strände und steilabfallende Klippen. Auch das Meer hat man von hier aus wunderbar im Blick, auf welchem man mit etwas Glück realtiv gut Wale beobachten kann. Wir rechnen schon gar nicht mehr damit, sind der Meinung die Wale sind wohl längst schon vorbeigezogen, als weit im Ozean draussen plötzlich Meerwasser aufgewirbelt wird. Denke ich anfangs, dass es sich hierbei um ein Boot handeln muss, wird uns schnell klar, nein das sind Wale! Gleich drei Buckelwale gleichzeitig plantschen an der Wasseroberfläche nah einer kleinen Bucht.

Buckelwal

Der Südwesten Australiens ist aber nicht nur für seine Delikatessen und die schöne Natur bekannt, nein, auch als Surfermekka wird diese Region gehandelt. Profiwellen und vorallem ganzjährig konstant hohe und gut surfbare Wellen finden sich an diversen Küstenabschnitten des Südwestens. Auch wenn ich mich sehr gut vor dem Sprung ins kalte Nass zurückhalten kann, wird es schon fast zum Tagesritual die hartgesottenen Surfer mit ihren dicken Neoprenanzügen in der windigen kühlen Bucht zu beobachten.

beliebter Surfspot

Wir fahren weiter in Richtung Süden. Am südlichsten Punkt Westaustraliens schliesslich finden wir eine hübsche kleine Landzunge die weit ins Meer hinausragt, das Cape Leeuwin. Ganz am Ende findet sich abermals ein Leuchtturm, welcher den Lichtkegel dorthin wirft wo sich der Indische Ozean und das Südpolarmeer trifft.

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Cape Leeuwin

Entfernt man sich nur wenige Kilometer von der Küste, zeigt sich auch hier die ungaubliche Vielfalt dieses Landes. Waren wir nur wenige Minuten zuvor noch am rauhen Strand, wo uns der Wind um die Ohren blies, finden wir uns nun auf einer idyllischen Strasse umgeben von hoch emporragenden Bäumen. Mystisch ist dieser Ort, vielleicht auch ein wenig verträumt, vorallem dann wenn die Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch die Baumwipfel der hier ansässigen Karri-Bäume suchen.

Karri-Wald

Der südliche Südwesten ist fortan geprägt von dichtem Wald. Die hoch emporragenden Bäume laden geradezu ein bestiegen zu werden. Ich kann auf solchen Spass ja gerne verzichten, nicht aber Dominique. Im Gloucester Nationalpark wird den Besuchern schliesslich die Möglichkeit geboten auf dünnen, rutschigen Leiterstufen, welche sich den 58 Meter hohen gleichnamigen Gloucester-Tree hochwinden, hochzuklettern. Ehrfürchtig schaue ich nach oben während Dominique Stufe um Stufe nach oben klettert. Der Wind lässt die Baumkronen mit dem Wind bewegen. Unheimlich sei das Gefühl hoch oben auf einer winzig kleinen Plattform zu stehen, mit dem Wind hin und herzuschaukeln und den Blick über den dichten Wald schweifen zu lassen. Gar ihm war es etwas mulmig zumute, meint Dominique wieder mit festem Boden unter den Füssen. 😉

Gloucester Tree

Rund um Albany, unserem letzten Ziel vor unserer Rückkehr nach Perth finden wir eine weitere Küstenperle. Keine weissen Sandstrände, dafür hohe, starke Wellen, die mit einem lauten Knall und Getöse an die Felsklippen schlagen. Das Wasser schäumt, wirbelt herum wie in einer Waschmaschine, sucht sich einen Weg retour, während bereits die nächste Welle anrollt. Obwohl das Wetter etwas zu wünschen übrig lässt, der Wind empfindlich kalt ist, liebe ich solche Orte. Garstig, rauh, voller Power! Mit welcher Kraft das Wasser hier am Werk ist, zeigt sich speziell an den unglaublichen Felsformationen, welche das Wasser einst geformt hat. Blickt man in einer Ecke auf eine Art Brücke, findet man in einer anderen Bucht die sogenannten Elefantenfelsen. Riesige Felsbrocken, welche durch die Kraft des Wassers mit etwas Phantasie die Form von Elefanten erhalten haben.

windig, garstige Südküste

Elephant Rock

Natural Bridge

Es waren trübe, nasse, kalte und vorallem windige letzte Tage, welche wir in Australien erleben durften. Umso glücklicher sind wir, als uns auf den letzten Kilometern zurück nach Perth nochmals die Sonne ins Gesicht scheint. Wenn auch etwas wehmütig geniessen wir unseren letzten Abend im Bus in vollen Zügen, bevor die Zivilisation uns wieder hat.

Entspannt lassen wir uns die Sonne sitzend vor dem Bus noch ein letztes Mal ins Gesicht scheinen, als plötzlich lautes Rascheln zu hören ist. Am letzten Tag nämlich besucht uns noch dieser kleine Freund. 🙂

Wir gebens ja zu, nach wochenlanger „Einsamkeit“, „alleine“ unterwegs in den Weiten Australiens, sind wir erstmals ziemlich überfordert mit der Grosstadt Perth. Wir sind irgendwie gar nicht so richtig bereit ins Grossstadtleben einzutauchen und geniessen stattdessen ruhige Tage ohne viel zu tun. Nur eines haben wir fest geplant: Dank einer All-in-One Geburrispende, die wir aufgrund mangelnder Möglichkeiten erst nachträglich einlösen können, lassen wir es uns am letzten Abend in Perth nochmals so richtig gut gehen, stossen mit einem kühlen Blonden an und geniessen es tatsächlich auch für einmal nicht selbst am Herd stehen zu müssen.

Vielen Dank Mama & Köbi! 🙂

Australien, ein Land, das für uns soviel Bedeutung hat, ein Strassenabenteuer, auf welches wir uns derart gefreut haben, geht bereits zu Ende. Viel zu schnell ist auch hier die Zeit vergangen, denn wir verlassen den roten Kontinent bereits wieder – glücklicherweise nur ein bisschen wehmütig, denn schliesslich wissen wir, das Abenteuer Roadtrip geht weiter, nur eben nicht hier! 🙂

Und für alle die’s interessiert, hier ein paar Facts über unseren vierwöchigen Roadtrip durch den Westen Australiens:

  • Tage on the road: 30
  • Fahrzeug: Toyota Hiace alias „der Würfel“, Baujahr 2003 (oder 2001, weiss niemand so genau) und satte 660’000 Km auf der Uhr!
  • Gefahrene Kilometer: 7804 Km
  • Treibstoff: 804 Liter Benzin (Waaahnsinn!!)
  • Benzinverbrauch: 10.3 Liter pro 100 Km (nur mit Höchstgeschwindigkeit 80 Km/h und ohne Klimaanlage möglich ;-))
  • Öl-Verbrauch: ca. 2 Liter (ja, unser Bus hatte schon den einen oder anderen Kilometer auf dem Buckel)
  • Pannen: keine!! 🙂

3 Gedanken zu “Abstecher in den Südwesten bis nach Albany – unsere letzten Tage in Australien

  1. Dä Abschnitt chunt aber recht „schnell“ vor… Vorher über 400 Täg in Asie und jetzt 30 Täg Australie! Sicher au Geldtechnisch bedingt 🙂
    Aber Interessant das ihr kei Panne gha hend, Asie het jo recht „viel“ panne für eu parat gha, im Verglich 🙂
    Freuet üs uf euen nögste Abschnitt! 🙂

    Grüessli
    Peter & Stephi

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    • Hoi Ihr beidä. Jo schu ziemli! 😉 Isch halt schu a krassa Unterschied zwüschat Südostasie und Australia. Hend aber doch nomol wella do hera kho, hend üs halt aifach entsprechend kurz ghalta! isch aber trotzdem super gsi! 🙂 Miar hoffend iar könnd Vorwiahnachtsziit indr verschneita Schwiiz in volla Züüg gnüssa! Liabi Grüass us Neuseeland! 🙂

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