Kia Ora Neuseeland! Unser Kiwi-Abenteuer beginnt!

 

Vielleicht hätten wir unser Vorhaben, per Landweg zu reisen, doch etwas konsequenter in die Tat umsetzen sollen, denn per Flug in ein Land einzureisen gehört gewiss nicht zu unseren Stärken, wie sich ein weiteres Mal herausstellt. Nach einer fast neunstündigen Warte-Odyssee am Flughafen in Melbourne, als der Check-In der Jetstar nämlich endlich seinen Schalter öffnet, wir sowas von froh sind, unser Gepäck endlich aufgeben zu können und gemütlich zum Gate zu schlendern ändert sich unsere Stimmung in wenigen Sekunden von fast antriebloser, etwas ermüdender und anstrengender Warterei in purer Stress!

Genau in diesem Moment, als sich der junge Mann hinter dem Schalter nach unserem Weiter- resp. Rückflugticket erkundigt, wir uns fragend anschauen, ihm aufgrund fehlender Planung und grösstmöglicher Spontaneität kopfschüttelnd ein „keine Ahnung“ zur Antwort geben, steigt unser Puls in Millisekunden auf gefühlte 580. „Jetstar darf euch leider nicht mitnehmen, sofern kein Ausreiseticket vorliegt, so schreibt es die Neuseeländische Immigrationsbehörde vor“, erkärt uns der nette Herr. „Aber….“, jeglicher Erklärversuch ist selbstverständlich für die Katz, ein Plan muss her und zwar sofort! Ja, Worst-Case-Szenario ist Kindergeburtstag dagegen, könnte man nämlich in Südostasien oder sonst wo ein ultragünstiges Flugticket irgendwohin buchen, sind alle Flüge aus Neuseeland einfach grundsätzlich extrem teuer. Wir überlegen hin und her und das in den wenigen Minuten die noch bleiben. Auf Katastrophenszenarien sind wir so gar nicht eingestellt, denn seit Längerem lief wieder fast alles wie am Schnürchen. Zu allem Überfluss ist selbstverständlich auch der Akku des Laptops leer, so dass neben anhaltender enormer Hirnaktivität nun auch noch rennend mit dem ganzen Gepäck eine Steckdose gefunden werden muss. Wir rennen durch den Flughafen, finden schliesslich die Lösung für das eine Problem, atmen einmal tief durch und überlegen. Eigentlich steht als nächstes der so lang hinausgezögerte Transpazifikflug auf dem Programm. Eine der wohl meistgehassten Flugbuchungen unter Reisenden. Wenn man zudem wie wir nicht einmal weiss, welches Land man als erstes ansteuern soll, ist dies so quasi ein Ding der Unmöglichkeit. Ok, Flug buchen und wieder stornieren, sollte doch möglich sein, oder? Wir surfen mit Lichtgeschwindigkeit durchs Interent, finden aber kein Portal, welches das anbietet, ja arbeiten unter Stress konnten wir auch schon besser. Na gut, dann eben ein Fake-Ticket, nur bleibt dafür leider keine Zeit und die Chance erwischt zu werden viel zu gross. In letzter Sekunde erinnere ich mich an einen Blogbeitrag, welchen ich vor Ewigkeiten mal gelesen habe und genau unser Problem schildert. Flugtickets mieten heisst das Zauberwort. Wir melden uns an, zahlen ein paar Dollar um keine zehn Minuten später ein echtes Flugticket nach Dubai in den Händen, resp. auf dem PC-Bildschirm zu haben. Dass dieses nur während 48 Stunden gültig ist und wir diesen Flug nie antreten werden, müssen die lieben Menschen von der Airline und Einreisebehörde  ja nicht wissen. Gut gelaunt, wenn auch etwas erschöpft (ja, wir waren definitiv schon belastbarer) strecken wir dem netten Herrn unser Flugticket entgegen, erhalten im Gegenzug unsere Boardingpässe und sagen dem roten Kontinenten nun doch noch tschüss – Bye bye Australia, Kia Ora Neuseeland!

Dass es in Neuseeland, wo der Frühling erst seit Kurzem Einzug hält, noch etwas frisch ist, haben wir erwartet, mit der kalten Bise die uns am Flughafen allerdings um die Ohren weht eher weniger. Christchurch begrüsst uns zu Beginn zwar mit Sonnenschein, trotzdem erfahren wir gleich am ersten Tag was die Kiwis mit der Aussage: „four seasons in one day“ meinen. Scheint morgens nämlich noch von einem wolkenlosen Himmel die Sonne, regnet es nur kurze Zeit später und stürmt was das Zeug hält. Auch diesbezüglich müssen wir uns wohl erst umgewöhnen.

Aufgrund eines vorbeziehenden Sturms ist die Wetterlage während unserer Tage in Christchurch alles andere als gut. Wir versuchen uns ein erstes Bild des Landes zu machen, uns zurechtzufinden, was wenig mit Sightseeing, sondern vielmehr mit wichtige kleine Einkäufe tätigen, Supermärkte vergleichen, Simkarte kaufen und Pläne schmieden zu tun hat. Was bei unserer kleinen Einkaufstour durch die Stadt trotzdem sofort ins Auge sticht sind die unzähligen Baustellen, hunderte Bauarbeiter, Gerüste, Absperrbänder und Umleitungen. Schön ist irgendwie anders. Wir sind sprachlos und auch etwas erschüttert mit eigenen Augen zu sehen, welch grosse Schäden das fatale Erdbeben vom 22.02.2011 angerichtet hat. Fast jedes Gebäude wurde damals beschädigt, über ein Drittel davon wurde mittlerweile abgerissen. Die Stadt ist knapp sechs Jahre später nach wie vor eine einzige Baustelle und der Wiederaufbau ist nach wie vor in vollem Gange.

ChristChurch Cathedral

Haben wir uns anfangs etwas schwer getan bei der Entscheidung Camper mieten oder kaufen, hat uns das Entgegenkommen unseres Campervermieters die Entscheidung etwas einfacher gemacht. Nachdem wir in Australien ein Fahrzeug des gleichen Unternehmens gemietet haben, konnten wir einen netten Deal aushandeln. Dass wir nun aber völlig überraschend auch noch ein Upgrade erhalten, freut uns umso mehr. Nach dem doch etwas in die Jahre gekommenen, aber trotzdem spitzenmässigen Camper 😉 in Australien, dürfen wir in Neuseeland ein ziemlich neues Modell fahren und für die nächsten Wochen unser Eigen nennen. Ich stelle vor, unser neues Zuhause:

Nachdem wir die letzten Tage mehrheitlich in Städten und Flughäfen verbracht haben,  sind wir wieder mehr als bereit die Strassen Neuseelands unsicher zu machen. Die Banks-Halbinsel nur wenige Kilometer von Christchurch entfernt, bietet sich als erster kurzer Abstecher perfekt an. Der Sturm hat sich verzogen, die Sonne scheint, es kann losgehen. Schon kurz nach Christchurch finden wir das, was wir uns unter Neuseeland stets vorgestellt haben: sattgrün bewachsene Hügel mit hunderten weidender Schafe. Die immer enger werdende Strasse windet sich den Hügel hoch, die Aussicht von oben fantastisch!

Banks Halbinsel

In der grössten Siedlung der Halbinsel, Akaroa schliesslich schlagen wir unser erstes Nachtlager auf. Bei einem kurzen Spaziergang durch das kleine Fischerdörfchen sticht uns als erstes das französische Flair ins Auge. Denn in der einzigen französischen Kolonie, erinnert auch heute noch vieles an unseren westlichen Nachbarn.

Auf dem bekannten Scenic Drive der Banks Halbinsel lässt sich die atemberaubende Landschaft der Halbinsel wohl am besten erfassen. Nur hätten wir dieses Vorhaben wohl besser bereits tags zuvor in die Tat umgesetzt, denn heute, nur einen Tag später, hängt der Nebel tief in der Bucht, Sicht ist so gut wie keine vorhanden.

Obwohl mit zwei Litern ziemlich untermotorisiert, fährt sich unser Bus (zumindest auf geraden Strecken und ohne Wind;-)) hervorragend. Und so setzen wir, zurück in Christchurch unsere Reise definitiv fort und machen uns auf den Weg in Richtung Süden. Vorbei an den Ausläufern des Gebirges fahren wir durch kleine Dörfer an wunderschönen Küstenabschnitten vorbei. Dunedin die nächstgrössere Stadt ist Eingangstor einer weiteren Halbinsel an der Ostküste, die Otago Halbinsel. Neben kilometerlangen Sandstränden, findet man auch steilabfallende Klippen. Die Fahrt über die Halbinsel gibt herrliche Blicke über unterschiedliche kleine Schätze dieses Landes frei.

Neuseeland hat unser Herz aber nicht nur wegen der schönen Landschaft bereits in den ersten Tagen erobert, vielmehr sind es die absolut gigantischen Schlafmöglichkeiten, welche die Regionen den Campern frei zur Verfügung stellen. So dürfen wir unsere Tage jeweils an so wunderschönen Orten mit Blick aufs Meer ausklingen lassen…

…um am nächsten Tag mit der gleichen sensationellen Aussicht wieder aufzustehen, den Tag mit einem Kaffee in der Hand mit Blick aufs Meer zu beginnen! Lebensqualität pur!

Besser kann ein Tag nicht beginnen…! 🙂

Die Ostküste der neuseeländischen Südinsel ist jedoch nicht nur von rauhen Küstenabschnitten geprägt, vielmehr ist diese Region auch für die unzähligen Seehundkolonien und die seltenen Gelbaugenpinguine bekannt.

Caution- Penguins Crossing 🙂

Ich mache mir meist ja wenig Hoffnung diese Tiere, insbesondere die so menschenscheuen Pinguine auch wirklich zu Gesicht zu bekommen. Umso überraschter sind wir was uns die Küste um den kleinen Ort Oamaru zu bieten hat. Während wir uns durch Wind und Wetter kämpfen, chillen die Seehunde gemütlich am Strand, plantschen im Wasser und lassen sich vom garstigen Wetter so gar nichts anmerken.

Und das Glück scheint am heutigen Tag geradezu auf unserer Seite zu stehen, denn tatsächlich begegnen wir auch ein paar wenigen Gelbaugenpinguinen. Während die meisten draussen im Ozean auf Futtersuche sind und erst abends wieder in ihre Nester an Land zurückkehren, watschelt dennoch der eine oder andere dieser quirligen Vögel durch unser Blickfeld.

Wie kann man einen derart erfolgreichen Tag noch besser machen? Wohl nur mit einer Abendstimmung sondergleichen. Und genau dafür liebe ich das Camperleben! Anhalten, wo immer man möchte, Zeit und die wunderbaren Ausblicke geniessen und den Tag an den schönsten Orten ausklingen lassen!

Obwohl auch während einer Reise vieles geplant werden kann, halten die Tage doch auch immer mal wieder Überrraschungen für einen bereit. Und wie eine kleine Wundertüte ist in Neuseeland vorallem das Wetter. Innerhalb von Stunden kann sich die Wetterlage viermal verändern, man sollte für alles gewappnet sein. Umso schöner allerdings ist es nach grauen kalten Tagen mit Sonne im Gesicht aufzuwachen. Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne scheint, perfektes Wetter für unseren heutigen Abstecher zum Nugget Point an der Southern Scenic Route gelegen. Am gleichnamigen Nugget Cap nämlich thront auf einer steilen klippenartigen Landzuge ein Leuchtturm umgeben von einer Ansammlung von Felsen im Ozean. Eine der wohl unverwechselbarsten und meist fotografiertesten Orte an der Otago Küste.

Ganz im Süden, rund um das Städtchen Invercargill ändert sich die Landschaft schlagartig. Die Catlins, wie die Region genannt wird, ist bedeckt von Wiesen und einem dichten Wald. Unzählige Wasserfälle finden sich in dem weitreichenden Regenwald. Spontan stoppen wir beim wohl bekanntesten aller Wasserfälle, den Purakanui Falls. Schon auf dem Weg dorthin werden wir von Feuerwehrauto und Ambulanz überholt, machen uns aber wenig Gedanken diesbezüglich. Ein Mann sei gestürzt und müsse geborgen werden, informiert uns ein Feuerwehrmann schliesslich am Eingang des Wasserfalls. Da das Gelände steil und rutschig ist, die Bahre mit dem Verletzten wohl schlichtweg zu schwer, resp. das Gelände zu schwierig ist, muss auch Domnique sowie ein anderer Besucher mit anpacken. Mit Seil und Bahre tragen die Männer den Verletzten schliesslich den steilen Weg hoch zur Strasse von wo aus dieser schliesslich ins Spital gefahren wird. Ein kurzer Moment für einen Blick auf den Wasserfall bleibt trotz der ganzen Aufgregung aber doch noch. 😉

Ok, wir gebens ja zu, wir sind Fans von Leuchttürmen. Glücklicherweise bietet auch Neuseeland eine Menge davon, weshalb wir nur wenige Kilometer weiter das Waipapa Lighthouse erreichen. Eigentlich wollen wir nur kurz die Beine vertreten, weshalb wir am Strand entlang um den Leuchtturm herumspazieren. Plötzlich stockt mir der Atem! Was ich anfangs, von weitem, für einen Stein gehalten habe, türmt sich plötzlich nur wenige Meter vor mir auf. Zwei riesige Seelöwen, welche wohl nur durch Fliegen gestört wurden, legen sich nach einem kurzen Blick glücklicherweise wieder hin um weiter ihrem Schöhnheitsschlaf zu frönen.

Wir sind ja wirklich schon ziemlich begeistert, verlieren das Strahlen trotz garstigem Wetter nicht, im Gegenteil! Und doch weiss uns der Süden immernoch weiter zu überraschen. Als wir bei der Monkey Island, ganz im Süden nämlich unser Nachtlager aufschlagen, einen ersten Blick über den fantastischen Ort werfen, ist die Entscheidung einen Tag länger zu bleiben schnell und einfach gefällt. Der Camper parkt nur geschützt durch eine kleine Düne direkt am Meer. Der breite Strand zieht sich über Kilometer in die Ferne während auf der linken Seite die Monkey Island liegt, die kleine Insel, welche dem Ort seinen Namen verpasst hat. Betreten kann man diese kleine, aus Steinen bestehende Insel nur bei Ebbe. Beim Erklimmen hat man regelrecht das Gefühl eine einsame Insel zu entdecken. Ein kleiner Pfad führt schliesslich nach oben, wo sich auf der Spitze ein alter Walbeobachtungspunkt der Maori befindet.

Abends, sobald sich die Sonne schlafen legt, wirft sich der Himmel in ein kitschig oranges Gewand. Ein wunderschöner Anblick über einer wunderschönen Bucht.

Sunset

Wir geniessen die Tage in vollen Zügen, dennoch ist ab und an eben auch in einem Camper Hausarbeit angesagt. Und so nutzen wir den freien Tag auch für die weniger schönen Dinge und legen einen Waschtag an.  Auch wir staunen immer wieder aufs Neue, für was alles so ein Camper zu gebrauchen ist! 😉

Waschtag…

Nur ungern verlassen wir die hübsche kleine Bucht, müssen allerdings weiterziehen. Vom Süden aus geht es wieder hoch, durchs Landesinnere in Richtung Norden. Obwohl unglaublich begeistert von der rauhen Südostküste der Südinsel Neuseelands, zieht es uns nun endlich in die Berge. Auf uns wartet ein wahres Highlight Neuseelands, so zumindest sind unsere Erwartungen. Vom kleinen Städtchen Manapouri aus, bekommen wir das erste Mal zu Gesicht was die kommenden Tage auf uns wartet und das ist mehr als vielversprechend….! 🙂

Blick auf die Berge des Fiordland Nationalparks

2 Gedanken zu “Kia Ora Neuseeland! Unser Kiwi-Abenteuer beginnt!

  1. Super Bilder und Berichte. Vielen Dank. Mit Freude lesen wir eure Reiseberichte.

    Wir waren vor 2 Jahren in den Carlins. Wunderschön!

    Geht ihr auch auf einen Great Walk? Wir haben den Keppler Trek gemacht.

    Lieber Gruss, Jürg + Irene

    PS: uns ins dasselbe mit dem Flugticket bei der Einreise nach Neuseeland passiert. War das ein Stress😱

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    • Vielen Dank! 🙂 Neuseeland ist wirklich ein wunderschönes Land, es gibt so vieles zu sehen. Wie ihr mittlerweile sehen könnt, haben wir den Kepler Track auch gemacht! 😉 Bis heute noch ein riesen Highlight unseres Neuseelandtrips. 🙂

      Beruhigt uns so richtig, dass euch dasselbe passiert ist bei der Einreise. Dachten nämlich tatsächlich, dass wir das mit dem Fliegen nicht mehr so ganz fähig sind. Aber wenn es auch Weltenbummlern wie euch passiert, ist ja alles in Ordnung! 😉

      Liebe Grüsse und ein frohes Neues! 🙂

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