Melaka – eine Stadt geprägt vom Kolonialismus

Von der kleinen Küstenstadt Melaka in Malaysia, unserem nächsten Ziel haben wir schon viel gehört. Hübsch soll sie sein, aber auch unglaublich überfüllt. Vorallem asiatische Touristen, aus Malaysia, Singapur und China strömen angeblich massenweise nach Melaka. Uns überrascht dies nicht, wurde die Stadt doch 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Und was in der UNESCO-Liste zu finden ist, zieht auch entsprechend viele Leute an. Mit gemischten Erwartungen sind wir nach Melaka gereist und werden tatsächlich überrascht – uns nämlich gefällt die kleine Stadt im Südwesten des Landes auf Anhieb.

Von Singapur aus passieren wir mit dem Bus abermals die Grenze nach Malaysia und mieten uns für ein paar Tage im absolut empfehlenswerten Old Town Guesthouse ein. Chua der Besitzer des Hostels begrüsst uns überaus freundlich und gibt uns Tipps für die Besichtigung der Stadt. Er ist in der Stadt aufgewachsen und sieht mit einem etwas kritischen Auge die immer mehr fortschreitende Ausschlachtung des Ortes. Neben grossen Shoppingmalls wurde mitten in der Altstadt ein riesiges Gebäude errichtet, in welchem sich der H&M eingemietet hat, gleich nebenan gibt es seit neustem ein Hard Rock Café… Chuan gibt uns Tipps und hilft wo er nur kann, wir fühlen uns bei ihm tatsächlich fast wie zu Hause.

Bei der ersten Besichtigung der Stadt, merken wir relativ schnell..sehr viel an Sehenswürdigkeiten hat die Stadt nicht zu bieten. Vielmehr sticht der Charme der Stadt heraus. Aufgrund ihrer exponierten Lage an der Strasse von Melaka, haben viele verschiedene Länder, vorallem Seefahrernationen ein wenig von ihrer Kultur in Melaka gelassen. Zuerst waren die Chinesen in der Stadt, später kamen die Portugiesen, danach die Holländer und schliesslich die Engländer. In der ganzen Stadt findet man Überbleibsel dieser Zeit.

Was uns jedoch fast noch mehr und den Bann zieht ist die Uferpromenade entlang des Malacca Rivers. Hier reihen sich bunte Häuschen aneinander, dazwischen liegen kleine Parks und ab und an findet man auch ein wenig Streetart.

Die kleinen Satayspiesse, ein Gericht das ursprünglich aus Indonesien stammt ist auch in Malaysia allgegenwärtig. Chua der Hostelbesitzer gibt uns den Tipp unbedingt ein kleines Restaurant an der nächsten Strassenkreuzung zu besuchen. Dieses nämlich bietet eine ganz neue Variante Satayspiesse zu essen an. In der Mitte des Tisches köchelt ein grosser Topf mit der dazugehörigen Erdnusssauce in welche man die verschiedenen Fleisch-, Fisch-, und Gemüsespiesse, die man vorgängig per Selbstbedienung aus dem Kühler nimmt, ähnlich wie beim Fondue tunkt und auf diese Weise kocht. Eine riesen Sauerei aber unglaublich lecker… Und ja, es schmeckt wirklich besser als es aussieht! 😉

Auch Melaka zeigt auf eindrückliche Art und Weise, wie verschiedene Kulturen mit verschiedenen Religionen friedlich miteinander Leben können. Spaziert man nämlich die Street of Harmony entlang findet sich in unmittelbarer Nähe ein chinesischer Tempel, hinduistischer Tempel sowie eine muslimische Moschee.

Aber auch die restliche Altstadt überrascht uns. Die Touristenmassen bleiben, zumindest unter der Woche aus, die Strassen sind ziemlich leer. Umso besser für uns, denn so können wir die süssen, kleinen Gassen ganz für uns alleine erkunden.

Sobald aber das Wochenende hereinbricht, strömen auch die besagten Touristen aus Singapur, Malaysia und China in die Stadt. Rund um die Jonker Street, Haupttouristenstrasse der Stadt, findet ein Nachtmarkt statt, in welchem allerhand Waren verkauft wird. Neben dem üblichen Ramsch gibt es aber auch einen kleinen feinen Foodmarkt wo man sich gut verköstigen kann. In den Gassen wird es ziemlich eng trotzdem wagen auch wir uns ins Getümmel.

Unser ganz persönliches Highlight dieses Nachtmarkts befindet sich aber ganz am Schluss des Marktes. Dort wo Mitten auf der Strasse eine grosse Bühne steht, singen meist ältere Menschen den ganzen Abend über Karaoke. Meist sind die Herren eher wenig enthusiastisch am Werk, umso köstlicher ist es dieses Schauspiel zu beobachten.

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Am letzten Tag unseres Aufenthaltes statten wir der Melaka Straits Mosque oder auch Masjid Selat Melaka gennant, einen Besuch ab.  Die Moschee steht an der Küste einer aufgeschütteten Halbinsel. Wenn der Meeresspiegel eine entsprechende Höhe erreicht, sieht es aus als würde die Moschee auf dem Meer „schwimmen“, weshalb ihr auch der Übername Floating Mosque verpasst wurde. Die Moschee macht schon von aussen einen wunderschönen Eindruck, wir aber möchten noch mehr davon sehen. Betreten darf die Moschee jedoch nur, wer Arme und Beine verdeckt. Frauen tragen zudem ein Kopftuch. Mit schicken Gewändern und Kopftuch betreten wir die Moschee, etwas unwohl fühle ich mich schon, ist diese Art von Verschleierung für uns doch etwas sehr gewöhnungsbedürftig. Vor dem Betreten der Gebetshalle bleibe ich stehen. Darf ich das als Frau überhaupt hinein? Ein freundlicher Mann winkt mir zu und bittet uns einzutreten. Er erklärt uns spannende Dinge über die islamische Religion während Männer vor uns kniend beten. Fünf Mal am Tag ruft der Muezzin zum Gebet. Männer und Frauen beten grundsätzlich getrennt voneinander, nicht weil der Koran dies vorschreibt, vielmehr kann die Moschee selber diese Regeln aufstellen. Natürlich haben wir schon einiges über den Islam gewusst, dennoch ist es spannend aus erster Hand von dieser Religion zu erfahren. Spannenderweise ähnelt sich das Christentum und der Islam in grossen Teilen sehr stark..eine Tatsache, welche uns bislang fast gar nicht bewusst war.

Der Bau der Moschee wurde erst 2006 fertiggestellt. Das ca. 30 Meter hohe Minarett dient gleichzeitig als eine Art Leuchtturm für die auf der Strasse von Melaka vorbeifahrenden Schiffe. Noch schöner wirkt die Moschee, sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Dann nämlich strahlt das imposante Gebetshaus wunderschön in den verschiedensten Farben.

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