Seoul – mit spannenden neuen Bekanntschaften erkunden wir die koreanische Hauptstadt

Als „Tokyo Light“ wird die Hauptstadt Südkoreas oft beschrieben. Und vielleicht liegt es genau an dieser Beschreibung, dass wir uns wieder etwas mehr auf eine Stadt freuen. Denn an die Zeit in Tokio erinnern wir uns gerne zurück, entsprechend in sich haben es auch die letzten Tage unseres kurzen Abstechers in Südkorea. Wir nämlich entkommen unserem Tief und erleben nochmals coole Tage mit spannenden Bekanntschaften in der Hauptstadt Südkoreas.

Abermals mit dem Bus fahren wir von Jeonju nach Seoul, unsere letzte Station in Südkorea. Aufgrund der bisherigen raschen Durchreise durch Südkorea bleibt hier genügend Zeit die Stadt etwas ausgiebiger zu erkunden. Obwohl wir Seoul erst nachmittags erreichen, sind wir voller Motivation, wieder voller Tatendrang. Und so machen wir uns direkt nach dem Einchecken im Hostel auch sogleich auf den Weg das erste Viertel Seouls, Itaewon ein kleines Vergnügungsviertel unter die Lupe zu nehmen. Aufgrund einer naheliegenden Army-Base finden sich in diesem Viertel überdurchschnittlich viele Expats. Auch das Vergnügungsviertel ist daher bei Westlern sehr beliebt, Langnasen soweit das Auge reicht! Machen wir meist wenn möglich einen grossen Bogen um derartige Plätze, möchten wir uns das Ausgehviertel dieses Mal etwas näher betrachten. Schliesslich ist Samstagabend, Ausgehzeit und ein Bier sollte nach der letzten abstinenten Zeit wohl wieder drinliegen. Wir spazieren durch die Gassen des Viertels, merken einmal mehr, dass wir viel zu früh dran sind und auch die Preise lassen uns erschaudern. Der erste Eindruck: Naja…! Wie durch Zufall finden wir schliesslich ein Pub, das unserem Budget entspricht. Wir genehmigen uns ein kühles Blondes und lernen ganz zufällig Stephanie und Peter aus Winterthur kennen. Seit einer extrem langen Zeit sind sie wieder die ersten Schweizer, die wir auf unserer Reise kennenlernen. Natürlich gab es ab und zu den ein oder anderen Schwatz mit einem schweizer Reisenden, über einen kurzen Smalltalk hinaus, gingen diese Gespräche aber selten. Ganz anders mit Stephanie und Peter. Beide ebenfalls auf einer 6-monatigen Reise durch Asien haben viele spannende Geschichten zu erzählen. Sie befinden sich am Ende ihrer Reise und kehren in wenigen Tagen in die Schweiz zurück. Wir geniessen den Abend, können wir doch endlich wieder einmal „frei nach Schnauze“ sprechen, so wie uns der Schnabel eben gewachsen ist. Die Chemie scheint zu stimmen und so entscheiden wir uns spontan, in den nächsten Tagen gemeinsam etwas zu unternehmen.

Vorher aber steht noch ein anderes Treffen an. Wer sich noch an unseren Kyoto-Besuch erinnert, weiss, dass wir uns in Seoul mit Yeonhyeong alias Tychus verabredet haben. Yeonhyeong, der in Seoul lebt und studiert, hat uns angeboten uns seine Stadt ein wenig zu zeigen. Als äusserst geschichtsinteressierter junger Mann, kann man sich keinen besseren Reiseführer wünschen. Pünktlich stehen wir an vereinbartem Treffpunkt, am Gwanghawmun Square direkt vor der Statue von König Sejong und warten auf unseren Reiseführer.

Statue von König Sejong

Ich schaue mich um, gehe Koreaner für Koreaner durch und frage Dominique schliesslich: „Meinst du wir erkennen Yeonhyeong wenn er kommt?“ Denn tatsächlich sehen für uns in Japan und Korea auch nach fünf Wochen die meisten ziemlich gleich aus. „Da! Ich glaube das ist er“, meint Dominique im gleichen Moment und tatsächlich kommt uns ein strahlender junger Mann entgegen.

Zusammen mit Yeonhyeong spazieren wir zum Gyeongbokgung Palast, der erste und zudem grösste der fünf Paläste in Seoul. Dreimal täglich findet vor den Toren des Palastes die Wachablösung statt. Als hätten wir unsere Ankunft auf die Minute genau geplant, erreichen wir das Tor pünktlich zum Personalwechsel. Wir beobachten das Schauspiel. Als etwas anderes kann man dies auch gar nicht beschreiben, führen die jungen Männer doch mit ihren aufgeklebten Bärten eine eigens einstudierte Choreographie vor.

Wachablösung

Die anderen Touristens freuts, wir schmunzeln und betreten die Gemäuer des Palastes. Gleich hinter dem Eingangstor fühlen wir uns ein weiteres Mal in eine frühere Zeit zurückversetzt. Es kommt uns nämlich vor als stünden wir in der verbotenen Stadt in Peking. Nur ist der Gyeongbokgung Palast hier in Seoul zum Glück nicht ganz so gross und weit weniger überlaufen. „Strahlende Glückseligkeit“ bedeutet der Name des Palastes, welcher bis ins 16. Jahrhundert als Wohnsitz des Königs diente. Wir folgen Yeonhyeong durch die Anlage des Palastes und freuen uns über die Tatsache für einmal einen privaten Guide an unserer Seite zu haben. Während Yeonhyeong sein breites Wissen mit uns teilt, bestaunen wir die restaurierten Gebäude des Palastes.

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Gyeongbokgung Palast

Unser Guide führt uns weiter durchs Zentrum Seouls. Denn nicht nur in Jeonju gibt es ein Hanok-Village auch inmitten der Millionenstadt findet sich ein kleiner Schatz. Nur den Eingang zum Bukchon Hanok-Village in Seoul zu finden stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Das 600 Jahre alte Dorf nämlich befindet sich etwas erhöht auf einem Hügel. Nur eine oder zwei Treppen führen hoch ins Städtchen zu den ca. 900 traditionellen Hanok-Häusern.

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Yeonhyeong ermahnt uns ruhig zu sein, denn zu unserem Erstaunen wohnen hier immer noch Menschen. Auch diverse Schilder weisen an jeder Ecke darauf hin sich in seiner Lautstärke zu mässigen. Als Yeonhyeong allerdings meint, dass die Schilder wohl eher an die chinesischen Touristen gerichtet sind, muss ich schmunzeln. Zu gut kann ich mir eine chinesische Reisegruppe, meine geliebten Buntkappen, in diesen traditionellen Gassen vorstellen. 🙂

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Selfiestick, Fotokamera, Reisegruppen von allem hat es schlichtweg zuviel. Flott spazieren wir daher durch die Gassen, lassen es uns dann aber doch nicht nehmen auch noch ein Selfie mit Yeonhyeong zu machen. Es gilt sich ja schliesslich den Ländern anzupassen. 🙂

Selfie im Bukchon Hanok-Village

Da das Bukchon Hanok-Village genau zwischen den Palästen Gyeongbokgung und Changdeokgung liegt, statten wir auch dem zweiten Palast einen kurzen Besuch ab. Neben den ehemaligen Wohnbereichen des Königs, denn auch dieser Palast diente als Königsresidenz, kann man hinter dem Palast einen riesigen wunderschönen Park besuchen. Da wir allerdings schon etwas müde sind und die Beine bereits etwas schwer, verzichten wir auf einen Besuch der grünen Oase.

Wir nähern uns immer mehr der Mitte Seouls während wir am bekannten Viertel Insadong vorbeimarschieren. Hier gibt es zahlreiche traditionelle Shops, kleine Restaurants, verwinkelte alte Strassen und historische Sehenswürdigkeiten. Yeonhyeong schüttelt etwas widerwillig den Kopf als wir an der berühmtesten Strasse des Viertels vorbeilaufen. „Ich mag die Strasse hier nicht“, meint Yeonhyeong zu unserem Erstaunen. „Alle gehen sie mit ihren Freundinnen durch die Strasse und zeigen ihre Liebe!“. Ahaaa..alles klar! Wir verstehen, versuchen unseren Freund etwas aufzumuntern und marschieren zackig weiter. Und was gibt es bei Liebeskummer besseres als ein Glace? Nichts, ausser vielleicht ein lustiges langgeschwungenes koreanisches irgendwas gefüllt mit feinem Glace! 🙂

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Etwas weiter südlich befindet sich der Cheonggyecheon Fluss, welcher sich mitten durch die Stadt schlängelt. Bis ins Jahr 2003 war dieser zubetoniert. Eine Hochautobahn wurde errichtet, welche glücklicherweise im Jahr 2003 zerstört und der Fluss schliesslich wieder renaturisiert wurde. Von alt bis jung, gross und klein, alle geniessen sie die Freizeit entlang des Flussufers.

Sightseeing macht müde und vorallem hungrig. Und da unsere Mägen bereits knurren, ist es allerhöchste Zeit auch diesen etwas gutes zu tun. Yeonhyeong führt uns in seinen Stadtteil, etwas ausserhalb gelegen wo es wunderbar typische Localrestaurants gibt, genau das was wir wollen. Gamjatang eine Art Eintopf mit Schweinefleisch am Knochen, Kartoffeln und vielerlei sonstigem Gemüse soll es heute sein. In der Mitte des Tisches befindet sich eine Herdplatte auf welchem der riesige Topf mit allerlei Suppeneinlagen gekocht wird. Dazu wird Reis, Gemüse, und natürlich Kimchi, das Nationalgericht der Koraner gereicht. Zusammen mit unserem Freund verlieren wir uns in spannenden Gesprächen während wir uns das unglaublich feine Essen schmecken lassen. Ein wahrer Gaumenschmaus!

Ein kurzer Verdauungsspaziergang an einem Fluss ganz in der Nähe von Yeonhyeong Wohnort ist der perfekte Abschluss eines spannenden, coolen Tages mit einem neuen Freund in Seoul. Für uns gibt es kaum etwas schöneres als neue Freundschaften aus aller Herren Länder zu schliessen. Danke Yeonhyeong, dass du dir für uns Zeit genommen hast und uns einen weiteren unvergesslichen Tag beschert hast! Wir sehen uns spätestens in der Schweiz! 🙂

대단히 감사합니다 Yeonhyeong! 🙂

In den nächsten Tagen schlägt das Wetter in Seoul schlagartig um. Es regnet in Strömen. Wir bleiben für einmal etwas länger im Bett. Da wir allerdings unbedingt noch die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea besuchen möchten, steht für uns vorgängig noch ein Besuch des War Memorials of Korea (Koreanische Kriegsgedenkstätte mit Museum) an, um ein besseres Verständnis, resp. mehr Hintergründe in Bezug auf die Problematik der beiden Länder zu erhalten. Das Museum, welches auf vier Etagen verteilt ist, vermittelt einfach und klar das Vergangene. Obwohl manchmal etwas zu polarisierend, erfahren wir spannende Details zur Geschichte Koreas.

War Memorials of Korea

Am nächsten Abend schliesslich treffen wir erneut Stephanie und Peter. Zu unserem kleinen Grüppchen stosst Roger, ebenfalls aus der Schweiz, welcher aktuell geschäftlich in Seoul zu tun hat. Korean BBQ steht heute auf dem Plan und so machen wir uns zu fünft auf den Weg in ein kleines Restaurant ganz in der Nähe von Hongdae. Unbedingt wollten wir diese Art von Tischgrill noch probieren, bevor wir wieder abreisen. Umso schöner dürfen wir dies in Gesellschaft toller Menschen machen. Neben Fleisch werden diverse Zutaten gereicht. Während das Fleisch auf dem Grill brutzelt, nimmt man sich ein Salablatt füllt dieses mit allerlei Zutaten, nimmt sich ein Stückchen Fleisch, wickelt das Salatblatt ein, tunkt es nach Belieben in Sojasauce und lässt sich sein Päckchen schliesslich auf der Zunge zergehen. Wie es sich gehört trinken wir dazu feinen Soju, der uns wesentlich besser schmeckt als der japanische Sake. Wir verbringen einen feuchtfröhlicher Abend in schweizer Runde und geniessen die Gesellschaft unserer Landsleute…ja das hatten wir tatsächlich schon länger nicht mehr! 🙂

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Korean BBQ

„Wollt ihr nicht lieber schon früher abreisen?“, steht plötzlich in einer Nachricht von zu Hause geschrieben. In den Nachrichten ist es überall zu hören, Drohungen von Nordkorea, Provokationen von Seiten den USA, es scheint zu brodeln rund um unseren nördlichen Nachbarn. Ob wir denn keine Angst hätten, werden wir ebenfalls des öfteren gefragt. Nicht im geringsten! Obwohl wir uns zu Beginn zugegebenerweise ebenfalls unsere Gedanken zu diesem Thema gemacht haben, merken wir schnell Südkorea ist kein Teil dieses Spieles, momentan zumindest nicht. Aus Neugier sprechen wir trotzdem mit einigen Einheimischen und jeder gibt uns dieselbe Antwort: „Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, das geht schon Jahrzehnte so. Nordkorea hat die USA auf dem Kieker nicht uns. Wir sind uns das gewohnt und nehmen diese Machtspielchen gar nicht mehr ernst.“ Nun gut, sicher fühlen wir uns sowieso ohne jeden Zweifel, dennoch bekommen wir die Machtspielchen doch auch ein wenig zu spüren, als wir nämlich einen Ausflug in die demilitarisierte Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea machen wollen. Aufgrund Militärübungen ist die Joint Security Area (JSA) oder auch „gemeinsame Sicherheitszone“ inmitten der DMZ zurzeit unseres Besuches gesperrt. Gerne hätten wir diesen Bereich der DMZ ebenfalls besucht. Zusammen mit Stephanie und Peter reisen wir dennoch hoch in den Norden um der DMZ, einer vier Kilometer breiten neutralen Zone zwischen den beiden Ländern einen Besuch abzustatten.

Bereits die Anfahrt lässt erhahnen wie heikel doch das Zusammenleben der Nord- und Südkoreaner, resp. wie uneins die politische Lage ist. UN-Soldaten bewachen die Eingänge in die Sperrzone, Fotografieren ist hier strengstens verboten. Wir wissen irgendwie nicht so recht was wir davon halten sollen. Einerseits macht es uns nachdenklich, andererseits fragen wir uns ob das alles nicht etwas zu künstlich aufgebauscht wird. Reisebus um Reisebus passiert die Grenze. Die DMZ ist längst schon zum Touristenhotspot mutiert. Neben der sogenannten Freedombrücke, besuchen wir den 3rd Tunnel (dritter Invasionstunnel), einer der vier ehemals geheimen Tunnels welche die Nordkoreaner einst bauten um Südkorea anzugreifen.

Ein Observationsdeck etwas höher auf einem Hügel gelegen ist schliesslich der an Nordkorea nächstgelegene Punkt unserer Reise. Durch Ferngläser kann man einen Blick hinüberhaschen nach Nordkorea. Propagandabauten, riesige Reisfelder und eine gigantische Nordkoreanische Flagge steht unmittelbar im Blickfeld der Südkoreaner. Aus den riesigen Lautsprechern ertönen durchgehend Propagandalieder. Die Situation ist mehr als surreal. Propaganda ist das Wort der Wörter wenn es um den Konflikt zwischen diesen beiden Ländern geht. So erzählt uns unser Guide, dass auch Südkorea eine Menge Propaganda betreibt in dem sie beispielsweise schöne, sattgrüne Reisfelder unmittelbar vor der Grenze anbaut um den Gegner auf der anderen Seite aufzuzeigen wie reich und wohlhabend Südkorea doch ist. Obwohl unglaublich spannend, ist dies für mich fast schon eine Farce. Umso trauriger, denken wir an all die Menschen die unter diesen Machtspielchen leiden müssen.

Blick nach Nordkorea

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Ein interessanter Tag geht zu Ende und damit heisst es für uns nicht nur von Stephanie und Peter Abscheid nehmen, nein, für uns neigt sich auch unser fünfwöchiger Abstecher in den fernen Osten dem Ende zu. Obwohl Südkorea uns noch nicht vollumfänglich zu beeindrucken wusste, haben wir die Zeit in diesen Ländern unglaublich genossen. Für uns war es nach einer langen Zeit in Südostasien nicht nur eine schöne Abwechslung, vielmehr sind es die Begegnungen, Bekanntschaften und schönen Erlebnisse die bleiben werden.

2 Gedanken zu “Seoul – mit spannenden neuen Bekanntschaften erkunden wir die koreanische Hauptstadt

  1. Hoi Zäme

    In Itaewon uf dä suechi noch enem Lokal mit günstigem Bier 🙂 Das cha jo nur üs Langzitreisende passiere 🙂

    Sind super spannendi gspröch gsi und mir verfolget euen Blog mega gern! Nur scho dä zuefall, dass mir in Osaka und Aso die gliche Unterkünft gha hend, isch scho amüsant 🙂

    Viel Spass uf euer Witerreis! Hebet eu Sorg und gnüssets 🙂

    Liebi Grüess

    Peter und Stephi

    Gefällt mir

    • Hoi zäma!

      Das kliina Detail mit dr Biarsuachi hani bewusst mol wegloh! 😉 Dia grossa Problem vuda Langziitreisanda wo eba nur Langziitreisandi verstöhnd! 🙂 Das freut üs riesig. Hend a megatolli Ziit kha in Seoul mit eu! 🙂 Miar hoffand iar hend eu sowiit auschu wieder abiz iglebt? Goht jo amel schnell…meischtens zu schnell…

      Ganz liabi Grüass und bis irgendaswenn in dr Schwiiz wieder! 🙂

      Dominique & Irène

      Gefällt 1 Person

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